Insekt sucht Winterlager

So helfen Gärtner Tieren im Herbst

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Von Daniel Josling, dpa

Laub, verwelkte Stauden und noch mehr Überbleibsel der Gartensaison? Wer das im Herbst nicht ganz wegräumt, hilft Vögeln, Insekten und Kleintieren - und auch noch den Pflanzen im nächsten Jahr.

Berlin (dpa/tmn). Harken, kehren, einsammeln - jedes Jahr aufs Neue. Manche Gärtnerinnen und Gärtner verbinden den herbstlichen Alltag mit viel Arbeit. Andere lieben genau das: Das Aufräumen zum Ende der Gartensaison, alles ordentlich abschneiden und wegpacken bis zum nächsten Jahr.

Doch ein zu ordentlicher Garten kann kontraproduktiv sein: «Er bietet weder Nahrung für Tiere noch bietet er Schutz für Pflanzen und Insekten», sagt Isabelle Van Groeningen von der Königlichen Gartenakademie in Berlin. Eine Position, die auch Verena Jedamczik vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) sowie Katrin Wenz vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) teilen. Sie alle setzen auf naturnahes Gärtnern.

Hier sind ihre Tipps für tierfreundliches Gärtnern - und einen Kompromissvorschlag für alle, die es ordentlicher wollen:

  • Weniger aufräumen

«Das A und O ist: den Garten nicht zu ordentlich aufzuräumen», sagt BUND-Expertin Katrin Wenz. Damit ist nicht gemeint, dass alles an Ort und Stelle liegen bleibt, aber dass man etwa Reisighaufen und kleine Holzstapel in einer Ecke des Gartens anlegt.

Aber auch zum Beispiel die Stauden sollte man nicht direkt mit Ende ihrer Blütezeit und selbst nicht zum Ende der Gartensaison abschneiden, rät Gartendozentin Isabelle Van Groeningen. Die Saatkapseln sehen nicht nur schön aus, sie bieten auch Nahrung für Vögel. Gleichzeitig sind die Stauden natürliche Insektenhotels, deren Bewohner hier überwintern können.

Und noch so ein vermeintlicher Biomüll des Herbstes ist wertvoller als oft gedacht: Das Laub von den Bäumen und Sträuchern. Auch das kann in Haufen zum Insekten- und zum Beispiel auch Igel-Hotel für dessen Winterruhe werden. Und das Laub darf ruhig auf den Beeten liegen bleiben. Hier dient es als Winterschutz und nach dem Verrotten als Dünger und Bodenverbesserer.

Doch auf dem Rasen müssen Hobbygärtner tätig werden, sonst faulen die Gräser unter dem Laub, sagt Van Groeningen. «Am besten sammelt man die Blätter im Herbst mit dem Rasenmäher ein.» Die Mischung aus zerhäckseltem Laub und Rasen ist deutlich schneller kompostierbar und kann später wieder zum Einsetzen neuer Pflanzen benutzt werden.

  • Keine Laubsauger oder Laubbläser

Vom Einsatz von Laubsaugern oder Laubbläser raten alle drei Expertinnen dringend ab. «Laubbläser sind eine Katastrophe für die Umwelt. Sie zerstören die obere Erdschicht und damit auch sehr viele Organismen, die dort versuchen, zu leben», sagt Isabelle Van Groeningen.

Abgesehen vom Lärm stoßen Geräte mit Verbrennungsmotoren gesundheitsschädliche Abgase wie Kohlenstoffe, Stickoxide und Kohlenmonoxid aus, sagt Verena Jedamczik. Darüber hinaus werden Kleintiere beim Einsatz von Geräten mit Saugfunktion regelrecht zerhäckselt.

  • Kompromiss für ordentliche Hobbygärtner

Für Hobbygärtner mit dem Bedürfnis nach großer Ordnung im Garten gibt es einen Mittelweg: Die Bereiche um das Haus sowie die Gartenwege und Treppen hält man ordentlich, den Rest lässt man dann einfach so wie es ist, rät Isabelle Van Groeningen, die an den renommierten Kew Gardens - den königlichen botanischen Gärten in London - studierte.

Ihr Tipp: Das Laub regelmäßig von den Wegen in die Beete kehren. Und das bringt gleich auf mehrfache Weise etwas: Die Laubschicht bietet den Pflanzen im Winter Frostschutz und sie zieht zum Beispiel auch Amseln an, die unter anderem Schädlinge aus den Beeten picken.

Die natürliche Winterdecke aus Laub hilft dem Pflanzenwachstum auch langfristig: Die Blätter zersetzen sich nach und nach und werden zu wertvollem Dünger und Boden.

«Die Natur hat eigentlich das allerbeste Recycling-System. Das ist unschlagbar», schwärmt Isabelle Van Groeningen geradezu über die Zusammenarbeit mit der Natur im Garten. Der Mensch versuche immer, seinem Garten etwas Besseres zu geben, aber er mache dadurch oftmals mehr kaputt. Denn eigentlich gibt ihm die Natur schon alles, was er braucht.

  • Die richtigen Pflanzen im Garten

Diesen Tipp kann man nicht jetzt noch auf die Schnelle vor dem Winter so umsetzen, dass die Wildtiere direkt davon profitieren. Aber er ist Teil einer langfristigen Umgestaltung eines Gartens hin zu einem tierfreundlicheren Refugium: Es braucht hier Pflanzen, die Tieren in den kalten Monaten entweder Schutz oder Nahrung bieten können, so Van Groeningen.

Dazu zählen unter anderem Gehölze mit Früchten wie Zieräpfel oder Mehlbeeren. Zudem bieten Gehölze als Hecken oder Solitäre Winterschutz für Vögel, Igel und andere Tiere.

Ein gutes Beispiel dafür ist der Efeu: «Efeu ist eine Pflanze, die bei Menschen oft etwas verpönt ist, weil sie über Sachen herüberklettert», sagt Van Groeningen. Viele denken, dies sei schlecht. Aber weil sie zu den heimischen Pflanzen gehört, die mit als letzte in der Wachstumsperiode blüht, sind der Efeu und seine Pollen enorm wichtig für die Insekten. Seine blau-schwarzen Beeren sind außerdem eine wichtige Nahrungsquelle für Vögel und andere kleine Tiere.