Medizin

Hamburg - Hochburg der Herzmedizin

Mit der Herzmedizin Schritt zu halten kann atemlos machen, zumal Hamburg häufig Schauplatz therapeutischer Premieren ist. So wurden in den vergangenen zwei Wochen die weltweit ersten zehn Patienten mit einem "spektakulären Verfahren" behandelt, berichtete Prof. Karl-Heinz Kuck von der Asklepios-Klinik St. Georg dem Abendblatt.

Der Kardiologe ist Spezialist für das sogenannte Vorhofflimmern, einer Störung des Herzrhythmus. 1200 Patienten im Jahr werden in seiner Spezialabteilung therapiert, so viele wie sonst nirgendwo. Das Besondere der neuen Methode: Die Kardiologen, die einen Schlauch (Katheter) über die Leiste zum Herzen schieben, haben ihr Einsatzgebiet nicht mehr als Kernspin-Aufnahme, sondern live beleuchtet im Blick, und sie veröden das durch fehlgeleitete elektrische Impulse aus dem Takt geratene Gewebe nicht wie bisher mit Hochfrequenzstrom, sondern mit einem Laser. Möglich macht das ein Ballon am Ende des Katheters, der im Blutgefäß für "stabile Verhältnisse" sorgt, so Kuck. Unter seiner Leitung startet demnächst eine Studie über den Verlauf des Spezialverfahrens. Erste Beobachtungen versprächen noch bessere Therapieerfolge als bisher, weil der Laserstrahl zielgenauer als die Stromimpulse platziert werden könne.

600 Fachkollegen wird eine solche "Ballongestützte Katheterablation von Vorhofflimmern" heute vorgeführt - einer von acht Eingriffen, die live aus St. Georg auf eine Leinwand im Elysée-Hotel übertragen werden und die Fachvorträge beim IV. Symposium "Kardiovaskuläre Medizin" abrunden, zu dem Kuck und Prof. Heiner Greten geladen haben. Ihr Kollege Prof. Michael Schmoeckel, Chef-Herzchirurg in St. Georg, zeigt eine minimalinvasive Operation, bei der einer Patientin über einen Fünfzentimeterschnitt zwischen den Rippen und der freigelegten Herzspitze die Aortenklappe erneuert wird, über einen Katheter am schlagenden Herzen. Dieses Verfahren mit kurzem Weg zum Herzen setzt man ein, wenn die Gefäße so verkalkt sind, dass sich leicht Verkalkungen (Plaques) lösen könnten, die die Gefahr eines Infarkts heraufbeschwören.

Für zukunftsweisend halten die St.-Georg-Mediziner auch ihr Konzept, in das Herz- und Gefäßzentrum die Diabetesbehandlung zu integrieren. Mit im Team: neben dem Internisten Prof. Dirk Müller-Wiegand die neue Gefäßspezialistin Prof. Sigrid Nikol.