Ein neues Zuhause: Demenzkranke im Albertinen-Haus

Eine WG der besonderen Art

Im Max-Herz-Haus in Schnelsen ist es oberstes Ziel, die Eigenständigkeit der Bewohner so lange wie möglich zu erhalten. Dafür sorgen ein Team von Betreuern und auch die Angehörigen.

Drei alte Damen sitzen um einen Tisch herum und trinken Kaffee. Neben ihnen bereitet eine junge Frau das Mittagessen vor. Alles ist hell und freundlich hier im Albertinen-Haus, in der "Autonomen stationären Wohngemeinschaft" für Demenzkranke im Max-Herz-Haus. Neun Frauen und ein Mann im Alter zwischen 70 und 80 leben hier zusammen. Jeder hat ein Zimmer, das er nach seinen Wünschen einrichten kann. "Alle Bewohner haben eine Demenz, die sich noch im Anfangsstadium befindet, wenn sie hier einziehen", sagt Nicole Wurz, Altenpflegerin und Gruppenleiterin der Wohngemeinschaft.

Die meisten haben eine Alzheimererkrankung, manche auch eine Lewy-Körperchen-Demenz oder die Form, die durch Durchblutungsstörungen im Gehirn entsteht. Jede Demenz zeigt sich unterschiedlich: "Eine Alzheimererkrankung beginnt mit Gedächtnisstörungen, dann treten Wortfindungs- und Orientierungsstörungen auf. Bei der vaskulären Demenz hängt die Symptomatik davon ab, in welcher Region des Gehirns eine Durchblutungsstörung vorliegt. Bei der Lewy-Körperchen-Demenz haben die Patienten oft räumliche Orientierungs- und Gedächtnisstörungen, im weiteren Verlauf Bewegungsstörungen, wie sie auch bei der Parkinson-Erkrankung auftreten, und Halluzinationen", sagt Privatdozent Dr. Alexander Rösler, Neurologe und Leitender Oberarzt der Medizinisch-Geriatrischen Klinik.

In der WG finden sie ein neues Zuhause, wenn sie allein in ihrer Wohnung nicht mehr zurechtkommen. Auch Margot Ludwig ist vor zwei Jahren hier eingezogen. Die 87-Jährige wirkt heiter und fühlt sich hier wohl: "Ich kann hier leben wie zu Hause. Ich kann alles mitmachen, werde aber zu nichts gezwungen." Dafür, dass es allen gut geht, sorgen ein ambulanter Pflegedienst, externe Hauswirtschafterinnen. Sogenannte Alltagsbegleiterinnen sorgen dafür, dass der Tag strukturiert ist, dass das Frühstück auf den Tisch kommt und das Mittagessen vorbereitet wird. Dabei werden die Bewohner mit eingebunden, zum Beispiel zum Kartoffelnschälen. Dahinter steht das Ziel, bei den Bewohnern möglichst viele Fähigkeiten aufrechtzuerhalten. "Die Gruppe versorgt sich eigenständig, dort wird selbst gekocht, eingekauft und auch Wäsche gewaschen", erläutert Harald Reinhard, Diplom-Sozialarbeiter und Leiter des Max-Herz-Hauses. Am Nachmittag finden gemeinsame Aktivitäten statt, z. B. Ausflüge oder Singen und Musizieren.

Manche der Mitbewohner erhalten auch Medikamente, je nach Art ihrer Erkrankung: "Es gibt für die Alzheimer-Erkrankung zwei zugelassene Medikamentengruppen, die Acetylcholinesterasehemmer, die für die leicht- bis mittelgradige Demenz zugelassen sind, und ein Mittel, das in den Glutamat-Stoffwechsel und damit in den Stoffwechsel von Lernprozessen eingreift, welches bei mittelgradiger und schwerer Alzheimer-Demenz zugelassen ist", sagt Rösler. Diese und andere Medikamente können Stimmungsschwankungen und Verhaltensauffälligkeiten abmildern. Doch um extreme Aggression, Unruhe und Angst, unter denen Demenzkranke oft leiden, aufzufangen, sind andere Dinge genauso wichtig. "Das Gefühl von Einsamkeit ist einer der größten Angstauslöser. Dem können wir mit einer angepassten Architektur begegnen, einer offenen Küche und einem offenen Wohnraum", sagt Wurz. Wichtig ist auch das Verhalten der Alltagsbegleiterinnen: "Wir brauchen viel Einfühlungsvermögen und eine Haltung, die wir als integrative Validation bezeichnen. Das bedeutet, die Gefühle des anderen ernst zu nehmen, z. B. mit den Worten: "Ich kann das verstehen, dann braucht man jemanden, der einem beisteht." Falsch ist es, diese zu verneinen, etwa mit den Worten: "Davor braucht man keine Angst zu haben." "Bei Orientierungsstörungen bieten wir individuelle Hilfe an, durch Kennzeichnung der Zimmertür und durch immer wiederkehrende Rituale, die sich dann doch einprägen", sagt Wurz.

Unterstützung bekommen die Bewohner auch von Angehörigen: ".Sie ziehen hier auch ein bisschen mit ein, können sich hier zu Hause fühlen", sagt Nicole Wurz. Auch die drei Kinder von Margot Ludwig kommen regelmäßig zu Besuch. "Wir halten mit allen einen Schnack und trinken gemeinsam Kaffee. Und wir sind eingeladen, an den Festen teilzunehmen", sagt Rainer Ludwig (56), ihr ältester Sohn. Mit Ehefrau Claudia Wetterhahn (58) besucht er die Angehörigentreffen. "Dort sprechen wir über unsere Sorgen, reden darüber, wie man mit der Vergesslichkeit der Demenzkranken umgeht und mehr Gelassenheit gegenüber den Veränderungen im Verhalten entwickeln kann", sagt Claudia Wetterhahn.

In der WG bleiben die Bewohner im Durchschnitt drei bis vier Jahre. "Wenn die Demenz so weit fortgeschritten ist, dass die Verhaltensauffälligkeiten in der Gruppe nicht mehr toleriert werden können, kann der Bewohner in die WG für Patienten mit einer fortgeschrittenen Demenzerkrankung wechseln. Wenn zusätzlich zur Demenz die körperlichen Fähigkeiten immer mehr nachlassen, sodass der Patient stark pflegebedürftig wird, kann er innerhalb des Pflegeheims in eine Gruppe mit einem Schwerpunkt auf der körperlichen Pflege wechseln", sagt Reinhard.