Kinofilm zu Energiesparlampen

"Bulb Fiction": Spargenie im Zwielicht

Der Kinofilm "Bulb Fiction" kämpft gegen das Glühbirnenverbot der EU, indem er die negativen Seiten der Energiesparlampen aufzeigt.

Hamburg. Der Einstieg in den Kinofilm "Bulb Fiction" ist spektakulär. Er zeigt historische Aufnahmen aus der kleinen japanischen Industriestadt Minamata, wo Mitte der 1950er-Jahre quecksilberhaltige Produktionsabwässer 3000 Menschen vergifteten. Sie erlitten schwere, oft tödliche Hirnschäden oder brachten behinderte Kinder zur Welt. Der österreichische Regisseur Christoph Mayr macht den Rückblick, um auf eine aktuelle Gefahr aufmerksam zu machen: auf quecksilberhaltige Energiesparlampen, die derzeit in Europa - gesetzlich verordnet - die gute alte Glühbirne ablösen. Für Mayr und Kameramann Moritz Gieselmann ist das Glühlampen-Verbot der EU ein Angriff auf die Gesundheit der Europäer und auf die Demokratie. Was ist dran an den Vorwürfen des Films, der morgen in Deutschland startet?

Wo Licht ist, ist auch Schatten - das gilt auch für Energiesparlampen. Zwar setzen die kompakten Leuchtstofflampen deutlich mehr Strom in Licht um als Glühlampen, die zu 95 Prozent Wärme und nur zu fünf Prozent Licht erzeugen. Doch die Sparlampen enthalten geringe Mengen Quecksilber und verursachen mehr Elektrosmog als die herkömmlichen glühenden Wolframfäden. Dennoch gelten die Sparlampen im Vergleich zu Glühbirnen als ökologisch sinnvoller. Dies bildet die Basis für das Glühlampenverbot der EU, das derzeit schrittweise umgesetzt wird (bereits heute dürfen keine Lampen mit 60 Watt oder mehr verkauft werden).

In seinem Film bringt Mayr das Beispiel des vierjährigen Max Laus aus Bayern, der sich durch Quecksilber aus einer zerbrochenen Energiesparlampe vergiftet haben soll. Dem Jungen fielen die Kopfhaare, Augenbrauen und Wimpern aus. Das Haus, in dem Max mit seiner Familie lebte, sei unbewohnbar, heißt es im Film. Zwar spricht er auch von anderen Faktoren, die Max' Gesundheit belastet hatten, doch wird der Lampe die Schuld an dem bedauernswerten Zustand des Kleinkindes zugeschrieben. Dr. Ines Oehme, Expertin für Ökodesign beim Umweltbundesamt (UBA), hält dies für "sehr fraglich".

Geht eine Lampe zu Bruch, so ist dies ein seltenes Ereignis. Bei haushaltsüblichen Lampen (max. 50 Watt) werden dann bis zu 5000 Mikrogramm Quecksilber (µg, ein millionstel Gramm, seit Jahresbeginn gesenkter Höchstgehalt: 3500 µg) frei. Es haftet zum Teil an den Scherben, entweicht aber auch in die Luft und kann eingeatmet werden. Allerdings ist die Quecksilbermenge insgesamt gering, und wie viel Quecksilber davon tatsächlich aufgenommen wird, nicht abzuschätzen. Anders bei der Quecksilberbelastung durch Amalgamfüllungen: Früher setzten sie jeden Tag vier bis 20 Mikrogramm Quecksilber frei. Als größte Belastungsquelle gilt heute der Verzehr von quecksilberhaltigem Seefisch.

Zerbricht eine Lampe, können tatsächlich schnell Quecksilbergehalte in der Raumluft erreicht werden, die oberhalb des Richtwerts der Weltgesundheitsorganisation liegen. Wird jedoch gelüftet und werden die Scherben vorsichtig eingesammelt ( So verhalten Sie sich richtig, wenn eine Lampe zerbricht ), sinkt die Belastung schnell ab. Da sie nicht andauert, sind nach Aussage des UBA keine gesundheitlichen Schäden zu erwarten.

