Kardiologie

Herztherapie - alles unter einem Dach

Oft leiden Patienten auch an Schlafstörung, Depression, Nierenversagen. In Bad Bevensen planen Mediziner ein Therapiezentrum mit Rundumversorgung bei Herzschwäche. Begleiterkrankungen sollen gleich mit behandelt werden.

Bad Bevensen. Vorsicht, wenn Sie schon bei geringer Anstrengung plötzlich atemlos werden und sich schlapp fühlen, nur weil sie zum Beispiel ein paar Stufen hochgehen. "Wenn dann noch Wasseransammlungen in den Beinen oder in der Lunge hinzukommen, sind das klassische Symptome einer bereits fortgeschrittenen Herzschwäche", warnt Prof. Andrew Remppis, Chefarzt der Kardiologie im Herz- und Gefäßzentrum in Bad Bevensen. Die Bedeutung dieser Erkrankung werde in der Bevölkerung nach wie vor stark unterschätzt, meint er.

Die Herzmuskelschwäche (medizinisch Herzinsuffizienz) führt dazu, dass das Herz den Körperkreislauf unter Belastung nicht mehr ausreichend aufrechterhalten kann und die Organe schlechter durchblutet werden.

Häufig kommt es durch den Rückstau auch zu Wasseransammlungen in der Lunge, einem sogenannten Lungenödem. Dies macht sich dann vor allem durch Luftnot bemerkbar. Es finden sich auch Wasseransammlungen in den Beinen, besonders an den Knöcheln und auf dem Fußrücken.

In über 75 Prozent der Fälle ist eine solche Herzschwäche auf Herzinfarkte zurückzuführen. Andere Ursachen sind entzündliche Herzmuskelerkrankungen, Klappenerkrankungen oder aber eine familiäre Veranlagung. Immer häufiger führen auch moderne Chemotherapien zur Behandlung von Tumoren zu einer Herzmuskelschwäche.

Doch die Erkrankung bleibt nicht auf das Herz beschränkt. Denn durch die Herzmuskelschwäche wird im Gehirn eine massive Stressreaktion ausgelöst, die wiederum zu einer starken Belastung aller Organe und somit zu vielen Begleiterkrankungen führen kann. Deswegen hat die Herzschwäche, so Remppis, eine Prognose, die schlechter ist als viele Krebserkrankungen.

"Will man die Prognose der Herzmuskelschwäche nachhaltig verbessern, muss man daher einen umfassenden Therapieansatz wählen", sagt der Kardiologe, der zusammen mit anderen Fachkollegen seiner Klinik in Bad Bevensen ein Zentrum aufbauen will, das sich die Rundumversorgung der Herzschwäche zum Ziel gesetzt hat.

Hierzu gehört neben der modernen kardiologischen Therapie auch die Diagnostik und Behandlung der häufigen Begleiterkrankungen, wie Nierenschwäche, Zuckererkrankung, Osteoporose, Depression, Blutarmut und Schlafstörungen.

Bevor jedoch die spezifische Herztherapie beginnen kann, muss der Kardiologe genau herausfinden, welche Ursache die Herzmuskelschwäche hat. Neben EKG-Untersuchungen gehören dazu die Ultraschalluntersuchung des Herzens sowie spezielle Blutabnahmen.

Erhärtet sich der Verdacht einer Herzmuskelschwäche, sollte eine Untersuchung mit einem Herzkatheter durchgeführt werden, um die Funktion des linken und rechten Herzmuskels zu überprüfen, den Druck in den Lungenarterien zu kontrollieren und eventuell auch eine Gewebeprobe aus dem Herzmuskel zu entnehmen. Ist die Ursache der Herzmuskelerkrankung geklärt, kann für jeden Patienten eine maßgeschneiderte Therapie entworfen werden.

Neben der modernen medikamentösen Behandlung, die die Sterblichkeit infolge von Herzmuskelschwäche in den letzten Jahren bereits deutlich gesenkt hat, stehen heutzutage eine ganze Reihe weiterer Methoden zur Verfügung. Dazu zählen die moderne Schrittmachertechnik, Verfahren zur Verödung von Gewebe bei Vorhofflimmern sowie spezielle Therapien bei Nierenschwäche.

Auch die Telemedizin ist Teil der Therapie: "Ein Patient kann nach einem Klinikaufenthalt wegen einer Herzinsuffizienz zu Hause weiter überwacht werden. Er bekommt ein telemedizinisches Gerät, mit dem er jeden Morgen sein Gewicht, sein EKG und sein Blutdruck an einen Zentralcomputer übermitteln kann. Dort werden die Werte in seine elektronische Patientenakte eingetragen, in der seine individuellen Grenzwerte eingegeben sind. Wenn diese überschritten werden, schlägt der Computer Alarm und die Ärzte können sofort reagieren. Dieses System ermöglicht eine rasche Behandlung und senkt Anzahl und Dauer der Krankenhausaufenthalte", erklärt Prof. Remppis.

"Besonders am Herzen liegt uns der alte und schwache Patient, der eine möglichst schonende Behandlung seiner Herzmuskelschwäche und der dazugehörenden Begleiterkrankungen benötigt", betont Prof. Remppis. So biete gerade die enge interdisziplinäre Zusammenarbeit von Kardiologie, Herzchirurgie, Gefäßzentrum und Rehabilitation unter einem Dach in Bad Bevensen die Möglichkeit umfassender und schonender Therapieverfahren.

Auch körperliches Training gehört zum Behandlungsprogramm. Selbst bei Patienten, die bettlägerig sind, kann ein Muskeltraining deutliche Fortschritte erbringen, die es dem Patienten erlauben, das Bett wieder zu verlassen und den nächsten Trainingsschritt anzugehen.

"Aber auch die modernste Therapie der Herzmuskelschwäche ist nur so gut wie die Zusammenarbeit der beteiligten Ärzte. Nur wenn wir es lernen, in unserem Gesundheitssystem barrierefrei miteinander zusammenzuarbeiten, können wir dem Patienten die optimale Behandlung zukommen lassen. Besonders wünschenswert ist hierbei nicht nur die engere Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Fachdisziplinen, sondern auch zwischen den Krankenhausärzten und den niedergelassenen Kollegen", betont der Herzmediziner.