Helle Nächte

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Thomas Kraupe

Foto: Planetarium Hamburg

Der Sternenhimmel über Hamburg im Mai

Hamburg. Der Himmel ist reich gedeckt in diesem Monat - doch wir müssen abends lange warten, bis wir einen einigermaßen dunklen Himmel mit Sternen genießen können, denn die Sonne geht im Mai spätabends unter. Erst gegen 1 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit ist es dunkel genug, um lichtschwächere Sterne sehen zu können.

Während es im Süden Deutschlands bereits dunkle Nacht geworden ist, dauert die "astronomische Dämmerung" in Norddeutschland jetzt die ganze Nacht an, weil die Sonne hier nun selbst um Mitternacht weniger als 18 Grad unter dem Nordhorizont steht. Nach der Neumondstellung am 14. Mai trägt zusätzlich unser Erdtrabant mit seinem milden Schein zur Aufhellung des Abendhimmels bei. Bis zum 28. Mai wird er zum prallen Vollmond im Sternbild Skorpion, der die ganze Nacht hell leuchtend am Himmel steht.

Im Nordwesten strahlt fast bis Mitternacht der helle "Abendstern" - unser Nachbarplanet Venus. Sie zieht in diesem Monat durch das Sternbild Stier und weiter in die Zwillinge - hält sich also im nördlichsten Bereich des Tierkreises auf. Mitte Mai steht sie genau zwischen den Hörnerspitzen des Stiers und zieht am 27. Mai an dem Stern Epsilon in den Zwillingen vorbei. "Rechts neben" Venus im Nordwesten funkelt bis gegen Mitternacht der Stern Capella im Fuhrmann. "Links über" Venus ist bei genügender Dunkelheit das Gespann der beiden Zwillingssterne Kastor und Pollux zu entdecken.

Pollux im Westen markiert den Beginn einer Fünfer-Kette von Gestirnen der ersten Größenklasse, die sich entlang des Tierkreises in etwa gleicher Höhe bis nach Süden zieht - über den rötlichen Planeten Mars weiter zu Regulus, dem hellsten Stern des Löwen, und Saturn sowie Spica, im Sternbild Jungfrau. Der "Wanderstern" Mars bewegt sich um etwa ein halbes Grad pro Tag vor dem Sternenhintergrund. Zu Monatsbeginn steht er noch eine ganze Handspanne (17 Grad) westlich von Regulus und rückt bis zum Monatsende auf nur vier Grad Distanz an den Stern heran.

Vom 16. bis 22. Mai ist auch der Mond dort quasi als Staffelläufer unterwegs: Am 16. Mai zeigt er sich als schmale, wunderschöne Sichel bei Venus, am 19. bei Mars, am 20. bei Regulus und am 22. beziehungsweise 24. Mai zieht der Mond schließlich bei Saturn und Spica vorbei. Mars erreicht in diesem Monat mit 90 Grad östlicher Sonnendistanz seine "östliche Quadratur". Bei Sonnenuntergang passiert er die Südrichtung. Mars wird zunehmend lichtschwächer, denn wir entfernen uns mit der schnelleren Erde von diesem weiter außen und langsamer kreisenden Planeten.

Verlängern wir den Bogen der Deichsel des Großen Wagens, so kommen wir zu dem hellen rötlichen Stern Arktur im Bärenhüter (lateinisch: "Bootes"). Der Sage nach treibt dieser den Großen Bären vor sich her. Ziehen wir den Deichselbogen über den Arktur hinaus dann noch weiter nach Süden, dann treffen wir auf Spica, den bläulich funkelnden, hellen Hauptstern des Tierkreissternbildes Jungfrau. Diese beiden hellsten Sterne des Frühlingshimmels bilden gemeinsam mit Denebola, dem Schwanzstern des Löwen, ein großes, nahezu gleichseitiges Sternendreieck - bekannt als das sogenannte Frühlingsdreieck.

Zwischen Denebola und Arktur stoßen wir halbhoch im Süden auf ein lichtschwaches Häuflein von Sternen, die seit dem 17. Jahrhundert das unscheinbare Sternbild "Haar der Berenike" markieren sollen. Berenike war eine ägyptische Königin, deren Haarpracht der Sage nach von Zeus persönlich an den Himmel versetzt wurde.

Hoch im Osten zeigen sich schon die Sommersternbilder: Das ausgedehnte Sternbild Herkules folgt dem Bärenhüter und die nördlichsten Sterne des Sommerdreiecks - die helle Wega in der Leier und Deneb im Schwan - steigen im Nordosten herauf. Auf der Verbindungslinie von der rötlichen Riesensonne Arktur im Süden hin zur bläulich-weißen Wega im Osten stoßen wir zunächst - auf etwa einem Drittel des Weges - auf den halbkreisförmigen Sternenbogen der Nördlichen Krone und weiter Richtung Wega auf das trapezförmige Herzstück des Herkules.

Wer nach Mitternacht zum Himmel schaut, der entdeckt bereits die typischen Sterne des Sommers: das vollständige Sommerdreieck und im Süden den Skorpion. Und wer bis nach 4 Uhr morgens ausharrt, der kann auch noch einen weiteren Planeten begrüßen, den Riesenplaneten Jupiter, der im Südosten als eine Art Morgenstern auftaucht und dann alle anderen Sterne mit seiner Helligkeit überstrahlt. Jupiter wechselt im Mai vom Sternbild Wassermann in die Fische und wird erst im Spätsommer und im Herbst seine Glanzzeit in diesem Jahr erreichen.