AUFRÜSTUNG im Garten

MASCHINENPARK Ob Baum-, Boden- oder Rasenpflege: Für fast jeden Handgriff gibt es motorisierte Gartengeräte. Viele verbreiten Lärm, Schadstoffe und Unmut beim Nachbarn.

Angelika Hillmer Z wei Trends beherrschen die deutschen Gärten: Die Grundstücke werden kleiner, gleichzeitig wächst der Maschinenpark zum Beackern des Restgrüns. Diese Kombination belastet die Nachbarschaft, rücken doch die vielfältigen Maschineneinsätze und der mit ihnen verbundene Lärm, zum Teil auch Schadstoffausstoß dichter zusammen . "Wir befürchten, dass der Lärmpegel im Garten noch steigt, weil die Leute immer mehr motorisierte Geräte nutzen", sagt Dr. Volker Irmer, Lärmschutzexperte beim Umweltbundesamt. Wer auf motorisierte Hilfe angewiesen ist, kann zu Geräten mit Elektromotoren greifen, um die Umwelt zu schonen. Sie laufen leiser als die Vier- oder Zweitakter-Versionen, und die bei der Stromproduktion entstehenden Schadstoffe werden von den Kraftwerks-Filtern weitgehend zurückgehalten. Dagegen sind manche Gartengeräte mit Verbrennungsmotoren wahre Abgasschleudern. Das gilt vor allem für die - rückläufigen - Zweitaktmotoren. Bei Messungen des Umweltbundesamtes stieß ein Rasenmäher-Zweitakter (Leistung: 3,7 kW) so viel unverbrannte Kohlenwasserstoffe (HC) aus wie 213 Pkw mit moderner Katalysatortechnik (Euro-4-Norm). Auch die Emissionen von Viertaktmotoren machen Umweltprobleme; hier spielen Stickoxide (NO x) die Hauptrolle. Beide Schadstoffgruppen, HC und NOx, sind Ausgangsubstanzen zur Bildung von Ozon (Sommersmog). Das Reizgas entsteht bei intensiver Sonnenstrahlung - zu Zeiten also, in denen Gartengeräte auf vollen Touren laufen. "Wir schätzen, dass an einem sonnigen Wochenendtag die Geräte mit zehn bis 15 Prozent zur Ozonbelastung beitragen", sagt Axel Friedrich, Leiter der Verkehrsabteilung des Umweltbundesamtes, die alles betreut, was sich motorisiert bewegt. Einige Rasenmäherhersteller versuchen, die Abgasbelastung ihrer Zweitakter mit ungeregelten Katalysatoren zu reduzieren. Doch Untersuchungen der Stiftung Warentest ergaben 2001, dass "manche Katalysatormodelle kaum weniger Schadstoffe ausstoßen als die beiden getesteten Aufsitzmäher ohne Kat", so die Verbraucherschützer. Rasenmäher sind die "Symbolfiguren" unter den Gartengeräten und zeigen gut den Trend zur neuen Unbeweglichkeit. Die ersten motorisierten Mäher eroberten in der zweiten Hälfte der 50er-Jahre die Zierrasen. In heutigen Gartenkatalogen besteht in etwa das Verhältnis 1 (Handmäher) : 10 (Motormäher, inklusive Sitzmodelle). Dabei liefern Handmäher laut "Stiftung Warentest" (Heft 4/99) nicht die nur besten Schnittergebnisse, sondern sind auch preiswerte Fitnessgeräte, zum Spazierengehen an frischer Luft. Für die Motorversionen legt die deutsche Rasenmäher-Verordnung zumindest Lärmgrenzen fest: Geräte mit einer Schnittbreite bis 50 Zentimeter dürfen einen Schallpegel von 96 Dezibel, abgekürzt dB(A), nicht überschreiten; für den nächst größeren Gerätetyp gilt ein Limit von 100 dB(A). Damit verursachen die größeren Mäher etwa so viel Lärm wie ein mit Tempo 90 vorbeifahrender Pkw. Die leiseren Elektromäher fallen - zumindest wenn im Nachbargarten ein Häcksler oder Laubbläser in Betrieb ist - lärmtechnisch kaum ins Gewicht. Lärmreduzierte Exemplare dürften das Umweltzeichen "Blauer Engel" tragen, wenn sie maximal 88 dB(A) entwickeln, doch spielt der Engel auf dem Mähermarkt keine Rolle. Ärgerlich: "Acht bis neun leise Mäher verursachen etwa den Lärm von einem lauten", so Lärmschutzexperte Irmer. Alternativ zum fehlenden Umweltzeichen lohnt es sich also, nach den Lärmwerten zu befragen. Nach der "Outdoor-Richtlinie" der EU müssen alle Mäher mit dem dB(A)-Wert gekennzeichnet sein (zum Teil taucht er auch als "LWA"-Wert auf). Die EU-Richtlinie sollte seit neun Monaten in deutsches Recht umgesetzt sein, ist sie aber nicht. Die Bundesregierung will dies nun bis Ende Juni nachholen. Zu den Mähern gesellen sich weitere Geräte. Irmer: "Die Lärmemissionen von Kettensägen, Häckslern und anderen lautstarken Gartengeräten sollen nach der Outdoor-Richtlinie an die Brüsseler Kommission gemeldet werden, um den Standard der am Markt befindlichen Geräte zu ermitteln und anschließend Lärmgrenzwerte festzulegen." Eine zweite EU-Richtlinie soll zukünftig auch den Schadstoffausstoß drosseln. Heute gibt es immerhin zwei weitere "Blaue Engel" im gärtnerischen Maschinenpark. Einer kennzeichnet Kettensägen, die mit weniger als 100 dB(A) herumlärmen und einen limitierten Ausstoß von HC, NO x und Kohlenmonoxid haben. Und Häcksler, deren Lautstärke unter 91 dB(A) liegt, gelten als lärmarm und dürfen den Blauen Engel tragen. Doch können die Verwaltungen kaum mit dem technischen Fortschritt Schritt halten. Irmer: "Dauernd kommen neue Geräte auf den Markt - welcher Hobbygärtner sprach vor fünf Jahren schon von Laubbläsern?" Die lärmenden Laub- und Kleingetiervernichter lassen sich leicht durch Harken und Besen ersetzen. Das schont Bodenlebewesen und Gesundheit: kein Lärm, kein Abgase, dafür ein bisschen mehr Bewegung. Ein Gang durch ein großes Gartencenter zeigt, dass die Bläser und Sauger die Spitze eines Eisbergs sind, hier einige Beispiele: . Akku-Astschneider ersetzen Astscheren, mit denen per Bizeps Zentimeter dicke Äste sekundenschnell zu kappen sind. Die Akku-Variante spart wenig menschliche Kraft und verschleudert stattdessen Strom. . Simple Sicheln, die hohes Gras und Staudenreste kürzen, sind out. Dafür gibt es Akku-Gartenscheren (ein Kilo Gewicht). . Seit vielen Jahren machen Elektro-Rasentrimmer mit hochtönigem Surren die Rasenkanten nieder. Mit einem Spaten ließe sich die Arbeit rückenschonend erledigen. . Auch im Angebot: Elektrische Moosrupfer ("48 elastische Powerflex-Krallen"), Elektro-Rasenlüfter, Akku-Bodenkrümler und kombinierte "Blas- und Saughäcksler", die die mit dem Laub aufgesaugten Bodenorganismen gleich zerkleinern. "Trimmersensen machen dem Wildwuchs rasch den Garaus und bringen so den Garten ruckzuck in Bestform", verspricht ein Hersteller von Motorsensen. Die ökologische Übersetzung lautet: Fehlender Wildwuchs macht Insekten, Vögeln, Igeln und anderen Wildtieren den Garaus, handbetriebene Gartengeräte bringen den Gärtner in Bestform.

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