Terror in der Basilika?

Bin Ladens Al-Kaida-Kämpfer wollen in Bologna ein Fresko vernichten, das Mohammed in der Hölle zeigt.

Rom. Genau zu Beginn des Prozesses gegen 50 mutmaßliche islamische Extremisten in Bologna ließ die Staatsanwaltschaft eine "Bombe" platzen: Al-Kaida-Anhänger von Terror-Chef Osama bin Laden planen offenbar einen Anschlag auf die Basilika San Petronio in Bologna. In der Kirche befindet sich ein Fresko von Giovanni da Modena aus dem Jahre 1415, das zeigt, wie Religionsstifter Mohammed in der Hölle von Dämonen gequält wird. Dieses in Moslem-Augen blasphemische Fresko soll bei dem geplanten Terroranschlag zerstört werden. Das hat die Polizei angeblich durch Telefon-Abhören erfahren. In welchem Stadium der Planung sich der Anschlag befindet, wurde bisher nicht bekannt. Bereits vor einem Jahr war das fast 600 Jahre alte Fresko zum Stein des Anstoßes geworden. Am 7. Juni 2001 schrieb Adel Smith, Chef der Moslemischen Union Italiens, einen Brief an Papst Johannes Paul II. und Kardinal Giacomo Biffi von Bologna und forderte die "Auslöschung der barbarischen Beleidigung des islamischen Glaubens". Das Fresko sei eine schlimmere Beleidigung des Islam als die "Satanischen Verse" von Salman Rushdie. Die Anfrage wurde damals "registriert", das Wandgemälde aber nicht angetastet. Aus heutiger Sicht gehen die Ermittler davon aus, die Anfrage habe die militanten Anhänger von bin Laden auf den Gedanken gebracht, die Basilika San Petronio als ein mögliches Terrorziel auszusuchen. Gegen zehn Verdächtige wird jetzt in Mailand, Bologna und Neapel ermittelt. Das Fresko in der Bolognini-Kapelle der Basilika San Petronio entstand 1415 in der Blüte der Spätgotik in Italien. Es ist eine sehr grausame Darstellung der Qualen, die Sünder in der Hölle erwarten. Mohammed, namentlich mit einem Schriftzug gekennzeichnet, ist völlig nackt und wird von einem Dämon gequält. Dieser ist dabei, Mohammed in zwei Hälften zu teilen, so wie er nach dem damaligen Empfinden in der christlichen Welt die Religionen gespalten hat. Die Darstellung kann als Beleidigung des Islams interpretiert werden. Allerdings darf dabei nicht vergessen werden, dass das Fresko vor dem Hintergrund einer völlig anderen Weltanschauung entstand. Giovanni da Modena ließ sich für das Wandbild von Versen aus der "Göttlichen Komödie" von Dante Alighieri (1265-1321) inspirieren. Dort schickt Dante den Religionsstifter in den neunten Ring der Hölle: "Derweil ich ganz mich ihn zu schaun vertiefte, sah er nach mir, riss selber sich die Brust auf und sprach: ,Schau her, wie ich mich zerlege! Sieh nur, wie Mohammed ganz ist verwüstet!'" Die Verse werden in allen arabischen Dante-Übersetzungen komplett ausgelassen. Adel Smith ist auch nach der Aufdeckung der Anschlagspläne noch überzeugt davon, das Fresko müsse zerstört oder zumindest die Aufschrift "Machomet" entfernt werden. "Das Werk beleidigt unsere Religion und unser Volk", so Smith. Allerdings hält der Chef der Moslemischen Union Italiens es für ausgeschlossen, dass gute Moslems ein Attentat geplant haben könnten: "Wir begehen keinen Vandalismus", sagt er.

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