Corona-Virus

Studie: Covid-19-Erkrankung könnte Hörschäden verursachen

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Laura Réthy
"Long-Covid": "Ich bin um dreißig Jahre gealtert"

Long-Covid - Ich bin um dreißig Jahre gealtert

Jeder zehnte Corona-Patient leidet unter Langzeitfolgen wie Müdigkeit und Konzentrationsmangel, die bis zu ein Jahr andauern können. Im kanadischen Montreal hat kürzlich eine Klinik eröffnet, die sich ausschließlich um die Behandlung und Erforschung von "Long-Covid" kümmert. Auch die Lehrerin Violaine Cousineau ist hier in Behandlung.

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Eine Infektion mit dem Coronavirus könnte Hörschäden verursachen, wie eine britische Studie nahelegt. Doch die Daten sind lückenhaft.

Berlin. Eine Covid-19-Erkrankung kann viele Organe und Körperfunktionen in Mitleidenschaft ziehen – Lunge, Hirn, Atmung, Konzentrationsfähigkeit. Nun zeigt eine britische Metastudie, die im „International Journal of Audiology“ erschienen ist: Eine Infektion mit dem Corona-Virus könnte auch zu Hörschäden führen.

Für die Studie sahen sich die beiden Forscher Kevin Munro und Ibrahim Almufarrij von der Universität Manchester insgesamt 56 Fallberichte und Querschnittstudien an, von denen die meisten bis Dezember 2020 veröffentlicht worden waren. Eingeschlossen waren Menschen, die nachweislich oder wahrscheinlich mit Sars-CoV-2 infiziert waren.

Berichte von Hörverlust und Tinnitus durch Covid-19

Bei der Analyse der Daten zeigte sich: 7,6 Prozent der Menschen erlitten oder berichteten von einem Hörverlust, 14,8 entwickelten einen Tinnitus (Ohrgeräusch) oder dieser verschlechterte sich und 7,2 Prozent litten unter einem Rotationsschwindel.

Dass Virusinfektionen auch zu Problemen mit dem Hörsystem führen können, ist nicht ungewöhnlich. Auch zum Beispiel eine Infektion mit den Erregern von Röteln oder Masern können einen Hörverlust verursachen.

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„In den letzten Monaten habe ich zahlreiche E-Mails von Menschen erhalten, die nach Covid-19 eine Veränderung ihres Gehörs oder Tinnitus gemeldet haben“, sagt Studienautor Kevin Munro in einer Mitteilung seiner Universität.

Studien-Ergebnisse mit Vorsicht zu genießen

Dennoch betonen die Forscher, die Ergebnisse ihrer Metastudie seien mit Vorsicht zu genießen. Denn viele der Daten bezögen sich zum Beispiel allein auf Selbstberichte, ohne dass diese noch einmal medizinisch kontrolliert worden seien.

So könne beispielsweise das Tragen von Gesichtsmasken die Kommunikation erschwert und dazu geführt haben, dass Menschen von einem sich verstärkenden Hörverlust berichtet haben, so die Forscher.

Oder: Ein Tinnitus, das am häufigsten dokumentierte Symptom, könnte auch durch emotionalen Stress ausgelöst oder verstärkt werden.

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Was verursacht die Hörschäden nach Covid-19?

„Obwohl Vorsicht geboten ist, hoffen wir, dass diese Studie das Gewicht der wissenschaftlichen Beweise erhöht, dass ein starker Zusammenhang zwischen Covid-19 und Hörproblemen besteht“, sagt Ibrahim Almufarrij.

Worin genau dieser Zusammenhang besteht, ist noch offen. Ob also eine Veränderung des Hörvermögens direkt auf das Virus zurückzuführen ist oder auf andere Faktoren wie etwa die Reaktion des Immunsystems auf die Infektion oder die Entstehung von Thrombosen, die bei Covid-19-Patienten berichtet werden.

Sorgfältig durchgeführte klinische und diagnostische Studie seien dringend erforderlich, um die langfristigen Auswirkungen von Covid-19 auf das auditorische System zu verstehen, sagt Munro.

Derzeit läuft eine solche Studie unter Munros Leitung in Großbritannien.

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