Weltkongress der Sonografie mit 1800 Experten

Faszinierende Einblicke in den Mutterleib

Ultraschallbilder zeigen, wie sich der Nachwuchs entwickelt. Sie erlauben frühzeitige Diagnose und Therapie.

Mit dieser gesundheitlich unbedenklichen Untersuchung können die Ärzte die Entwicklung des Ungeborenen im Mutterleib verfolgen. Der Ultraschall steht im Mittelpunkt eines Weltkongresses, der Sonntag im Hamburger Congress Centrum beginnt. Zu dem sechstägigen Kongress, der unter dem Motto "Der Ultraschall in der Geburtshilfe und in der Gynäkologie" steht, werden 1600 bis 1800 Teilnehmer aus mehr als 50 Ländern erwartet.

Einer der Schwerpunkte des Kongresses ist die Diagnostik kindlicher Probleme, für die es Therapiemöglichkeiten vor der Geburt gibt. Im Mittelpunkt stehen dabei Operationen bereits im Mutterleib. Bei dem sogenannten Zwillingstransfusionssyndrom, an dem zehn Prozent aller eineiigen Zwillinge leiden, führen Verbindungen der Blutgefäße in der gemeinsamen Plazenta dazu, dass ein Zwilling zu viel Blut erhält und der andere zu wenig. "Da können wir therapeutisch eingreifen, indem wir diese Blutgefäßverbindungen endoskopisch mittels eines Lasers verschließen", erklärt Prof. Kurt Hecher, Leiter des Zentrums für Geburtshilfe und Pränatalmedizin am Universitätsklinikum Eppendorf und einer der Organisatoren des Kongresses.

Auch Föten mit großen Brüchen des Zwerchfells können schon vor ihrer Geburt behandelt werden. Ist der Defekt im Zwerchfell sehr groß, kommt es zur Verschiebung von Organen, wie zum Beispiel der Leber, vom Bauchraum in den Brustkorb. Das schränkt den Raum für die Lunge ein. Werden die Lungen zusammengedrückt, können sie sich aber nicht richtig entwickeln. Die Kinder könnten nach ihrer Geburt nicht überleben, weil sie nicht selber atmen können und nicht einmal beatmet werden könnten. Ihre Lungen sind zu klein. "Bei diesen Ungeborenen können wir die Luftröhre mit einem kleinen Ballon blockieren. Dann kann die Flüssigkeit nicht aus der Lunge entweichen und sie wächst. Dieses Lungenwachstum verhindert in 60 bis 70 Prozent der Fälle, in denen sonst die Kinder sterben würden, eine Unterentwicklung der Lunge", sagt der Pränatalmediziner. Durchgeführt wird der Eingriff in der 24. bis 26. Schwangerschaftswoche. In der 34. Schwangerschaftswoche wird der Ballon wieder entfernt.

Ein drittes Beispiel ist die Behandlung von Herzfehlern. Wenn die Klappen der großen Gefäße, die aus der rechten und linken Herzkammer in den Lungenkreislauf oder in den Körperkreislauf ziehen, zu eng oder verschlossen sind, wird die Herzkammer zu klein. Dann hat das Kind nur eine Herzkammer zu Verfügung, wenn es geboren wird. Mit einem Herzkatheter kann man bei dem Ungeborenen unter Ultraschallkontrolle einen Katheter über die Blutgefäße bis in die Herzkammer vorschieben und versuchen, mit einem Ballon die Klappe zu sprengen. Mit diesem Eingriff versuchen die Mediziner, beide Herzkammern zu erhalten.

"Intrauterine Eingriffe ergeben nur dann einen Sinn, wenn man dadurch die Kinder am Leben erhalten kann oder einen Schaden verhindert, der bei der Geburt schon so ausgeprägt ist, dass eine Reparatur danach schon zu spät kommt", betont Hecher.

Mithilfe des Ultraschalls schätzen die Geburtshelfer auch ein, wann es sich um eine Risikoschwangerschaft handelt und wann nicht. Frauen mit normalen Schwangerschaften brauchen nur die in den Mutterschaftsrichtlinien vorgesehenen Untersuchungen. "Wir müssen uns auf die Schwangerschaften konzentrieren, bei denen Risikofaktoren zu erkennen sind, die für Mutter und Kind gefährlich werden können, zum Beispiel die Entwicklung eines hohen Blutdruckes während der Schwangerschaft", sagt Hecher. Diesen ermitteln sie durch die Messung des Blutflusses mit dem Ultraschall in den Blutgefäßen, die von der Mutter zum Mutterkuchen ziehen. Dort sollte mit zunehmendem Schwangerschaftsalter die Durchblutung besser werden. "Wenn das nicht der Fall ist, ist das Risiko für einen Hochdruck und eine Wachstumsverzögerung des Kindes erhöht", erklärt Hecher.

Besonders wichtig für die Risikoabschätzung sind Ultraschalluntersuchungen in der 11. bis 14. und in der 21. Schwangerschaftswoche. In der ersten Untersuchung zählt dazu auch die Nackentransparenz, eine kleine Flüssigkeitsansammlung unter der Haut des Nackens, die erste Hinweise auf Chromosomen- und Herzfehler liefert. In der 21. Schwangerschaftswoche geht es in der Ultraschalluntersuchung in erster Linie darum, Fehlbildungen an den Organen zu erkennen, zum Beispiel Herzfehler. "Das macht es möglich, schon frühzeitig mit den Neonatologen und Kinderkardiologen Kontakt aufzunehmen, die sich dann um das Kind kümmern, wenn es geboren wird." So sollten Kinder mit Herzfehlern immer in einem Zentrum entbunden werden, in dem alle Spezialisten zur Verfügung stehen.

Darüber hinaus geht es auf dem Weltkongress auch um den Einsatz von Ultraschall in der Gynäkologie. Diskutiert werden vor allem zwei Fragen: Ist es sinnvoll, bei Frauen ohne Symptome routinemäßig Ultraschall-Untersuchungen der Eierstöcke durchzuführen, um frühzeitig bösartige Veränderungen festzustellen? "Der Eierstockkrebs ist selten, deswegen ist eine Routineuntersuchung auf diesen Tumor aus Kostengründen problematisch. Auch wenn sie bedeutet, dass man diesen Krebs so frühzeitiger entdecken und behandeln könnte", meint Hecher. Und wie gut kann man, wenn man auffällige Befunde sieht, mit dem Ultraschall zwischen bösartigen und wahrscheinlich gutartigen Veränderungen unterscheiden? "Das bedarf einer großen Erfahrung des Untersuchers, aber es gibt schon Kriterien, mit denen gut einzuschätzen ist, ob es sich um bösartige oder gutartige Tumoren handelt."

Und auch in der Reproduktionsmedizin kommen die Ärzte nicht ohne Ultraschall aus. Sie nutzen ihn unter anderem, um den idealen Zeitpunkt für eine künstliche Befruchtung zu bestimmen.