Im Fegefeuer der Schaffenskrise

John Neumeier spiegelt im Mahler-Ballett "Purgatorio" auch eigene Konflikte

Es herrscht Ehekrieg im Hause Mahler. John Neumeiers Ballett "Purgatorio" - zu Mahlers Fragment der Zehnten Sinfonie und Orchesterliedern seiner Gattin - ist im Gegensatz zu den anderen Mahler-Balletten ein (auto-)biografisch inspiriertes Tanzdrama über die emotionalen und kreativen Konflikte eines Künstlers zwischen Berufung, Arbeit, Liebe und Leben.

Der Komponist (Lloyd Riggins) ist ein Choreograf, der seine "Noten" mit Körpern in den Raum "schreibt" - somit ein Alter ego Neumeiers. Er erzählt die Dreiecksgeschichte zwischen dem in seiner Musik lebenden Mahler, Alma (Hélène Bouchet) und dem jungen, attraktiven Architekten Walter Gropius (Thiago Bordin). In spannungsvollen Trios spiegelt Neumeier die unglück-selige Verkettung der Gefühle und Widersprüche zwischen Sexualität und Sitte, Begehren und Vernunft, Arbeitswut und Verlustangst und entwirft in "Purgatorio" mit den expressiven, tänzerisch perfekten Protagonisten choreografische Seelenlandschaften einer zerrissenen Künstlerseele.

"Purgatorio" 16./23.3. u. 5.4., jeweils 19.00, sowie 17.3., 18.00 und 20.6., 19.30, Staatsoper, Karten zu 4,- bis 97,- unter T. 35 68 68

( (-itz) )