Medizin

Hamburger Ärzte helfen in Ghana

Die Leiste gilt als Schwachstelle des Mannes. Jeden dritten trifft ein Leistenbruch. Die Operation ist hierzulande Routine.

In Afrika kann das Leiden dagegen lebensbedrohlich sein. Vielerorts fehlt es an Chirurgen, Kliniken und an Geld. In Ghana muss man 500 bis 1000 Dollar für eine OP zahlen. Viele können das nicht. Um ihnen trotzdem zu helfen, ist jetzt ein neunköpfiges Ärzte- und Pflegerteam aus Hamburg und dem Umland in das westafrikanische Land gereist, "um arme Menschen am Leistenbruch zu operieren", sagt Dr. Wolfgang Reinpold, Chefarzt im Wilhelmsburger Krankenhaus Groß-Sand.

Die Mediziner und Pflegekräfte nahmen einen Teil ihres Jahresurlaubs und sammelten zuvor Spenden im Wert von 50 000 Euro - von Privatleuten, Medizinproduktefirmen, der Lufthansa und des an der Mission beteiligten Anästhesie-Zentrums Hamburg. Dann ging es eine Woche nach Takoradi, der mit 330 000 Einwohnern drittgrößten Stadt Ghanas. Dort erwartete sie der einheimische Allgemeinmediziner Dr. Boateng. Sein Verdienst war es, alle Patienten auf die OPs vorzubereiten. "Das war perfekt", einschließlich kompletter Krankenakten, lobt Reinpold. Dafür mussten die Mediziner an anderer Stelle improvisieren. In der Medizinstation gab es kein fließendes Wasser. Die Ärzte mussten sich in Wannen und mit Kannen waschen. Doch während des Aufenthalts funktionierte die Stromversorgung, berichtet Anästhesie-Oberärztin Corinna Meissner-Kuck.

65 Patienten wurden erfolgreich operiert, darunter acht Kinder. Jeder dritte Operierte litt bereits unter einem großen Hodenbruch. Viele konnten deshalb ihrer Arbeit auf dem Land nicht mehr nachgehen. "Das ist jetzt wieder möglich", sagt Reinpold. Und sein Kollege aus Ghana, Boateng, strahlte auch - über das Gastgeschenk aus Hamburg: ein Trikot mit HSV-Emblem und dem Namen seines Namensvetters und Profispielers Boateng.