Bildungsprojekt

Harburger Jungingenieure helfen Schule in der indischen Heimat

Als er vor knapp zwei Jahren aus Kalkutta an das NIT (Northern Institute of Technology Management) nach Hamburg kam, konnte Chakra Banerjee nur ein deutsches Wort - "danke".

Heute hält der 27-jährige Inder auf dem Campus der Technischen Universität Hamburg-Harburg (TUHH) Vorträge über sein Herzensprojekt: Zusammen mit 19 Landsleuten, die fast alle am NIT und an der TUHH studieren, unterstützt Banerjee eine kleine Schule in einem Slum in der Millionenstadt Delhi. Dort lernen Kinder von Familien, die sich den Schulbesuch sonst nicht leisten könnten.

"Das Projekt startete im Jahr 2002 mit drei Kindern", erzählt Banerjee. "2008 waren es schon 18 Schüler, und in diesem Jahr sollen es 35 bis 40 werden. Wir wollen sie mit Geld unterstützen, in einem Jahr mindestens 1500 Euro sammeln." "Wir", das sind die Mitglieder der ISATUHH, der "Indian Students Association" vom Harburger Campus. Hier sind die knapp 40 indischen Studenten der TUHH organisiert. Chakra Banerjee leitete bis vor Kurzem die Gruppe und begeisterte sie für das Slum-School-Projekt. Organisiert wird es von der US-Studenteninitiative "Asha for Education", die sich für Schulbildung von indischen Kindern engagiert und in München eine Zweigstelle hat.

Nun plant Banerjee, einen Asha-Stützpunkt in Hamburg zu gründen. Eigentlich hätte der NIT-Absolvent auch ohne sein soziales Engagement genug zu tun. Er macht am NIT und an der TUHH einen doppelten Masterabschluss, den MBA (Master of Business Administration) am NIT und Produktionsmanagement an der TU. Heute Abend wird seine Jahrgangsstufe offiziell aus dem NIT-Lehrbetrieb verabschiedet, der gleichzeitig sein zehnjähriges Bestehen feiert. Dass Banerjee und fünf seiner Mitstreiter jetzt ihre Masterarbeiten beginnen, hält sie nicht davon ab, sich für "ihre" Slum-Schule einzusetzen. "Wir haben im November einen Indien-Tag an der TUHH. Dort werden wir für das Projekt werben."

Das Engagement passt zum Konzept des NIT. "Wir haben schon immer einen Schwerpunkt auf die sogenannten soft skills wie Kommunikation, Teamarbeit, Konfliktmanagement gelegt; sie machen 40 Prozent des Lehrplans aus", sagt Dr. Christoph Jermann, Geschäftsführer des NIT. "Allein 15 Prozent des Lernstoffs sind der Ethik gewidmet. Denn wir wollen nicht nur tolle Ingenieure und pfiffige Manager hervorbringen, sondern deren Horizont erweitern."

Jermann wird Chakra Banerjee im Dezember beim NIT-Industriebeirat, in dem die Sponsoren sitzen, eine Präsentation halten lassen. Er will zeigen, dass das NIT-Konzept mit Leben gefüllt ist. Und womöglich wird es zum leuchtenden Beispiel am Campus Harburg. "Natürlich würde ich mich freuen, wenn auch die chinesischen, russischen oder mexikanischen Studentengruppen mitmachen würden", sagt Banerjee, "mit eigenen Projekten oder bei uns."