Die Magie der fünften Stimme

Jan Garbarek verzaubert erneut gemeinsam mit The Hilliard Ensemble

Es gibt diese Glücksmomente, wenn ein Musiker seine Traumformation findet. Bei Jan Garbarek war es die Begegnung mit dem englischen Hilliard Ensemble. Mit dem gemeinsamen Programm "Officium" begeisterten der Tenor-Saxofonist und das geistliche Vokalquartett in Kirchen landauf, landab.

Auf den gemeinsamen Alben "Officium" (1994) und später "Mnemosyne" (1999) wurden sakrale Gesänge wie "Sanctus" oder "Ave Maris Stella" mithilfe des Saxofons als einer Art fünfter Stimme beinahe überirdisch verzaubert. Auf "Mnemosyne" weltlich erweitert um Musik aus dem antiken Griechenland oder indianische Tänze. Beide Werke eroberten sogar die Pop-Charts. Über der glasklaren Vokalpartitur des auf Musik des 15. und 16. Jahrhunderts spezialisierten Ensembles schwang sich Garbarek zu innovativen Improvisationen auf.

Immerhin hat der Norweger schon in fast allen Stilrichtungen experimentiert. Er hatte mithilfe elektronischer Effektgeräte einen rocklastigen Sound entwickelt, ist eine Zeit lang mit Keith Jarrett und Charlie Haden getourt und hat folkloristische Einflüsse von den Tälern Norwegens über indische und asiatische Klänge bis zu slawischen Musiktraditionen in sein Spiel aufgenommen. Gemeinsam mit The Hilliard Ensemble berührt er tiefere Schichten der menschlichen Seele. Und auch das ist Jazz.

Jan Garbarek & The Hilliard Ensemble 14.9., 20 Uhr, St. Michaelis. Karten unter T. 01805/ 62 62 80