Ein Plädoyer

Von Insekten und Menschen geliebt: Die Sonnenblume

Lesedauer: 5 Minuten
dpa
Helianthus annuus ist der Klassiker unter den Sonnenblumen-Arten.

Helianthus annuus ist der Klassiker unter den Sonnenblumen-Arten.

Foto: dpa

Die Sonnenblume ist ein Symbol des Sommers - und hat auch noch berechtigterweise den Ruf, ökologisch wertvoll zu sein. Warum wir mehr Sonnenblumen im Garten und auf dem Balkon haben sollten.

Münster/Ingolstadt. Unter allen Sommerblumen ist es ihr Gelb, ihre prächtige Fülle und der enorme Wuchs, die besonders hervorstechen: Die Sonnenblume ist beeindruckend. Ihre Blüten sehen - wie der Name sagt - aus, wie eine kleine Sonne, die hoch über den anderen Blumen erstrahlt. Aber die Sonnenblume bietet noch mehr:

Sonnenblumen sind ziemlich anspruchslos

Die Beliebtheit der Sonnenblume hat nicht nur mit der eindrucksvollen und symbolträchtigen sommerlichen Erscheinung zu tun, sondern auch mit der gewissen Anspruchslosigkeit der Pflanze. "Sonnenblumen erweisen sich als eine einfache Kultur", sagt Gernot Hauke, Zierpflanzengärtner und Gartenbau-Ingenieur aus Münster.

Zwar rät er zu einem sonnigen Standort mit gutem Gartenboden, doch "Sonnenblumen kommen auch auf mageren Böden klar", erklärt Hauke. Nur werden sie dann nicht ganz so groß. Dafür fördern eine gute Düngung und ausreichend Wasser bei Trockenheit wiederum den üppigen Wuchs.

Sonnenblumen werden von Insekten geliebt

Die Sonnenblume hat den Ruf, ökologisch wertvoll zu sein. "Es werden verschiedene Insekten angelockt, und sie ernten Nektar sowie Pollen in den Blüten", so Hauke. Dabei ist besonders die oft spätsommerliche Blütezeit der vielen Sorten wertvoll, wenn das Nahrungsangebot für die Insekten schon wieder langsam abnimmt. "Später, wenn die Samen reif sind, profitieren die Gartenvögel von den reifen Kernen", ergänzt Hanne Roth, Landschaftsarchitektin aus Ingolstadt.

Nicht ganz so offensichtlich ist der Nutzen der Pflanze für den Gartenboden. Ihr ausgedehntes Wurzelwerk lockert und reichert durch ihr Absterben diesen mit Humus an. Nicht nur deswegen sollte man den Wurzelstock so lange wie möglich bis zur Neuaussaat im nächsten Frühjahr im Boden lassen. Denn der abgestorbene Stiel dient im Winter Insekten als Wohnhöhle, so Experte Hauke.

Sonnenblumen bewegen sich

"Sonnenblumen richten ihre Blüte nach der Sonne aus", erklärt Hauke. Das macht sie zu einer schönen Pflanze für Kinder. Was auch für ihr "enormes Wachstum innerhalb eines Jahres gilt", findet der Gartenbau-Ingenieur. Man kann die Pflanzen direkt an Ort und Stelle im Frühjahr säen, wenn die Temperaturen langsam ansteigen.

Sonnenblumen wachsen auch im Topf

Wer keinen Garten hat, findet Sonnenblumen als Topfware für den Balkon im Handel. Sie sollten nach Angaben von Hauke möglichst in der vollen Sonne stehen und gleichmäßig mit Wasser und Nährstoffen versorgt werden. "Stehen die Pflanzen in einem kleinen Topf, sollte man die Pflanze in größere Töpfe umsetzen, damit mehr Volumen für das Wurzelwachstum zur Verfügung steht", rät der Gartenbau-Ingenieur.

Bei Sorten, die mehrere Blüten produzieren, lohnt es sich, die erste Blüte frühzeitig herauszuschneiden, um die Entwicklung der Knospen in den Blattachseln zu fördern.

Übrigens, das Vorziehen der Garten-Sonnenblumen wird ebenfalls in Töpfen empfohlen, wenn man mit Schnecken zu kämpfen hat. Denn diese lieben die Sämlinge dieser Pflanze. Allerdings sollten die Pflanzen nicht zu lange im Topf bleiben. "Das Wachstum kommt ins Stocken, wenn der Ballen zu stark durchwurzelt", so Hauke.

Sonnenblumen-Namen sind Programm

Als Klassiker unter den Sonnenblumen gilt die nur einen Sommer lang blühende Helianthus annuus, im Volksmund auch Gewöhnliche Sonnenblume genannt. Sie bildet einen kräftigen Stiel mit einer Blüte an dessen Ende. "Verzweigungen und damit mehr Blüten sind dagegen typisch für Helianthus debilis", ergänzt der Gartenbau-Ingenieur. Im Volksmund wird diese Art auch Schwache oder Ostküstendünen-Sonnenblume genannt.

Auch sie ist prächtig: Die Blüten werden etwa zehn Zentimeter groß und der Stängel erreicht eine Größe zwischen 1,20 und 1,80 Meter. Ihr Vorteil gegenüber der Helianthus annuus: Diese Sonnenblume hat eine längere Blütezeit und bietet jede Menge Blüten für den Schnitt.

Die Sorten der einjährigen Arten unterscheiden sich in Höhe, Blütengröße und -füllung sowie der Farbe. Die jeweilige Besonderheit kann man im Handel meist schon anhand des Namens ausmachen: "'Gefüllte Riesen' trägt große, pomponartig gefüllte gelbe Blüten und 'Ring of Fire' schmückt die gelben Blütenblätter mit einem rotbraunen Ring", beschreibt Hauke zwei Sorten. Für die Verwendung in der Vase ist die Sorte 'Schnittwunder' besonders gut geeignet.

Sonnenblumen können mehr als einen Sommer leben

Neben den Einjährigen gibt es auch eine ganze Reihe an mehrjährigen Arten, darunter eine Pflanze, die man als essbares Knollengemüse kennt: Die Topinambur (Helianthus tuberosus). "Mein Favorit unter den mehrjährigen Sonnenblumen ist die Weidenblättrige (Helianthus salicifolius)", sagt Landschaftsarchitektin Hanne Roth. Ihre hohen Triebe mit den schmalen Blättern wirkten skurril.

"Mit der Blüte der mehrjährigen Sonnenblumen wie Helianthus atrorubens wird vom Sommer in den Herbst übergeleitet", nennt die Expertin eine weitere Art. Sie empfiehlt, diese neben den lilablauen Sommerflieder und das Hohe Eisenkraut im Kontrast zu setzen. Herbstastern und Gräser wie das Chinaschilf runden das Bild ab.

Auch Hanne Roth empfiehlt übrigens aus gestalterischer Sicht, die verblühten Sonnenblumen über den Winter im Beet stehen zu lassen. Die straffen Stiele schaffen eine schöne Struktur im Gartenbild.

© dpa-infocom, dpa:210628-99-172568/3

( dpa )