Drogen und Kriminalität

„Niemand trinkt sich gern halb tot“

Lesedauer: 4 Minuten
Hannah Rau, Klasse 9b, Marion Dönhoff Gymnasium

Zahl der Jugendlichen, die mit Alkoholvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert werden, steigt. Eine Schülerin erklärt, wie der Trend gestoppt werden kann.

Die Zahlen sind erschreckend: 2012 mussten in Deutschland 26.700 junge Menschen zwischen 10 und 20 Jahren wegen akuten Alkoholmissbrauchs in Krankenhäusern stationär behandelt werden. 4000 dieser Alkoholpatienten waren jünger als 15 Jahre. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes und des Bundesministeriums für Gesundheit steigt die Zahl der Kinder und Jugendlichen mit der Diagnose „akute Alkoholintoxikation“ stetig.

Über das sogenannte Komasaufen lesen wir regelmäßig in der Presse. Als Komasaufen wird eine Form des Alkoholmissbrauchs bezeichnet, bei der sehr viel Alkohol in sehr kurzer Zeit getrunken wird, um möglichst schnell sehr betrunken zu werden.

Mit den Gründen, warum Jugendliche sich bis zur Bewusstlosigkeit betrinken, beschäftigt sich aus unserer Sicht kaum jemand. Viel einfacher ist es natürlich, auf die Jugend zu schimpfen und verständnislos den Kopf zu schütteln. Dabei gäbe es Möglichkeiten, dem Alkoholmissbrauch von Kindern und Jugendlichen vorzubeugen und ihnen den verantwortungsvollen Umgang mit der Gesellschaftsdroge Alkohol zu vermitteln. Ich habe nach Gesprächen mit Jugendlichen einige Vorschläge dazu gesammelt.

Stichwort Verfügbarkeit: Offiziell sind Bier, Wein, Sekt und Mixgetränke für Jugendliche ab 16 Jahren freigegeben. Spirituosen mit mehr als 15 Prozent Alkohol erst ab 18 Jahren. Diese Altersbeschränkungen sind wirkungslos, weil es für Minderjährige viele Wege gibt, an jede Art von Alkohol zu gelangen. Zum Beispiel mithilfe älterer Geschwister, Freunde und oder notfalls auch über Unbekannte im Supermarkt. Auch am Kiosk in der Großstadt kommen 14-Jährige problemlos an harten Alkohol. Das zeigen Testkäufe immer wieder. Oft stehen bei den Eltern hochprozentige Spirituosen im Schrank oder im Regal. Die kann man unbemerkt oder teilweise sogar mit Einverständnis der Eltern konsumieren. Gänzlich lösen lassen wird sich dieses Problem natürlich nie, aber mehr Testkäufe durch Behörden wären ein sehr guter Anfang. Außerdem sollte das Supermarktpersonal darauf achten, wer möglicherweise für Minderjährige Alkohol kauft. Meistens steht der Käufer zusammen mit einer Gruppe Minderjähriger an der Kasse und übergibt den Alkohol sofort.

Stichwort: Harter Alkohol. Kein Jugendlicher kann so viel Bier trinken, dass er ins Krankenhaus eingeliefert werden muss. Harter Alkohol dagegen ist unberechenbar, besonders in den sogenannten „Mischen“ ist er kaum herauszuschmecken.

Wirklich gefährlich wird es in der Regel bei Trinkspielen. Während dieser Trinkspiele stehen die Jugendlichen unter besonders hohem Druck, trinken zu müssen, da sie von den Mitspielern sonst ausgeschlossen werden und als Verlierer dastehen. Besonders bei Jungs gibt es einen großen Stolz. Sie wollen als trinkfest gelten. Alles andere wäre in ihren Augen unmännlich.

Prävention ist sehr wichtig. Aus meiner Sicht ist es aber unrealistisch, Jugendlichen Alkohol komplett zu verbieten. Laut Statischem Bundesamt haben 50 Prozent der Jugendlichen unter 16 Jahren schon einmal Alkohol konsumiert. Jugendliche müssen über die Wirkung von Alkohol und insbesondere über die Folgen von übermäßigem Trinkverhalten aufgeklärt werden.

Niemand betreibt Komatrinken, weil er unbedingt ins Krankenhaus möchte. Niemand trinkt sich gern halb tot. Mir ist in vielen Gesprächen klar geworden, dass es die mit Alkohol unerfahrenen Jugendlichen sind, die falsch einschätzen, wie viel Alkohol sie vertragen. Meist werden sie in der Gruppe von Freunden angefeuert, viel zu trinken.

Übermäßiger Alkoholkonsum unter Jugendlichen ist kein Problem sozialer Randgruppen, von Außenseitern oder Partygängern, sondern ein Problem, das aus Unwissenheit und Unbeholfenheit resultiert. Niemandem hilft eine aufgeregte Debatte, in der sich über Verantwortungslosigkeit empört wird. Dadurch wird nur Widerstand erzeugt.

Was wir Jugendlichen brauchen, ist ein unverklemmter und von weniger Angst um uns, aber mit klaren Regeln geprägter Umgang mit Alkohol.