"Schauen Sie Filme im Original"

Karrierecoach Jürgen Hesse sagt, welche Sprachen heute wichtig sind, und gibt Tipps, wie man den richtigen Kurs findet

Mit seinem Kollegen Hans Christian Schrader gründete Jürgen Hesse 1992 das Büro für Berufsstrategie, ein Karriereberatungs- und Seminarunternehmen mit acht Standorten.

Hamburger Abendblatt:

Wie relevant sind Fremdsprachen im Berufsleben, und welche Sprachen sind besonders gefragt?

Jürgen Hesse:

Die Welt rückt immer enger zusammen, Fremdsprachen werden also immer wichtiger. Zudem gelten Sprachkenntnisse oft als ein Zeichen für geistige Offenheit und Flexibilität. Englisch wird heute fast schon als selbstverständlich vorausgesetzt. Ich würde sagen in 80 Prozent aller Stellengesuche spielt Englisch eine Rolle, bei einem Drittel davon ist die Sprache sogar sehr wichtig. Daneben ist Spanisch gefragt, Französisch hat etwas an Relevanz verloren hat. Bei Geschäftsbeziehungen zum Osten ist Russisch keine schlechte Wahl, beim Fernen Osten würde ich zu Chinesisch raten.

Nehmen wir an, ich passe perfekt auf ein Jobprofil - abgesehen von den geforderten Englisch- oder Französischkenntnissen. Wie gehe ich am besten vor?

Hesse:

Je besser Sie in Ihrem Fachgebiet sind, desto größer sind Ihre Chancen auf einen Kompromiss. Sagen wir, Sie bewerben sich bei Airbus. Ihr Englisch ist halbwegs gut, Ihr Französisch eher schlecht, aber Sie sind ein exzellenter Ingenieur. Dann sollten Sie im Bewerbungsgespräch das Problem thematisieren und einen Lösungsweg anbieten. Sie könnten anführen, Sie planten einen Crashkurs oder hätten einen privaten Sprachlehrer engagiert.

Werden die geforderten Sprachkenntnisse im Bewerbungsgespräch geprüft?

Hesse:

Oh ja! Immer häufiger kommt es zu Aufforderungen wie "May we continue in English?", und dann geht es für vielleicht zehn Minuten in der jeweiligen Fremdsprache weiter. Manchmal geschieht das sogar schon beim telefonischen Vorab-Interview, und das ist noch eine Nummer schärfer.

Ebnen Fremdsprachen den Karriereweg?

Hesse:

Sagen wir es so: Ein Sprachstudium oder eine Ausbildung beispielsweise zum Europasekretär zahlen sich nicht immer aus. Sind Sie hingegen eine erfahrene Sekretärin und sprechen zudem Fremdsprachen, kann das zu einer schnellen Karriere führen. Das gleiche gilt für den BWL-Absolventen mit Auslandserfahrung. Die Sprache ist ein wichtiges Add-on - aber nur selten der allein entscheidende Türöffner.

Wie finde ich das passende Angebot?

Hesse:

Bei Sprachschulen sollten Sie auf einen guten Ruf und auf langjährige Erfahrung achten. Die Lehrer sollten nicht nur Muttersprachler, sondern auch didaktisch geschult sein. Denn der Lehrer ist entscheidend. Er ist es, der Sie motiviert und Sie zu Erfolgserlebnissen führt. Um den individuell passenden Lehrer zu finden, sollten Sie unbedingt eine Probestunde nehmen, die übrigens kostenlos sein sollte. Eine etwas größere Investition lohnt sich, wenn Sie in einer Fremdsprache schnell ein bestimmtes Niveau erreichen möchten. Für den Einstieg ist die Volkshochschule eine gute Adresse.

Was tue ich, wenn mir im Laufe der Zeit die Disziplin fehlt?

Hesse:

Tauchen Sie ein in die Kultur der Fremdsprache - dann springt der Funke über. Verbinden Sie den Spracherwerb mit Erlebnissen, lernen Sie Muttersprachler kennen. Sie sind Brad-Pitt- oder Ornella-Muti-Fan? Schauen Sie Filme im Original.