Ernährung

Warum der Trend zur veganen Wurst nicht immer gesund ist

| Lesedauer: 3 Minuten
Jutta Maier
In immer mehr Supermärkten gibt es vegetarische oder vegane Produkte.

In immer mehr Supermärkten gibt es vegetarische oder vegane Produkte.

Foto: Veganz

Viele Hersteller bieten Seitan-Schnitzel oder Soja-Nuggets als Fleischersatz an. Doch oft sollte der Kunde die Produkte nicht essen.

Berlin.  Wer die Gans oder die Rinderkeule verschmäht, kann auf den Seitan-Braten ausweichen. Auf dem Grill bekommen Bratwurst und Nackensteak Konkurrenz von Soja-Nuggets und Weizenprotein-Patties. Der Veganer muss selbst auf Scheiblettenkäse oder Rührei nicht verzichten: Aufschnitt auf Kokosöl-Basis und „Ei“-Masse aus Kichererbsenmehl machen’s möglich.

Immer mehr Unternehmen folgen dem Trend zu klassischen Fleisch- oder tierischen Produkten in veganen oder vegetarischen Varianten – die in Geschmack und Konsistenz zunehmend an die Originale herankommen.

Die 2011 vom ehemaligen Daimler-Manager Jan Bredack in Berlin gegründete Supermarktkette Veganz hat inzwischen die zehnte Filiale eröffnet. In Deutschland zählen unter anderem Edeka und die Drogeriekette dm zu ihren Handelspartnern. Demnächst will Bredack in die USA expandieren.

Zehn Prozent der Deutschen sind Vegetarier

Strikte Vegetarier machen nach Angaben des Vegetarierbunds Deutschland bisher nur zehn Prozent der Bevölkerung in Deutschland aus, Veganer gerade mal gut ein Prozent. Der Trend geht aber dahin, weniger Fleisch zu essen und sich gesünder zu ernähren.

Auch der Erfolg des niederländischen Fleischersatz-Produzenten „De vegetarische Slager“, also „Der vegetarische Fleischer“, zeigt, wie sich Unternehmen erfolgreich an den sinkenden Fleischkonsum anpassen: Der Laden in der Berliner Bergmannstraße ist wie ein traditioneller Metzger eingerichtet – nur dass hier Speck, rohes Hackfleisch oder auch Thunfisch für Vegetarier oder Veganer geeignet sind. Das Unternehmen hat jährliche Zuwachsraten von bis zu 50 Prozent.

So erkenne ich, ob bei Lebensmitteln auf das Tierwohl geachtet wurde
So erkenne ich, ob bei Lebensmitteln auf das Tierwohl geachtet wurde

Der Wurstfabrikant Rügenwalder Mühle drängte 2015 ebenfalls in das Veggie-Segment. Mittlerweile bestehen ein Fünftel aller Aufschnitte und Fleischprodukte des Unternehmens aus Bad Zwischenahn nicht mehr aus Fleisch, sondern aus Soja, Eiweiß und Milch – Tendenz steigend.

In vielen Fleischersatzprodukten sind Geschmacksverstärker

Nach Angaben des Bundesverbands der Verbraucherzentralen hat sich der Umsatz an vegetarischen Teilfertiggerichten innerhalb von fünf Jahren mehr als verdreifacht. Ein Blick auf die Inhaltsstoffe kann allerdings appetitdämpfend wirken: Dort finden sich mitunter Geschmacksverstärker, Konservierungsstoffe, Stabilisatoren und andere Zusatzstoffe.

Johanna Feichtinger vom Verband für unabhängige Gesundheitsberatung (UGB) zählt solche Fleischalternativen zu Convenience-Produkten, die für eine ausgewogene Ernährung verzichtbar sind. Sie kritisiert den hohen Verarbeitungsgrad der Lebensmittel: „Teilweise werden in solchen Produkten die Ballaststoffe herausgenommen, außerdem gehen Vitamine und Mineralstoffe verloren, die Lebensmittel für uns so wertvoll machen“, sagt die Expertin.

Zumal Tests von Stiftung Warentest und dem Verbrauchermagazin „Ökotest“ ergeben haben, dass viele Fleischersatz-Produkte mit Mineralölrückständen belastet sind. Es gelangt häufig aus der Verpackung in die Lebensmittel und steht im Verdacht, krebserregende Substanzen zu enthalten. Hinzu kommt, dass in manchen Produkten sehr viel Salz steckt. „Irgendwo muss der Geschmack ja herkommen“, sagt Feichtinger.

In Bio-Tofu wurden Spuren von gentechnisch verändertem Soja gefunden

„Ökotest“ kritisiert zudem, dass auch in Produkten mit Bio-Zertifizierung immer noch Hefe-Extrakt erlaubt ist, das konventionell hergestellt wurde und geschmacksverstärkendes Glutamat enthält. Außerdem fand Ökotest selbst in einigen Bio-Tofu-Sorten Spuren von gentechnisch verändertem Soja.

Wenn es trotzdem Fleischersatz sein soll, rät Feichtinger, vorzugsweise Bioprodukte von europäischen Herstellern zu kaufen. Grundsätzlich empfiehlt sie jedoch: „Fleischersatzprodukte sollten nicht öfter als ein- bis zweimal pro Woche auf den Tisch kommen.“

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