Ein pianistischer Grenzgänger

Francesco Tristano. Jazz-Fans werden bei diesem Namen sicher an Lennie Tristano erinnert werden. Doch den neuen Artist in Residence der Hamburger Symphoniker verbinden nicht die Gene, sondern nur der klangvolle Nachname und seine stilistische Beweglichkeit mit dem Vater des Cool Jazz: Während Lennie den Geist von Bach-Fugen in den Jazz brachte, konfrontiert Francesco Tristano die Klassik-Welt mit Improvisation und Techno-Klängen.

Von Hause aus ist der 1981 in Luxemburg Geborene klassischer Pianist; seine Ausbildung erhielt er in Brüssel, Riga, Paris und an der New Yorker Juilliard School. Ähnlich raumgreifend streift er nun durch die Welt der Musik: Tristano hat Frescobaldis Toccaten sowie Bachs Suiten und Goldberg-Variationen auf CD eingespielt. Er hat Musik des 20. Jahrhunderts von Prokofjew bis Berio im Repertoire; und mit dem Pianistenkollegen Rami Khalifé hat er die Improvisationstruppe "Aufgang" gegründet. Tristanos bisher kühnster Coup ist aber die CD "Not For Piano", auf der er Hits des Detroit Techno für Klavier bearbeitete.

Die insgesamt acht Konzerte von Tristanos Residenz zeigen die verschiedenen Seiten des Musik-Weltenbummlers: Zum Saisonauftakt wird er den hochvirtuosen Klavierpart in Olivier Messiaens "Des Canyons aux Etoiles" übernehmen. Am 14. November lädt er sich Mitglieder der Hamburger Symphoniker zu einem Streifzug durch die Kammermusik des 20. und 21. Jahrhunderts. Und Ende November stellt Tristano sich als Komponist und Interpret elektronischer Musik vor.

Des Canyons aux Etoiles 19.9., 19 Uhr, Laeiszhalle

20 & 21 Century Music 14.11., 11 Uhr, Laeiszhalle

AURICLE|BIO|ON 28.11., 19.30 Uhr, Laeiszhalle