Kongress-Hotspot im Norden

250 Veranstaltungen im Jahr: Im Congress Centrum Hamburg treffen sich Impulsgeber aus Wirtschaft und Forschung

Was in den 1960er-Jahren als Vision für die Hansestadt begann und im April 1973 als Congress Center Hamburg (CCH) eingeweiht wurde, ist seit mehr als vier Jahrzehnten ein wichtiger Treffpunkt für Besucher aus aller Welt. Im Vorfeld allerdings war der Bau des Kongresszentrums alles andere als unumstritten. Als der damalige Bürgermeister Herbert Weichmann 1970 den Grundstein für das 100 Millionen D-Mark teure Projekt legte, sprachen Kritiker von Gigantomanie und Fehlinvestition. Sie prognostizierten leere Säle, hohe Defizite – und irrten.

Bei seiner Eröffnung verfügte das CCH über 17 Säle für insgesamt 10.000 Gäste und war das modernste Gebäude seiner Art in Deutschland. Schnell wurde es zu einem Vorzeigeprojekt und brachte Millionen von Kongressbesuchern an die Alster. Der Track-Record ist beeindruckend: Bis heute fanden allein 130 Weltkongresse im CCH statt.

Eine der ersten Großveranstaltungen war 1974 der Europäische Mikrowellen-Kongress mit fast 18.000 Teilnehmern; der Weltpostkongress im Jahr 1984 ging mit einer Dauer von 40 Tagen als längste Tagung in die CCH-Chronik ein. Regelmäßig diskutieren Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft in Hamburg über Fragen und Entscheidungen von globaler Bedeutung. Und die Kongresse im CCH eröffneten nicht nur sinnbildlich neue Wege: Eigens für den von 10.000 Fachleuten besuchten Welt-Krebskongress 1990 wurde eine neue Fußgängerverbindung zwischen CCH und Universität errichtet, die bis heute als beliebte Abkürzung unter den Gleisen am Dammtorbahnhof genutzt wird.

Insbesondere die regelmäßigen großen Medizin- und Wissenschaftskongresse tragen zu hohen Besucherzahlen bei. 2015 werden sich unter anderen internationale Nuklearmediziner, Mathematik-Didaktiker und Krankenhausapotheker hier miteinander austauschen. Ein weiterer Schwerpunkt sind Hauptversammlungen börsennotierter Unternehmen: Mit durchschnittlich acht pro Jahr gehört das CCH zu den führenden Austragungsorten von Aktionärsversammlungen in Deutschland. Die Vorstände und Aufsichtsräte von Lufthansa, Aurubis, Jungheinrich oder Beiersdorf lassen sich regelmäßig hier entlasten, selbst der Deutsche Alpenverein bittet seine Mitglieder zur Hauptversammlung ins norddeutsche Flachland.

Herausragende Großereignisse rund um CCH und Messegelände waren zuletzt die Lions Clubs International Convention mit etwa 25.000 Teilnehmern aus 200 Ländern sowie der Deutsche Evangelische Kirchentag 2013 mit 100.000 Besuchern. Die aus diesen Aktivitäten resultierenden Umsätze und Einnahmen für die Stadt sind erheblich: So hat das ifo-Institut für Wirtschaftsforschung ermittelt, dass jeder Tagungsteilnehmer durchschnittlich 436 Euro in Hamburg ausgibt. Durch 140 Tagungen und Kongresse sowie 100 weitere Veranstaltungen mit insgesamt 390.000 Besuchern bescherte das CCH der Stadt allein im Jahr 2014 eine Umwegrendite von geschätzten 100 Millionen Euro.

Um Hamburg eine solche Wertschöpfung auf Dauer zu erhalten, müssen sich die Verantwortlichen anstrengen. Bei seiner Eröffnung war das CCH das modernste Kongresszentrum in Deutschland. Damals galten ausreichendes Licht, gute Mikrofone und ein hochwertiger Diaprojektor schon als Highend-Technologie. Aber das Gebäude ist in die Jahre gekommen.

Der Erweiterungsbau 2007 war deshalb ein erster Schritt zum Erhalt langfristiger Wettbewerbsfähigkeit. Er erhöhte die Kapazitäten des CCH auf 23 flexibel nutzbare Säle mit 12.500 Sitzplätzen, moderner technischer Ausstattung und 10.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche. Der inzwischen unter Denkmalschutz stehende Altbau hingegen kann den geänderten Ansprüchen bezüglich Raumbedarf und Kongressabläufen heute nicht mehr standhalten. „Hamburg braucht als internationale Metropole eine erstklassige Infrastruktur für Tagungen und Kongresse. Der zentrale Standort des CCH ist hervorragend und international hoch anerkannt“, so Wirtschaftssenator Frank Horch. „Jetzt aber muss das vier Jahrzehnte alte Gebäude dringend saniert und zeitgemäß umstrukturiert werden.“ Und der Senat spielt mit. Die knapp 200 Millionen Euro teure Revitalisierung wurde erst kürzlich genehmigt.

Die Umstrukturierung nach Plänen der Architektenbüros agn Leusmann und Tim Hupe soll bis 2019 gelingen. Der Eingangsbereich wird neu errichtet, der Vorplatz neu gestaltet. Der große denkmalgeschützte Saal wird grundlegend saniert und mit neuer Gebäudetechnik für Sicherheit, Klima und Medien ausgestattet. Während der Bauphase sollen Ersatzflächen auf dem Messegelände genutzt werden.