Wahl in Wien: FPÖ poltert gegen Ausländer * Günther Hörbst

Hamburg. Hofburg, Burgtheater, Heurigenlokale - Österreichs Hauptstadt Wien wurde erst kürzlich in einer Liste der weltweit lebenswertesten Städte auf Platz 2 gereiht. Ginge es nach Heinz-Christian Strache, dann dürfte diese Lebensqualität freilich nicht jeder genießen. Der Wiener Spitzenkandidat der rechtsgerichteten FPÖ für die Landtagswahl am kommenden Sonntag hetzte in den vergangenen Wochen derart ungeniert gegen Ausländer, daß ihn die Grünen bei der Staatsanwaltschaft anzeigten.

"Deutsch statt nix verstehen", "Heimat statt EU-Diktat", "Freie Frauen statt Kopftuchzwang" lauteten die noch erträglichen FPÖ-Plakatsprüche. Strache soll laut Wiener "Standard" bei Wahlkampfveranstaltungen aber auch gepoltert haben: "Willst du den Koran, dann lies ihn doch daheim." Für die Grünen reine Minderheiten-Hetze.

In dieser Atmosphäre absolvieren die Parteien ihren Wahlkampfendspurt. Regierungschef und SPÖ-Spitzenmann Michael Häupl sorgt sich ob dieser Ausfälle um das Ansehen der Donaumetropole. Er kann dennoch guter Dinge sein. Denn seiner Partei wird eine absolute Mehrheit vorausgesagt. Und damit innerhalb weniger Wochen nach den Wahlen in der Steiermark und im Burgenland ein dritter großer SPÖ-Wahlsieg.

Ein Problem dürfte die konservative Volkspartei ÖVP von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel bekommen. Denn die, erklärt der Wahlforscher Günter Ogris vom Wiener Sora-Institut, "wird mit rund 18 Prozent möglicherweise nur dritte Kraft". Und dem Koalitionspartner im Bund, dem "Bündnis Zukunft Österreich" (BZÖ), wird derzeit nur ein Prozent der Stimmen zugetraut. Ihm droht der Sturz in die politische Bedeutungslosigkeit - obwohl ihm der frühere FPÖ-Chef Jörg Haider vorsteht.

Dieser hatte im Frühjahr einen FPÖ-internen Machtkampf verloren und - bislang erfolglos - das BZÖ gegründet. Der neue FPÖ-Chef Strache richtete die übriggebliebene Partei dagegen wieder straff rechtsnational aus. Und er scheint zumindest in Wien damit Fuß zu fassen: Zehn Prozent werden dem Politrabauken Strache prophezeit. Ogris hält es nicht für unmöglich, daß es Strache mit den Methoden seines früheren Ziehvaters Haider schafft, die FPÖ wieder auf höherem Stimmenniveau "dauerhaft zu etablieren". Den rot-grünen Sieg in Wien wird das allerdings nicht verhindern. Rot-Grün ist in Österreich überhaupt Trend - mit guten Chancen für die Bundeswahlen 2006.