Röntgen: Moderne 3-D-Technik im OP-Saal des Marienkrankenhauses

Präzise Bilder helfen beim Operieren

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Cornelia Werner

Komplizierte Knochenbrüche können jetzt in der Klinik noch besser behandelt werden. Das Abendblatt war bei einem Eingriff dabei.

Hamburg. Die Patientin liegt, abgedeckt mit grünen Tüchern, auf dem Operationstisch. Vor wenigen Tagen ist die 72-Jährige gestürzt und hat sich dabei das linke Handgelenk gebrochen - ein komplizierter Bruch, bei dem eine alleinige Gipsbehandlung nicht ausreicht. Heute will Dr. Roman Feil, der neue Chef der Orthopädie und Unfallchirurgie und Handchirurgie im Marienkrankenhaus, den Bruch operieren. Er nutzt dabei eine moderne Röntgentechnik, die erst vor Kurzem in den OP Einzug gehalten hat.

Das Gerät mit dem Namen "Arcadis orbic 3D" sieht aus wie ein herkömmlicher C-Bogen, ein mobiles Röntgengerät, mit dem während eines Eingriffs Röntgenbilder von dem Patienten auf dem OP-Tisch aufgenommen werden können. "Doch in diesen C-Bogen ist eine Technik eingebaut, die es ermöglicht, dreidimensionale Bilder des Knochens aufzunehmen, in der Präzision vergleichbar mit den Bildern einer Computertomografie", sagt Feil.

Dafür fährt der C-Bogen auf Knopfdruck automatisch um den verletzten Knochen herum und nimmt den Bruch aus verschiedenen Ebenen auf. Integriert ist ein Computer, der aus diesen Aufnahmen ein dreidimensionales Bild errechnet, das dann auf einem Monitor erscheint. "Es wird eingesetzt bei komplizierten und verschobenen Brüchen der Extremitäten, der Wirbelsäule und des Beckens. Damit können wir jetzt während der Operation noch genauer überprüfen, ob die Knochenfragmente wieder richtig aufeinanderstehen und ob die Platten und Schrauben, mit denen wir den Bruch stabilisieren, die richtige Position haben", sagt der Chirurg. Bevor er die Leitung der unfallchirurgischen und orthopädischen Abteilung im Marienkrankenhaus übernommen hat, war Feil viele Jahre als Oberarzt im Unfallkrankenhaus Berlin tätig und hat dort bereits Erfahrungen mit dieser Röntgenmethode gesammelt.

Die Patientin, die heute operiert wird, hat einen Bruch der Speiche in der Nähe des Handgelenks - eine typische Fraktur, die sich ältere Menschen bei Stürzen zuziehen. Allerdings ist bei ihr der Knochen gleich mehrfach gesplittert. Mindestens vier große Fragmente müssen wieder fest miteinander verbunden werden. Dazwischen liegt eine Trümmerzone mit vielen kleinen Knochenstückchen.

Nachdem Feil über einen Hautschnitt den Bruch freigelegt hat, beginnt er zunächst damit, ein seitlich abgesprengtes Knochenstück mit Schrauben wieder an der Speiche zu fixieren. 20 Minuten nach Beginn der OP kontrolliert er mit dem neuen Röntgengerät den Knochen, allerdings erst mal nur mit Aufnahmen in zwei Ebenen, wie auch beim herkömmlichen Röntgen: "Das erste Fragment ist wieder in seiner exakten anatomischen Position am Knochen befestigt", sagt Feil.

Dann bringt er nach und nach auch die anderen Knochenstücke wieder an ihren richtigen Platz und stabilisiert den Bruch über eine Metallplatte, die mit Schrauben fest im Knochen verankert wird. Zwischendurch überprüft er das Ergebnis immer wieder durch zwei Röntgenbilder. Eine Dreiviertelstunde nach Beginn der OP dreht der Chirurg die letzte Schraube in den Knochen.

Jetzt wird das Ergebnis mit den dreidimensionalen Röntgenaufnahmen überprüft. Während der C-Bogen um den Unterarm herumfährt, entsteht auf dem Monitor ein Bild, das mit jeder Einzelaufnahme von Sekunde zu Sekunde präziser wird. Nachdem das Gerät seine Arbeit beendet hat, tritt Feil vor den Bildschirm. Er kann die Aufnahme auf dem Monitor so drehen, dass er das Ergebnis seiner Arbeit von allen Seiten in der Längsrichtung und auf den Schnittbildern auch im Querschnitt betrachten kann.

"Mit dem Ergebnis der Rekonstruktion bin ich sehr zufrieden. Die Knochen der Unterarms und der Hand stehen wieder im richtigen Winkel zueinander, und an der Gelenkfläche des Handgelenks finden sich keine Stufen", sagt Feil. Damit sind die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass der Knochen im Verlauf der nächsten Wochen wieder zusammenheilen kann und auch die Trümmerzone wieder von festem Knochen durchbaut wird.

Weil es sich bei der Fraktur um einen sehr großen Trümmerbruch handelt, muss die Patientin allerdings nach der Operation noch für einige Wochen einen Gips tragen. "Und damit die Beweglichkeit voll wiederhergestellt wird und sich keine Verwachsungen und Verklebungen bilden, muss sie noch eine intensive Krankengymnastik haben", sagt Feil. Dann stehe einer kompletten Heilung - auch bei dieser komplizierten Fraktur - nichts mehr im Wege.

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