Neues Gesetz

So funktioniert das Auto-Notrufsystem eCall

Die Notruf-Technik wird ab 2018 für alle Neuzulassungen Pflicht

Die Notruf-Technik wird ab 2018 für alle Neuzulassungen Pflicht

Foto: Julian Stratenschulte / picture alliance / dpa

Ab 2018 müssen Pkw das neue System haben. Für Neuwagen kostet der Service 100 Euro. Die Nachrüstung älterer Autos ist kompliziert.

Ab 31. März 2018 müssen alle neuen Pkw mit dem automatischen Notrufsystem eCall ausgerüstet sein. Ein entsprechendes Gesetz hat nun das EU-Parlament verabschiedet. Die Politiker wollen so die Zahl der Verkehrs­toten pro Jahr um zehn Prozent senken. Im vergangenen Jahr kamen auf Europas Straßen 25.700 Menschen ums Leben. Gegenüber dem ursprünglichen Entwurf haben die Abgeordneten die Datenschutzklausel des Gesetzes verschärft. Die vom System bei einem Unfall gesendeten Daten dürfen demnach lediglich Informationen zum Fahrzeugtyp, zum Treibstoff, zum Unfallzeitpunkt, zur Fahrzeugposition und zur Zahl der Insassen umfassen.

Zudem dürfen die Daten ohne ausdrückliche Zustimmung der Betroffenen nicht an Dritte weitergegeben werden. Die Fahrzeughersteller müssen außerdem gewährleisten, dass alle im Fahrzeug gespeicherten Daten vollständig und dauerhaft gelöscht werden können. So soll unter anderem verhindert werden, dass Autos mit eCall-Technik dauerhaft verfolgbar sind.

Die Vernetzung der Fahrzeuge ist für alle Beteiligten ein einträgliches Geschäft

Die ab Frühjahr 2018 obligatorische Notruftechnik wird die europaweit einheitliche Notrufnummer 112 nutzen. Bereits heute bieten viele Autohersteller – darunter etwa BMW, Mercedes, Peugeot/Citroën, Opel und Volvo – ähnliche Systeme an, die in der Regel ein markeneigenes Call-Center kontaktieren. Die Technik funktioniert in allen Fällen ähnlich. Die Fahrzeuge sind mit einem GPS-Empfänger zur Positionsbestimmung ausgestattet und verfügen über einen Mobilfunksender zur Übermittlung des Notrufes. Dieser wird ausgelöst, wenn Sensoren einen Unfall melden.

Herangezogen werden etwa Daten der Airbag-Steuerung und des Schleuderschutzes ESP. Hinzu kommen teilweise Informationen fortschrittlicher Systeme wie Spurhalte- oder Brems­assistent. Bei der Einschätzung der Unfallart helfen zudem Sitzbelegungs- und Überschlagsensoren. In der Regel ist der Notruf auch manuell auslösbar. Zusätzlich gehören zur technischen Ausrüstung laut ADAC Mikrofon und Lautsprecher, damit die Notrufzentrale mit den Insassen sprechen kann, eine Notstromversorgung, um die Funktion auch nach einem Unfall mit Zerstörung der Fahrzeugbatterie aufrecht zu erhalten, sowie eine Kontrollleuchte, welche die Funktionsfähigkeit des Systems anzeigt beziehungsweise eventuelle Fehler.

Dass die Fahrzeughersteller schon vor der Einführung elektronische Notrufassistenten anbieten, hat seinen Grund. Die dabei notwendige Vernetzung des Fahrzeugs ermöglicht ihnen, zahlreiche Zusatzdienste zu offerieren, von Con­cierge-Dienstleistungen über Pannenhilfe bis zur Fernabfrage von Fahrzeugdaten durch den Halter. Für alle Beteiligten ist eCall ein einträgliches Geschäft. In der Regel werden
die Systeme gegen Aufpreis angeboten, häufig fallen zudem Mobilfunkkosten an. Datenschützer sehen derartige Systeme mit Sorge, weil häufig nicht transparent wird, was mit den gesammelten Informationen geschieht.

Den künftigen eCall-Service gibt es nicht umsonst. Experten schätzen, dass die Kosten pro Fahrzeug bei rund 100 Euro liegen werden. Einfach nachrüstbar ist die Technik nicht. Wer ein älteres Auto fährt, kann aber schon jetzt ähnliche Dienste nutzen. So bieten einige Versicherungen eine Blackbox mit integriertem Beschleunigungssensor an, die bei einem Unfall einen Notruf absetzen kann. Das Kästchen sammelt allerdings auch Daten zu Fahrstil und Routen. Weniger Daten gelangen bei Ortungsdiensten über Handy-Apps an Dritte. Allerdings muss der Verletzte dann noch selbst in der Lage sein, den Auslöseknopf zu drücken.