Kochen leicht gemacht

Eine frische Alternative zu Dosengerichten und Pizzaservice

Nicht lange suchen: Im Kochhaus steht alles nach Rezepten geordnet bereit

Nicht lange suchen: Im Kochhaus steht alles nach Rezepten geordnet bereit

Foto: Kochhaus GmbH

Wer gern kocht, aber keine Zeit zum Einkaufen hat, kann sich alle Zutaten samt Rezepten liefern lassen. Ein Erfahrungsbericht.

Hähnchenfilet mit Kokos-Gemüse-Curry, Avocado-Pasta mit gerösteten Walnüssen, Kartoffeleintopf mit Kabanossi. Jeder ist gern am Herd ein Witzigmännchen. Aber dafür nach Feierabend im Supermarkt die Regale ablaufen, an der Kasse in der Schlange stehen und die Tüten nach Hause schleppen? Lieber nicht. Und deshalb gibt es in Hamburg immer mehr Lieferfirmen für Gerichte zum Selberkochen.

Einer der dienstbaren Geister ist Lisa Rentrop. „Wir waren die Ersten in Deutschland“, sagt die Geschäftsführerin und Mitinhaberin des Unternehmens KommtEssen.

Die Schwedin aus Stockholm setzt seit fünf Jahren eine Idee aus ihrer Heimat um; eine Freundin der heute 44-Jährigen hatte dort eine entsprechende Firma gegründet. „Wir gehen für unsere Kunden einkaufen und liefern ihnen sämtliche Zutaten für drei bis fünf Mahlzeiten inklusive Rezepten in umweltfreundlichen Papiertüten Anfang der Woche nach Hause“, erläutert Rentrop.

Die Gerichte werden in Schweden von Fachleuten entwickelt und ausprobiert. Am besten laufen Himmlisches Linsencurry, Bio-Lachs mit knuspriger Ingwerkruste und Salat, Thymianhühnchen mit Süßkartoffel-Pommes und Salat sowie Cheeseburger mit scharfem Mais und Zucchini.

Das Konzept: viel Gemüse, regional und saisonal sowie nachhaltig. „Es wird frisch gekocht, Reste werden verwertet, und Müll wird vermieden“, sagt Rentrop. Die Leute lernten kochen, setzten sich mit Lebensmitteln auseinander und bekämen noch Haushaltstipps, zum Beispiel wie welche Lebensmittel gelagert werden. „Auf Zusatzstoffe, künstliche Aromen und Geschmacksverstärker verzichten wir“, sagt die zweifache Mutter. „Und etwa 50 Prozent der Zutaten sind Bio.“

Gemüse und Fleisch kommen von Bauernhöfen in der Region

Auf dieses Qualitätsmerkmal achten auch Inga Quick und Anne Hoene. Vor drei Jahren gründeten die Marketing-Expertin und die Kunsthistorikerin den Lieferdienst Ackerliebe. „Wir hatten diese Idee als Verbraucherinnen“, sagt Quick. „Voll berufstätig sein, sich um die Kinder kümmern und gesund kochen, alles machbar. Aber zum Einkaufen blieb kaum noch Zeit.“

Für ihre rund 200 Kunden in Hamburg besorgen die Frauen – beide sind 36 Jahre alt und haben zwei Kinder – die Zutaten auf Höfen in der Region, geben nur Bio-Fleisch weiter und packen alles für wöchentlich acht Rezepte in Papiertüten. Und dann wird zum Beispiel Bio-Schweinefilet auf Tomatengemüse oder Forelle mit Rucola und Wasabi-Kartoffelpüree aufgetischt. Wer möchte, bekommt eine Tütenfüllung ohne Kohlenhydrate, Zutaten für grüne Smoothies oder die Obstkiste ins Büro. „Wir wollen Zeit für die Familie haben und uns gesund ernähren“, sagt Inga Quick. „Da liegt es auf der Hand, dass jemand anderes den Einkauf übernehmen muss.“

Waren auswählen und in den Korb packen als sinnliches Vergnügen – diese Philosophie verfolgt das Kochhaus. Die Filialen in Eimsbüttel und Ottensen verstehen sich als begehbares Kochbuch. Sie widmen sich dem Genuss und der Inspiration zum Selberkochen. Auf frei stehenden Tischen liegen die Zutaten für die Gerichte, gegliedert nach Vorspeisen, Hauptspeisen und Nachspeisen, für jeweils zwei, vier oder mehr Personen. Damit sind die Lebensmittel nicht mehr nach Warengruppen, sondern nach Rezepten sortiert. Und wenn die Handlungsanweisung eine Knoblauchzehe oder zehn Gramm Sesam verlangt, dann liegen diese Zutaten auch passgenau auf dem Tisch.

„Wir geben so etwas wie eine Geling-Garantie“, sagt Robert Ehrlich. Der gelernte Koch und studierte Betriebswirt managt den Laden in Eimsbüttel. 18 verschiedene Rezepte – „raffiniert, schmackhaft und schnell zubereitet“ – hat er regelmäßig im Programm. „Salate werden eher im Sommer verlangt, Suppen mehr im Herbst. Und Nudeln gehen immer.“

Die Rezepte werden zentral in Berlin entwickelt, auch Anregungen von Food-Bloggern aufgenommen. Und regionale Unterschiede berücksichtigt. „Fisch spielt im Süden gar keine Rolle“, sagt Ehrlich, „da sind Fleischgerichte sehr beliebt.“

Nicht bestellen und liefern lassen, nicht am Ladentisch stehen und auswählen, einfach auf dem Nach-Hause-Weg am U-Bahnhof eine Tüte kaufen und den Inhalt am heimischen Herd zubereiten – das ist das Geschäftsmodell von Christoph Zettler. Der 33-Jährige aus dem Allgäu bietet Chris’ Kochtüte an. Braunes Packpapier gefüllt mit einem Rezept und den dafür benötigten Zutaten, ebenfalls fertig abgemessen und einzeln verpackt wie etwa für Kürbisrisotto mit Chorizo und Salbei.

Jedes Gericht wird auf Zeitaufwand und Ausgewogenheit getestet

„Lecker muss nicht schwierig sein“, sagt der Diplom-Volkswirt, der lange in einer Bank gearbeitet hat und abends oft vor dem gleichen Dilemma stand wie seine Kunden: „Ich möchte etwas Gesundes essen und auch selbst kochen, aber habe nichts im Haus und auch keine Lust zum Einkaufen.“

Zettler entdeckte seine Lust am Küchendienst schon als kleiner Junge. Seine Rezepte kommen von der Familie und Freunden. Alles kocht er zur Probe, ob es nicht zu lange dauert und die Zutaten zueinander passen. Die Tüten für eine oder zwei Personen verkauft er von einem extra angefertigten Lastenfahrrad am Bahnhof Hoheluft, außerdem im Kiosk am Bahnhof Kellinghusenstraße.

Wer gern kocht, aber nicht einkaufen mag oder keine eigenen Ideen hat, der wird sich bei all diesen Dienstleistern bedienen. Wer sich dagegen beim Bummeln an den Regalen entlang inspirieren lässt und erst dann auf den Appetit kommt, der wird weiterhin den Supermarkt seines Vertrauens besuchen. Und wer einfach nur Hunger hat, lädt sich bei Familie oder Freunden ein. Auch wenn die dann vielleicht den Pizza- oder Asia-Lieferdienst anrufen ...