Erstmals Sindbis-Viren in Deutschland nachgewiesen

Mücken können die Erreger auf Menschen übertragen

Forscher des Hamburger Bernhard-Nocht-Instituts (BNI) haben erstmals in Deutschland Sindbis-Viren gefunden. Im baden-württembergischen Weinheim wiesen sie den Erreger in drei Mückenarten nach. "Das Virus befällt zwar normalerweise nur Vögel, aber auch Menschen können sich anstecken", sagt Jonas Schmidt-Chanasit, Virologe am BNI. Bisher sei aber noch kein Fall bekannt. "Wir untersuchen das derzeit", so Schmidt-Chanasit.

Das Sindbis-Virus wurde in den 1950er-Jahren zuerst in Afrika entdeckt, später auch in Europa, wo es heute vor allem in Finnland und Schweden vorkommt. Weil das Virus in diesen Ländern weit verbreitet ist, sei zu erwarten, dass die Erreger bald auch in ganz Deutschland zirkulieren werden, nicht nur im Süden, sagt Jonas Schmidt-Chanasit. Müssen wir uns große Sorgen machen, drohen gar Todesfälle? "Eine Sindbis-Infektion ist nicht lebensgefährlich", beruhigt der Virologe. Zwar könne das Virus eine fiebrige Erkrankung auslösen, die oft mit Entzündungen der Gelenke einhergehe, die sogenannte Ockelbo- oder Pogosta-Krankheit. Die Beschwerden ähnelten denen einer Rheuma-Erkrankung und könnten einige Monate und in seltenen Fällen sogar mehrere Jahre anhalten.

In der Regel verursache die Infektion Beschwerden wie Abgeschlagenheit oder Kopfschmerzen und sei nach ein bis zwei Wochen ausgestanden. Ob sich das Virus in Deutschland ausbreitet, wird sich vielleicht schon im Sommer zeigen, wenn die Mückensaison beginnt. Dann könnte auch die Suche nach einem Impfstoff beginnen.

( (mha) )