Kolumne

Genussexperte Rindchen im Restaurant. Heute: The Greek

Lesedauer: 4 Minuten
Hauptgericht: saftige Lamm­koteletts mit Kroketten.

Hauptgericht: saftige Lamm­koteletts mit Kroketten.

Foto: The Greek

Heute speist unser Genussexperte Gerd Rindchen auswärts und lässt sich die Köstlichkeiten im The Greek schmecken.

Hamburg. Dem griechischen Gastwirt als solchem wird ja gemeinhin nachgesagt, dass er überwiegend rustikale Kaschemmen betreibt, in denen er an blank gescheuerten Holztischen hungrigen Deutschen riesige Fleischportionen mit mäßigen Weinen serviert. Ganz offenkundig haben es sich die griechischen Gastgeber Eleni und Michalis Josing vorgenommen, mit dem The Greek diese Klischees aus den Angeln zu heben.

The Greek: ausgesprochen gutes, kreatives Essen

Mit Erfolg: Das prominent unweit der Landungsbrücken gelegene Etablissement verfügt über eine schicke stylishe Bar, ist hochwertig und modern mit großstädtischer Eleganz eingerichtet, serviert ausgesprochen gutes, kreatives Essen in handelsüblichen Portionen, tummelt sich preislich vollauf berechtigt im soliden gehobenen Mittelfeld und verfügt über eine hamburgweit einmalige, umfassende Weinkarte mit griechischen Premiumgewächsen.

Dabei ist das Greek nicht das erste Gastroprojekt der Josings: Das zweite Restaurant der Familie, das schon mehrfach als bester Grieche der Stadt ausgezeichnete Dionysos am Eppendorfer Weg, wurde von Michalis’ Mama zu einer Zeit gegründet, als man sich in den Straßenschluchten der Stadt gefühlt noch vor dem Tyrannosaurus Rex in Acht nehmen musste: im Jahre des Herrn 1972.

Wenn man experimentierfreudig und nicht völlig ausgehungert ist, kann man sich den Abend im The Greek ganz gut mit den leichten und feinen Vorspeisen vertreiben: Grün und hauchzart lockt der Spanakopita Salata, eine feine Salatkombination aus zarten jungen Spinatblättern, fein hingekrümeltem Fetakäse, einem sehr zurückhaltenden, den Wein nicht erschlagenden Dressing und hauchdünnen Mille-feuille-Blättchen aus Filoteig (9,90 Euro). Sehr geglückt sind die sautierten Calamari, die durch eine hausgemachte Sepiatinten-Mayonnaise einen besonderen Twist erhalten (12,90 Euro).

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Von der griechischen Klassik zur Moderne

Butterzart und auf den Punkt gegrillt kommt auch der imposante Oktopusarm daher, flankiert von Ofenzwiebeln, Kapern und Tupfern von der gelben Linsencreme Fava (16,90 Euro). Wie eine frische Brise fegt das säurefrische Ceviche vom Wolfsbarschfilet über den Gaumen: Mit beherzter Zitronenkomponente, kretischem Olivenöl, Kirschtomaten-Confit und Tomaten-Basilikum-Tatar ist das eine wunderbare mediterran-beschwingte Interpretation des peruanischen Klassikers (14,90 Euro). Freunde herkömmlicher griechischer Tapas können sich an den traditionellen Hackbällchen mit Minzjoghurt und Pitabrot erfreuen (8,50 Euro).

Auch die Hauptgerichte spannen den Bogen von der griechischen Klassik zur Moderne: Traditionalisten greifen frohen Herzens zum schulmäßig bereiteten Moussaka mit Auberginenmousse, das in der klassischen Auflaufform daherkommt (17 Euro), die saftigen Lammkoteletts hingegen sind umrahmt mit hausgemachten Kroketten und kretischem Gravierakäse, Möhrchen und einer aparten Salsa Béarnaise mit Rosmarin (26 Euro). Mein Favorit unter den Fischgängen ist das Wolfsbarschfilet à point auf der Haut gebraten, das mit Mandeln, Kartoffeln und Gemüse in einer würzigen Kakaviasauce, einem aromensatten, intensiven Fischfond, daherkommt (25 Euro).

Griechische Weine sind keine Schnäppchen

Sehr beeindruckend finde ich die Auswahl an griechischen Gewächsen, die Michalis auf der Weinkarte versammelt hat. Allerdings: Auch in Griechenland sind die echten Premiumweine keine Schnäppchen. Falls Sie aber die Spendierhosen im Gepäck haben und bereit sind, 60 Euro für eine Flasche großartigen, die Vorspeisen und Fischgerichte perfekt untermalenden Weißwein hinzublättern, sei Ihre Wahl der 2019er Sigalas Assyrtiko von der Insel Santorini, wärmstens empfohlen vom aufmerksamen Restaurantleiter Sandro, der mit italienischer Herzlichkeit dazu beiträgt, einen Abend im The Greek zum gelungenen Erlebnis werden zu lassen. Santorinische Assyrtikos sind in ihrer tiefgründigen, ungeheuer animierenden, fast salzigen Art eine der weltweit spannendsten und eigenständigsten Weinspezialitäten, und dieser ist einer der Besten.

Wem das zu teuer und/oder zu mineralisch karg ist, der bekommt auch einen fast überbordend fruchtigen, sehr angenehmen und frischen 2020er Ma­lagouzia von einem der anderen griechischen Top-Weingüter, Alpha Estate (Flasche 36 Euro). Erfreulicherweise ist auch eines meiner absoluten griechischen Lieblings-Rotweingüter, nämlich Kir-Yianni, mit einer Reihe von Gewächsen prominent vertreten. Als großer Fan der roten Rebe Xinomavro empfehle ich Ihnen wärmstens den reinsortigen Ramnista (51 Euro) – dann brauchen Sie keinen Barolo mehr und genießen den perfekten Begleiter zum tollen Lamm.