Pandemie

Coronavirus: So weit ist die Suche nach dem Heilmittel

Coronavirus: So läuft die Suche nach einem Impfstoff

Auf der ganzen Welt suchen Wissenschaftler nach einem Schutz vor dem Coronavirus. Viele Forscher und Firmen arbeiten an Lösungen, Tests laufen bereits.

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Es gibt kein Heilmittel gegen Covid-19, aber viele Tests. Was von ersten Erfolgsmeldungen und angeblichen „Gamechangern“ zu halten ist.

Berlin.  China ist das Versuchslabor der Welt im Kampf gegen Covid-19. Im Netz kursiert die Meldung, das japanische Grippemedikament Favipiravir sei „eindeutig wirksam“ bei der Behandlung von Infizierten in China. Es ist nicht der einzige Hoffnungsschimmer, aber noch gibt es kein Allheilmittel gegen die Folgen einer Infektion mit dem Coronavirus.

Ärzte in Japan verwenden das Medikament in klinischen Studien bei Coronavirus-Patienten mit leichten bis mittelschweren Symptomen. In Tokio machte das Gesundheitsministerium einen Vorbehalt: Das Medikament sei bei Menschen mit schweren Symptomen nicht so wirksam. Man habe die Arznei, die auch unter dem Namen Avigan bekannt ist, 70 bis 80 Personen gegeben, „aber es scheint nicht so gut zu funktionieren, wenn sich das Virus bereits vermehrt hat“.

„Es besitzt ein hohes Maß an Sicherheit und ist eindeutig wirksam in der Behandlung“, wird Zhang Xinmin zitiert, ein Vertreter des chinesischen Wissenschafts- und Technologieministeriums. Patienten, denen das Medikament in Shenzhen verabreicht wurde, wurden im Schnitt vier Tage danach negativ getestet.

Coronavirus: Pharma-Konzerne halten sich mit Erfolgsmeldungen zurück

Erst am 5. März hatten chinesische Mediziner eine Studie veröffentlicht, die ebenfalls Anlass zu Hoffnung zu geben schien. Sie betraf das Medikament Actemra. Es reguliert das körpereigene Abwehrsystem. Von 20 behandelten Patienten erholten sich 19 so gut, dass sie nach zwei Wochen aus dem Krankenhaus entlassen werden konnten.

Der Hersteller, die Schweizer Forma Roche, vermied es – ebenso wie die Japaner – in der Öffentlichkeit Erwartungen zu wecken. Denn die Studie genügt nicht, um wissenschaftlich verlässliche Aussagen zu machen, berichtete die „Neue Züricher Zeitung“. Nach geltenden Gesetzen wäre es ein schwerer Verstoß, zum Einsatz des Medikaments gegen eine Krankheit aufzufordern, für die es nicht zugelassen ist. Vor allem in den USA ziehe das hohe Strafen nach sich.

Coronavirus: Drosten hält Antivirenmittel Remdesivir „beste Option

Als Hoffnungsträger gilt das Antiviren-Mittel Remdesivir des US-Biotechkonzerns Gilead. Da sehe er „die beste Option“, bekannte der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charitè. Die „interessante Substanz“ eigne sich freilich nur für Patienten, „die schon Sauerstoff brauchen, aber noch keine kreislaufunterstützenden Medikamente“.

Remdesivir wurde ursprünglich gegen Ebola entwickelt. Aktuell laufen laut Drosten Studien, aber im Moment erlaube der Hersteller die Benutzung nur unter einem besonderen Protokoll bei Menschen, die schon recht schwer krank sind, und nur in einem kleinen Zeitfenster. Drosten: „Eigentlich möchte man es den Menschen schon eher geben, und dafür müsste es in einem viel größeren Maßstab verfügbar sein. Man muss jetzt abwarten, wie die ersten Ergebnisse sind.“

• Ausblick: Das erwartet Experte Christian Drosten in den nächsten Pandemie-Wochen

Coronavirus: Trump preist schon einen „Gamechanger“ an

In Deutschland meldeten Forscher vom Deutschen Primatenzentrum in Göttingen, dass sie mit Unterstützung der Charité in Berlin ein Medikament auf seine Wirksamkeit bei Covid-19 testen, das in Japan bei Entzündungen der Bauchspeicheldrüse eingesetzt wird.

Auch Chloroquin, ein älteres Malariamedikament von Novartis, wird als mögliche Therapie erprobt. Novartis will bis Ende Mai 130 Millionen Dosen spenden, sollte es Wirkung zeigen.

Es wird in Amerika hoch gehandelt, nachdem US-Präsident Donald Trump eine Kombinationstherapie mit dem Medikament mehrfach per Tweet als möglichen „Gamechanger“ angepriesen hatte. Experte Drosten winkt ab: Das Mittel werde in klinischen Studien untersucht, „aber die Ergebnisse sind nicht überzeugend“.

Ebenso wenig zum „Gamechanger“ dürfte ein Stoff werden, der im Netz zum Teil als erfolgversprechend angepriesen wird: Vitamin C. Der Virologe Stephan Günther vom Bernhard-Nocht-Institut zeigt sich skeptisch: Ihm lägen keinerlei Belege vor, dass Vitamin C das Coronavirus abtöten könne.

Allerdings könnte Vitamin C in sehr hohen Dosen zumindest einigen Studien zufolge helfen, den Zustand von Intensivpatienten zu verbessern, etwa bei einer Blutvergiftung. Solche Patienten haben zum Teil einen sehr hohen Vitamin-C-Bedarf. In anderen Studien konnten Forscher diese Wirkung jedoch nicht belegen.

In der chinesischen Stadt Wuhan, die besonders stark von Covid-19 betroffen war, wird derzeit eine klinische Studie zum Einsatz von äußerst hoch dosiertem Vitamin C bei Lungenentzündungen durchgeführt. Dabei wird den schwer kranken Patientinnen und Patienten zweimal am Tag je 12 Gramm Vitamin C injiziert - also in einer Dosierung, die etwa dem 240-fachen der empfohlenen Tagesmenge entspricht. Bis die Ergebnisse vorliegen, wird es jedoch noch eine Weile dauern.

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