Forscher: Rückgang des Meereises vom Menschen bewirkt

Eine andere Studie zeigt, dass Grönlands Gletscher langsamer schmelzen als gedacht

Hamburg/Washington. Der Rückgang des Meereises in der Arktis ist sehr wahrscheinlich nicht durch natürliche Schwankungen oder eine stärkere Sonnenstrahlung verursacht worden, wie teilweise behauptet. Vielmehr bestehe ein klarer Zusammenhang mit dem Anstieg der Treibhausgaskonzentration, schreiben Hamburger Klimaforscher in einer neuen Studie, die sie im Fachjournal "Geophysical Research Letters" veröffentlicht haben.

Das Team um Prof. Jochem Marotzke und Dr. Dirk Notz hatte zuerst Daten über natürliche Schwankungen des arktischen Meereises von Anfang der 70er- bis zum Ende der 90er-Jahre mit der Entwicklung des Meereises in den vergangenen 30 Jahren verglichen. Dabei habe sich gezeigt, dass der Rückgang in den vergangenen Jahrzehnten nicht durch natürliche Schwankungen verursacht worden sein könne. Und: Der Rückgang des Meereises habe sich nicht selbst verstärkt.

Anschließend untersuchten die Forscher den Einfluss der Sonne. "Hier würde ein physikalisch plausibler Zusammenhang zum Meereisrückgang nur dann existieren können, wenn die Sonnenstrahlung in den letzten Jahren stärker geworden wäre", sagt Jochem Marotzke. Jedoch habe die Sonnenstrahlung in den vergangenen Jahrzehnten leicht abgenommen. Auch einen Zusammenhang mit Veränderungen der vorherrschenden Windmuster, kosmischer Strahlung oder ozeanischen Wärmetransporten hätten sie nicht zeigen können. "Am Ende blieb in unserer Liste möglicher Antriebe nur der Anstieg der Treibhausgaskonzentrationen übrig", sagt Dirk Notz. "Aufgrund fundamentaler physikalischer Gesetze würden wir erwarten, dass ein Anstieg der Treibhausgaskonzentrationen zu einer Erwärmung und damit einem Rückgang des Meereises führt. Und genau dies wird beobachtet."

Unterdessen sind US-Forscher in einer anderen Studie zu dem Schluss gekommen, dass die Gletscher Grönlands langsamer und uneinheitlicher schmelzen als angenommen. Für ihre Studie, die im Fachjournal "Science" erschienen ist, hatten sie das Fließverhalten von etwa 200 Eisströmen über zehn Jahre hinweg ausgewertet. Ergebnis: Statt ihre Fließgeschwindigkeit zu verdoppeln, wie vorhergesagt, beschleunigten die Küstengletscher ihren Fluss seit dem Jahr 2000 nur um durchschnittlich 30 Prozent. Die großen auf Land oder in Fjorden endenden Gletscher im Südwesten hätten sich dagegen kaum verändert oder seien sogar langsamer geworden, berichten die Forscher.