Rückschlag beim Kampf gegen die Ölpest im Golf von Mexiko

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Eisige Ablagerungen machen Stahlkuppel unwirksam

Der erste große Versuch, der Ölverseuchung im Golf von Mexiko Einhalt zu gebieten, ist vorerst gescheitert. In 18-stündiger Maßarbeit gelang es am Wochenende zunächst, eines der beiden noch bestehenden Öl-Lecks in 1500 Meter Tiefe mit einer 13 Meter hohen Stahlkuppel abzudecken. Doch sehr schnell bildeten sich eisähnliche Gashydrate, die das technologisch anspruchsvolle Unternehmen jäh stoppten. Das Drama um die explodierte Förderplattform "Deepwater Horizon" vor der Küste New Orleans geht vorerst weiter.

Noch immer strömen täglich geschätzt 800 000 Liter Rohöl ins Meer, vergiften dessen Bewohner und bedrohen das hochsensible Ökosystem des Mississippi-Deltas. Mehr als 10 000 Helfer arbeiten fieberhaft, um den Schaden zu begrenzen, unter ihnen 500 Wissenschaftler und Techniker, die nach Lösungen suchen, um die Stahlkuppe doch noch einsetzen zu können. Diese Arbeit wird einige Tage in Anspruch nehmen, sagte BP-Sprecherin Sheila Williams in London. "Die Gashydrate lagerten sich an der Innenwand an der Spitze der Kuppel ab und verstopfen die Leitungsverbindung, mit der wir das Öl-Wasser-Gemisch nach oben pumpen wollen." Auch sorgten die Ablagerungen für mehr Auftrieb, sodass es schwieriger wird, die Konstruktion am Meeresboden zu halten.

Die Gashydrate hätten eine ähnliche Konsistenz wie verschmutzter Schneematsch, erklärte die BP-Sprecherin. Wie dem Gashydrat-Schlamm beizukommen ist, sei noch unklar. Man könne ihn womöglich durch Hitze oder Chemikalien auflösen. Als ein mögliches Taumittel werde unter anderem Methanol diskutiert.

Bei der Explosion am 20. April entstanden drei Lecks am Meeresboden, aus denen Öl austrat. Eines wurde inzwischen abgedichtet, aus den zwei anderen sprudelt es weiter; die auslaufende Ölmenge blieb konstant. Die Helfer versuchen mit Ölbarrieren und gezielt gelegten Feuern die Verschmutzung in Schach zu halten, unterstützt durch vorherrschend ablandigen Wind. Die Ursache des Problems bleibt aber bestehen.

In 1500 Meter Tiefe tasten sich die Tauchroboter über den Meeresgrund. Scheinwerfer weisen ihnen den Weg, denn hier unten herrscht Finsternis; die Wassertemperatur liegt nur wenige Grad über dem Gefrierpunkt, das Wasser ist ölverschmutzt. Das erschwert die Arbeiten an den Lecks. Die Experten verfolgen noch einen zweiten Ansatz, um die Ölquellen unschädlich zu machen: Sie versuchen, mit weiteren Bohrungen an das Leck zu gelangen. "Dazu müssen 4000 Meter Gestein durchdrungen werden, das wird drei Monate dauern", sagt Sheila Williams.

Sollte es den Experten in dieser Woche tatsächlich gelingen, die Stahlkuppe über einem der beiden Lecks zu platzieren und das Öl abzupumpen, so wäre dies zwar ein großer Erfolg, aber nur ein Zwischenschritt. Denn unter der Haube tritt weiter Öl aus. Die Gefahr ist erst gebannt, wenn die Lecks endgültig abgedichtet sind.