Zweites Wohnzimmer

Trendexperte: Die neue Qualität der Garten- und Balkonmöbel

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Gespräch: Simone Andrea Mayer, dpa

Zum ersten Mal nach drei Jahren Pause fand die Gartenmesse Spoga+Gafa wieder statt. Trendanalyst Frank A. Reinhardt ist überrascht, wie viel sich am Markt getan hat - bei einem alt bekannten Thema.

Köln/Berlin (dpa/tmn). Es gibt immer weniger von ihnen: Leere Balkone, vielleicht bestückt mit einem einsamen Stuhl für den Raucher des Haushaltes. Der Blick auf die Balkone und Terrassen hat sich gerade in Großstädten, aber auch auf dem Land in den letzten Jahren verändert: Sie werden eingerichtet und so aufwendig und schön dekoriert, dass Möbelexperten längt vom zweiten Wohnzimmer sprechen.

Frank A. Reinhardt, Experte für die Gartenlifestyle-Messe Spoga+Gafa in Köln, sieht diesen Trend auf einem neuen Höhepunkt. «Die Design- und Materialqualität ist in allen Preisklassen durchweg sehr hoch», sagt der Trendforscher. «Ich habe selten so ein hohes Niveau gesehen. Es sieht aus wie bei einer Einrichtungsmesse.»

Eine ganze Balkoneinrichtung statt nur klappriger Liegen

Einrichtungstrends brauchen immer ein paar Jahre von ihrem ersten Aufkommen auf Messen, bis sie tatsächlich in vielen Haushalten zu finden sind. Das ist hier nun der Fall, sagt Reinhardt. «Das zweite Wohnzimmer, über das wir schon seit mehreren Jahren sprechen, das ist definitiv angekommen.»

Man findet im Handel längst nicht nur bequeme Sofas und Loungesesel, die unbequeme Gartenstühle und klapprige Liegen ersetzen, sondern es gibt auch Teppiche, Leuchten und alles, was sonst auch in einem Wohnzimmer stehen könnte. Aber die Stoffe und Materialien sind viel robuster und können der Witterung und UV-Strahlung widerstehen.

Und es gibt noch einen Unterschied zu den Trends fürs echte Wohnzimmer, wo tendenziell leichtere und kleinere Möbel angesagt sind. «Der Schwerpunkt dieser Messe liegt ganz klar auf großen Lösungen fürs Sitzen», berichtet Reinhardt. «Es sind regelrechte Sitzlandschaften - Kollektionen, wie wir sie aus den 60er, 70er und Anfang der 80er Jahre kennen.»

Erst Trend, dann gehypt in der Pandemie

Diese qualitative Weiterentwicklung und die große Nachfrage bei den Käufern nach Balkon- und Gartenmöbeln hatte einen Treiber: Die Pandemie und die Einschränkungen der vergangenen zwei Jahre, die viele von uns mehr zu Hause gehalten haben als früher. Aber auch jetzt spielt der Garten noch immer eine Rolle, so Reinhardt: «Wenn meine Frau einlädt, dann geht es mit einem Weinchen nach draußen auf die Terrrasse, denn man kann dort in Coronazeiten sicherer sein.»

Doch schon weit vor der Ausbreitung von Covid-19 und den Folgen für unseren Alltag war der Wandel von Balkon und Terrasse in Gang. «Sonst wäre die Industrie nicht so weit wie sie jetzt ist», so Reinhardt im Gespräch mit dem dpa-Themendienst. «Diese Verbindung zur Natur und das gut Gehen lassen, das sogenannte Wellbeing in der Natur, das ist kein Gerede, das ist schon länger eine Sehnsucht vieler Menschen.» Für Reinhardt hat diese Entwicklung vorerst auch kein Ende - im Gegenteil.

Die Möglichkeit, auch zu Hause draußen zu sein, werde wichtiger für den Haus- und Wohnungsbau. «Meiner Meinung nach werden Immobilien nicht nur nach der Rendite und der Lage bewertet. Ich möchte das um einen Faktor ergänzen, von dem ich glaube, dass er immens wichtig geworden ist: Die Möglichkeit, Kontakt zur Natur zu haben», sagt Reinhardt. «Und sei es nur ein kleiner Balkon, auf dem man eine Liege aufstellen kann - auch das wird künftig den Wert einer Immobilie festlegen.»

( dpa )