Magen

Teil 6: Die Wunde in der Schleimhaut

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Cornelia Werner

Wenn die Balance in Magen oder im Zwölffingerdarm gestört ist, können sich Geschwüre bilden. Allerdings machen sie sich oft erst bemerkbar, wenn bereits Komplikationen entstanden sind.

Manchmal verursacht es bohrende Schmerzen im Oberbauch, doch oft wird es erst dann entdeckt, wenn es bereits zu Komplikationen geführt hat - das Magengeschwür. Dabei handelt es sich um eine Wunde der Schleimhaut, entweder im Magen oder im oberen Teil des Dünndarms, dem Zwölffingerdarm. Es entsteht, wenn die Balance zwischen der Einwirkung der Magensäure, die die Schleimhaut schädigt, und den Schutzmechanismen gestört ist. "Das kann die Infektion mit dem Magenkeim Helicobacter pylori sein, die Einwirkung bestimmter Schmerzmittel, wie ASS oder Diclofenac, und Durchblutungsstörungen bei alten Menschen", erklärt Prof. Friedrich Hagenmüller, Chefarzt der Abteilung für Gastroenterologie der Asklepios-Klinik Altona.

Doch das Bild des Geschwürsleidens hat sich in den vergangenen 40 Jahren erheblich gewandelt. "Damals waren es berufstätige Männer im mittleren Lebensalter, die geraucht haben und eine Helicobacter-Infektion des Magens hatten. Heute ist es die ältere Frau, die wegen Gelenkschmerzen Schmerzmittel nimmt." Auch die Symptomatik hat sich verändert. "Damals kamen die Männer wegen Nüchternschmerz zum Arzt: Die Patienten wachten nachts davon auf, tranken Milch oder Wasser und der Schmerz ließ nach. Der alte Mensch mit einem arzneimittelbedingten Geschwür ist oft schmerzfrei und kommt in die Klinik, weil er Blut erbricht oder im Stuhl ausscheidet."

Eine Blutung entsteht, wenn das Geschwür in der Magenwand auf ein Blutgefäß übergreift. "Das können dann harmlose Sickerblutungen sein, aber auch sehr starke Blutungen, wenn große Arterien betroffen sind. Die Sterblichkeit an der Blutungskomplikation liegt immer noch bei zehn Prozent", so Hagenmüller.

Die Diagnose ist schnell gestellt: "Man findet mit dem Endoskop die Blutungsquelle und kann sie meist auch stillen." Selten ist der Durchbruch des Geschwürs, wenn die Wunde so tief reicht, dass sie ein Loch in der Magenwand verursacht. Dadurch gelangt saurer Mageninhalt in die Bauchhöhle und reizt das Bauchfell. Die Folge ist eine Bauchfellentzündung: "Sie äußert sich durch starke Bauchschmerzen, die Bauchdecke wird hart und berührungsempfindlich. Dann ist eine schnelle Operation erforderlich", sagt Hagenmüller.

Die Behandlung des einfachen Magengeschwürs richtet sich nach der Ursache. "Liegt eine Helicobacter-Infektion vor, wird sie mit Antibiotika behandelt. Anderenfalls erhält der Patient Tabletten, die die Produktion der Magensäure hemmen."

Um seinen Magen zu schonen, sollte man Folgendes beachten. "Wer nicht länger als eine Woche Schmerzmittel einnimmt, hat keine Magenprobleme zu befürchten. Wer ständig solche Medikamente einnimmt, sollte das mit dem Arzt besprechen. Ungünstig ist die Kombination von Alkohol und Acetylsalicylsäure. Deswegen sollte man nach einer durchzechten Nacht keine Acetylsalicylsäure einnehmen."

Eine gute Behandlung bei Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren zeichnet sich auch durch eine gründliche Erhebung der Vorgeschichte aus. Der Arzt sollte sich über Ernährung, Alkohol- und Nikotinkonsum und Begleiterkrankungen seines Patienten informieren sowie über die Medikamente, die er einnimmt. "Dabei sollte man auch fragen, ob die Patienten Salben verwenden, die Wirkstoffe, wie zum Beispiel Diclofenac, enthalten. Sie haben die gleichen Wirkungen und Nebenwirkungen wie Tabletten, werden aber von den Patienten oft nicht erwähnt", betont Hagenmüller. Wichtig ist auch die familiäre Vorgeschichte, ob es in der Familie Fälle von Magenkrebs gegeben hat. Weitere Qualitätsmerkmale sind präzise Diagnostik mit der Endoskopie, angemessene Behandlung, gute Dokumentation der Befunde sowie Maßnahmen, die den Patienten vor dem erneuten Auftreten eines Magengeschwürs schützen.