Auch die Tatsache, dass allein in Kohlekraftwerken und anderen sogenannten Feuerungsanlagen in der EU jährlich 76,6 Tonnen Quecksilber freigesetzt werden, relativiert die Aussagen des Films. In Leuchtmitteln werden jedes Jahr elf bis 15 Tonnen Quecksilber verwendet, ein Großteil in Leuchtstoffröhren sowie Natriumdampflampen zur Außenbeleuchtung. 1,9 bis 2,6 Tonnen landen in Energiesparlampen (Zahlen aus 2007, heute dürften sie etwas höher liegen).

Ausgediente Gasentladungslampen, so der technische Begriff für alle drei genannten Lampentypen, gehören wegen ihres Quecksilbergehalts in den Sondermüll. Doch von den 120 Millionen Altlampen dieser Technik, die in Deutschland jährlich anfallen, werden nur 37 Prozent fachgerecht beseitigt, kritisiert die Deutsche Umwelthilfe. Bei der Ökobilanz im Vergleich zur Glühbirne wurde EU-weit sogar mit nur 20 Prozent gerechnet. Das Gros der Lampen landet im Hausmüll. Gelangen sie in die Müllverbrennung, so wird das Quecksilber etwa im selben Verhältnis frei wie bei Kohlekraftwerken: knapp 40 Prozent geht in die Luft, zehn Prozent in die Flugasche, gut die Hälfte wird in der Abgasreinigung aufgefangen und anschließend deponiert. Ines Oehme wünscht sich für die Zukunft generell energiesparende Lampen ohne Quecksilber: "Wir müssen Techniken wie die LED-Lampen fördern. Außerdem haben Karlsruher Forscher gerade eine Plasmalampe entwickelt, die der Energiesparlampe technisch ähnelt, aber ohne Quecksilber auskommt."

Ein weiterer Vorwurf des Films befasst sich mit dem Elektrosmog, den die Lampen emittieren: Sie ließen zehnfach stärkere elektrische Felder entstehen als herkömmliche Glühlampen. Dazu nimmt das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) im Internet Stellung: "Der Einsatz von Kompaktleuchtstofflampen (...) im Haushalt ist unter Strahlenschutzaspekten nicht bedenklich. Die vorliegenden Untersuchungen der von den Lampen emittierten (...) elektrischen und magnetischen Felder lassen auch bei geringen Gebrauchsabständen Expositionen unterhalb der international zum Schutz der Gesundheit empfohlenen Grenzwerte erwarten."

Allerdings warnt das BfS: "Die gesundheitlichen Risiken elektrischer und magnetischer Felder (...) sind im Unterschied zu anderen Bereichen des elektromagnetischen Spektrums einschließlich UV-Strahlung weniger gut bekannt. Daher bestehen zusätzliche Unsicherheiten bei der gesundheitlichen Bewertung." Daraus ergibt sich ein Spielraum für kritische Stimmen, wie sie der Film zitiert.

Das gilt auch für die Frage, ob die künstlichen Lichtspektren von Sparlampen das Wohlbefinden beeinträchtigen können. Sie sind weitgehend frei von der (hauptsächlich wärmenden) Infrarotstrahlung. Auch hier lässt Mayr einen Kritiker zu Wort kommen: "Den Wärmeanteil wegzulassen, das mag den Techniker begeistern. Mich als Arzt schockiert es eher", sagt Alexander Wunsch, Mediziner und "Lichtbiologe". Ganz anders urteilt das BfS: "Beim direkten Blick in eine Lichtquelle kann das Auge durch den Blaulichtanteil einer Glühlampe deutlich stärker gefährdet werden als durch die entsprechende Emission einer Kompaktleuchtstofflampe." Auch hier bleibt die Fachwelt bei genauerem Hinsehen eine endgültige Antwort schuldig.

Neben weiteren Detailfragen etwa zu der Lebensdauer der Lampen und zur CO2-Ersparnis durch die Leuchtstofftechnik, widmet sich "Bulb Fiction" dem oft beklagten Einfluss von Lobbyisten auf die EU-Verwaltung und -Gesetzgebung in Brüssel sowie der Tatsache, dass die EU ihren Bürger vorschreibt, welche Produkte sie (nicht) zu kaufen haben. Dies gipfelt in der Aussage des EU-Parlamentariers Holger Krahmer (FDP) aus Leipzig, der das Gebaren der EU-Kommission mit dem des Politbüros der DDR vergleicht: "Das hat diktatorische Züge."

Lesen Sie die Filmkritik morgen in "Live"