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Diese Blutgruppe soll ein höheres Corona-Risiko bergen

Coronavirus-Irrtümer im Faktencheck

Im Internet kursieren viele Theorien in Bezug auf das Coronavirus. Im Faktencheck können Sie ihr Wissen testen.

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Eine Blutgruppe könnte einen Einfluss darauf haben, ob eine Covid-19-Erkrankung schwer verläuft oder nicht, zeigt eine Studie aus Kiel.

Berlin. 
  • Der Verlauf der Covid-19-Krankheit läuft bei vielen Menschen unterschiedlich ab. Warum ist das so?
  • Laut einer Studie könnte es einen Zusammenhang zwischen der Blutgruppe und der Schwere des Krankheitsverlaufs geben
  • Die häufigste Blutgruppe in Deutschland scheint das Risiko für einen schweren Verlauf der Erkrankung zu erhöhen

Warum verläuft eine Covid-19-Erkrankung bei manchen Menschen mild, andere müssen ins Krankenhaus, wieder andere sogar auf die Intensivstation, um dort beatmet zu werden? Die Wissenschaft findet darauf immer mehr mögliche Antworten – nun vielleicht auch im Blut der Infizierten.

Ein wichtiger Faktor für die unterschiedlichen Verläufe der Erkrankung könnte die Blutgruppe sein, wie ein internationales Forscherteam im „New England Journal of Medicine“ berichtet. Demnach haben Menschen mit der in Deutschland häufigsten Blutgruppe A ein um knapp 50 Prozent höheres Risiko für einen schweren Infektionsverlauf als solche mit anderen Blutgruppen. Menschen mit Blutgruppe 0 haben der Studie zufolge eine um etwa 50 Prozent geringere Gefahr für eine ernste Covid-19-Erkrankung.

Das Team um den Molekularbiologen Andre Franke von der Universitätsklinik Kiel hatte seine Ergebnisse bereits zuvor als sogenanntes Preprint veröffentlicht – also ohne Begutachtung durch unabhängige Wissenschaftler. Nun ist die Studie in einem renommierten Fachjournal erschienen.

Covid-19: Blutgruppe 0 könnte ein geringeres Risiko bedeuten

Die Wissenschaftler aus Kiel untersuchten für ihre Studie Blutproben von 1610 Covid-19-Patienten aus sieben Krankenhäusern in fünf italienischen und spanischen Städten, die in den Epizentren der Pandemie lagen, und verglichen sie mit Daten einer Kontrollgruppe. Die Patienten hatten alle einen schweren Infektionsverlauf.

Blutgruppe könnte Einfluss auf Covid-19 haben
Blutgruppe könnte Einfluss auf Covid-19 haben

Die Forscher untersuchten das DNA-Material und fanden heraus, dass Menschen mit der Blutgruppe A und einem positiven Rhesusfaktor (A +) ein höheres Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf haben als Menschen anderer Blutgruppen. Eine gute Nachricht haben die Wissenschaftler für Menschen mit der Blutgruppe 0: Sie könnten ein geringeres Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf haben.

Mit welchen absoluten Risiken die diversen Blutgruppen für eine schwere Covid-19-Erkrankung durchschnittlich verbunden sind, ermittelte die Studie nicht. Die Resultate passen zu den Ergebnissen zweier anderer Preprint-Studien aus China und den USA, die das Blut von Covid-19-Patienten untersucht hatten. „Diese beiden Gruppen haben Menschen serologisch untersucht, wir kamen von der genetischen Seite“, erläutert Franke. „Das bringt zusätzliche Evidenz.“

Die Autoren wissen nicht, warum die Blutgruppe die Schwere einer Covid-19-Infektion beeinflussen kann. Allerdings sei der Genort für die Blutgruppe mit bestimmten Entzündungsbotenstoffen verbunden. Andere Studien haben gezeigt, dass das Virus bei manchen Erkrankten zu einer Überreaktion des Immunsystems mit heftigen Entzündungsreaktionen im Körper führt.

Lauterbach: „Immunantwort hängt von der Blutgruppe ab“

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach schrieb auf dem Kurznachrichtendienst Twitter von einem „sehr erstaunlichen Ergebnis“ und einer „robusten Studie“. Dass Menschen der Blutgruppe A ein doppelt so hohes Risiko für einen schweren Verlauf hätten wie Menschen der Blutgruppe 0, mache Sinn, schrieb Lauterbach, „da die Immunantwort von der Blutgruppe abhängt“. Auch interessant: Diese 13 Vitamine stärken das Immunsystem

Die Ergebnisse decken sich auch mit denen einer Studie aus China. Auch dort kamen Forscher zu einem ähnlichen Ergebnis: 0 könnte eine schützende Wirkung haben, A ein höheres Risiko mit sich bringen. Lesen Sie auch: Welchen Einfluss das Geschlecht auf Herzerkrankungen hat

Welche Blutgruppe habe ich?

Die Blutgruppe A + kommt in Deutschland mit 37 Prozent am häufigsten vor, gefolgt von der Blutgruppe 0+ mit 35 Prozent.

Mit ein und zwei Prozent sind die Blutgruppen AB negativ und B negativ am seltensten.

Welche Blutgruppe durch die eigenen Adern fließt, lässt sich etwa beim Blutspenden erfahren. Auch der Hausarzt kann Auskunft geben – das kostet aber Geld. (lary/bef)

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