Eine ganz saubere Sache

Der Award zeichnet umweltfreundliche Ideen aus und beweist, dass technischer Fortschritt und Umweltschutz im Einklang miteinander stehen können

Erst seit vier Jahren gibt es ihn, doch in dieser kurzen Zeitspanne konnte sich der Clean Tech Media Award zu einem der führenden deutschen Umweltpreise entwickeln. Der in diesem Jahr vom Hamburger Abendblatt präsentierte Award gastierte erstmals in Hamburg, Europas Umwelthauptstadt 2011. Mehr als 750 Gäste aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Kultur wohnten der Verleihung der Preise in den fünf Kategorien Energie, Mobilität, Kommunikation, Lebensstil und Nachwuchs bei. Der Sieger jeder Kategorie wurde von einem prominenten Laudator gewürdigt. Dafür angereist waren die Schauspieler Ralf Bauer, Natalia Wörner und Jana Pallaske, die Unternehmerin Dana Schweiger sowie der Kopf der Band Boomtown Rats, Aktivist und Organisator von Veranstaltungen wie Live-Aid, Bob Geldof. Die fünf Ausgezeichneten stellen sich in dieser Sonderausgabe vor. Das Repertoire der Ideen reicht von der intelligenten "grünen" Küche über eine solarbetriebe Trinkwasserförderanlage, die in wasserarmen Regionen der Welt Probleme lösen kann, bis hin zu einer Applikation für iPhones. Mit ihr sollen Verbraucher spielerisch zu einem nachhaltigeren Konsumverhalten veranlasst werden. Auch ein Sonderpreis wurde wieder vergeben: Er ging an die Lufthansa für das Kerosin einsparende und CO2-Emissionen reduzierende Forschungsvorhaben burnFair. 2010 hatte Elon Musk den Sonderpreis für sein Konzept des Elektroautos Tesla Roadster erhalten.

Gala-Schwere will der Clean Tech Media Award traditionell vermeiden, und so wurde auch bei der vierten Auflage, bei der MiMi Müller-Westerhagen und Johnny Hates Jazz für den musikalischen Rahmen sorgten, der Show-Charakter gepflegt. "Unser Ziel ist es, mit dem Clean Tech Media Award die innovative Welt der Ingenieure, Wissenschaftler und Erfinder mit dem Glamour der Medienbranche zu verknüpfen - ganz so, wie es zu Zeiten erster Weltausstellungen üblich war", sagt Initiator Marco Voigt.

Symbolisch für die nachhaltige Allianz zwischen zwei sonst eher wenig Berührungspunkte aufweisenden Bereichen ist der grüne Teppich, über den die Gästeschar schreitet. Der Co-Initiator und Geschäftsführer des Award, Sven Krüger, ergänzt: "Cleantech soll mitreißend, sichtbar und erlebbar sein." Eine durchweg "hohe Qualität" bescheinigen die beiden nachhaltigkeitsbegeisterten Diplomingenieure den 81 eingereichten Projekten, die sich durch eine große innovative Bandbreite auszeichnen. Aus acht Ländern erhielten Marco Voigt und Sven Krüger Post, darunter aus den USA. Und sogar aus Nepal und Thailand trafen Bewerbungen ein. Ein Indiz dafür, dass sich der Clean Tech Media Award schon weit über die Landesgrenzen hinweg einen Namen gemacht hat.

Die 22 Juroren, zu denen auch zahlreiche Experten aus Industrie, Wirtschaft und Forschung zählten, darunter Hans-Georg Frischkorn, Geschäftsführer des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), und die Energieexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Claudia Kemfert, standen also vor der Qual der Wahl. Hilfestellung hatten zuvor schon zahlreiche Interessierte geleistet, die ihre Favoriten per Online-Abstimmung wählten. Rund 8000 Nennungen trugen dazu bei, den Kreis der potenziellen Preisträger auf 15 Nominierungen (drei in jeder Kategorie) einzugrenzen. Bewertet wurden die Ideen, die vorwiegend aus den Bereichen Solar-, Wind-, Wasser-, Bio- und Erdenergie und dem weiten Feld der Effizienztechnologien kamen, nach ihrem Innovationsgrad sowie der Wirtschaftlichkeit und Marktrelevanz. Auch ökologische Verträglichkeit und langfristige Einsatzmöglichkeiten waren wichtige Prüfkriterien auf den Zetteln der Juroren.

Wer letztendlich auf das oberste Treppchen steigen und eine der Holzkugeln mit nach Hause nehmen darf, ist tatsächlich zweitrangig. Vielmehr möchte der Clean Tech Media Award innovativen und cleveren Ideen, Projekten und Produkten eine Plattform - und damit Öffentlichkeit - bieten. Denn häufig verbergen sich dahinter nicht die großen Namen, sondern Tüftler, Erfinder, Kleinstfirmen oder Netzwerke, die sich Werbung und Öffentlichkeitsarbeit nicht leisten können. Foren dieser Art stellen für sie die einzige Möglichkeit dar, wahrgenommen zu werden und Ideen verwirklichen zu können, von denen später vielleicht sehr viele Menschen profitieren.

Unter einem Aufmerksamkeitsdefizit leiden hierzulande aber nicht nur die "Kleinen". Obwohl sie im internationalen Vergleich höchst erfolgreich ist und ihre Produkte weltweit gefragt sind, führt die deutsche Cleantech-Branche bezüglich ihrer öffentlichen Wahrnehmung nach wie vor eine Art Schattendasein. Erfindungen und Lösungsansätze bleiben der breiten Öffentlichkeit noch allzu oft verborgen. Der Clean Tech Media Award ist angetreten, um dies zu ändern. Die Chancen stehen gut, denn Wertschätzung, Wahrnehmung und Bedeutung des Wettbewerbes haben sich seit 2008 um ein Vielfaches gesteigert. Um die Zukunft muss sich der Wettbewerb, der nur Gewinner kennt, nicht sorgen - solange er sich auf seinen Kern besinnt: Immer sauber bleiben.