Berlin. Die republikanische TV-Debatte in Iowa schwänzte Donald Trump – nur um in einer eigenen Fox-Sendung gegen seine Mitbewerber zu ätzen.

Die fünfte und letzte TV-Debatte der republikanischen Präsidentschaftsbewerber vor den US-Vorwahlen in Iowa wollte Ex-Präsident Donald Trump nicht mitmachen. Dafür spielte er am Mittwochabend sein eigenes Spiel und inszenierte sich beim Fernsehsender Fox News in einer One-Man-Show. Der Auftritt wurde parallel zur TV-Debatte mit Trumps parteiinternen Konkurrenten Nikki Haley und Ron DeSantis ausgestrahlt.

Ein wichtiges Thema der Fox-Sendung war Migration. Donald Trump verstieg sich zu einer drastischen Aussage. „Wir werden die größte Abschiebeaktion in der Geschichte unseres Landes durchführen“, kündigte er mit Blick auf Menschen ohne Papiere im Land an. „Wir bringen alle dorthin zurück, wo sie hergekommen sind.“ Hinsichtlich seines Kommentars vor einigen Wochen, dass er am ersten Tag seiner Amtszeit ein Diktator sein werde, sagte Trump, dass er von den Demokraten als Diktator dargestellt werde. „Ich werde kein Diktator sein“, beteuerte er mit Blick auf eine mögliche zweite Amtszeit.

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Trump ätzte gegen DeSantis, dieser sei praktisch gar nicht mehr im Rennen. Der 77-jährige Ex-Präsident spielte erneut darauf an, dass er DeSantis zu Beginn seiner Karriere geholfen habe. „Er würde in einer Pizzeria oder vielleicht in einer Anwaltskanzlei arbeiten, wenn ich ihn nicht unterstützt hätte.“

USA: DeSantis und Haley kritisieren Trump – aber nur ein bisschen

Unterdessen setzten sich Haley und DeSantis in Iowa in Szene, um den parteiinternen Spitzenreiter Trump doch noch einzuholen. Bei der Fernsehdebatte standen beide erstmals nur zu zweit auf der Bühne und lieferten sich ein Duell. Die frühere US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen und Floridas Gouverneur nutzten fast jede Antwort für eine verbale Attacke gegen den anderen. Trump wurde von beiden mit eher zahmen Angriffen bedacht.

„Ich schätze, was Präsident Trump geleistet hat“, sagte DeSantis am Mittwoch. Sein Parteikollege habe an vielen Stellen allerdings nicht geliefert, was er versprochen habe. Politiker müssten „Diener des Volkes“ sein und nicht „Herrscher über das Volk“, stichelte er. Und mit Trump als Kandidat würde sich alles nur um die vergangene Wahl, juristische Probleme und Gerichtsverfahren drehen.

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Auch Haley übte eher Zurückhaltung gegenüber Trump. „Ich denke, er war der richtige Präsident zur richtigen Zeit. Ich stimme mit vielen seiner politischen Maßnahmen überein“, sagte sie. Aber seine Art sei nicht ihre. Rache und Drama lägen ihr nicht. Und Trump sei nicht der richtige Präsident für die Zukunft. Mit ihm gäbe es „vier weitere Jahre Chaos“. Zumindest betonte die 51-Jährige jedoch, dass Trump die jüngste Präsidentenwahl gegen den Demokraten Joe Biden verloren habe. Weiterhin das Gegenteil zu behaupten, sei falsch, kritisierte sie.

Trump-Herausforderer Ron DeSantis und Nikki Haley in Iowa: nur zahme Attacken gegen den Ex-Präsidenten.
Trump-Herausforderer Ron DeSantis und Nikki Haley in Iowa: nur zahme Attacken gegen den Ex-Präsidenten. © Getty Images via AFP | Chip Somodevilla

Trump hat seine Wahlniederlage nie eingestanden, sondern verbreitet bis heute Lügen, der Sieg sei ihm durch Betrug gestohlen worden. Er versuchte damals mit aller Kraft, den Wahlausgang umzukehren, was in der beispiellosen Attacke seiner Anhänger auf das US-Kapitol am 6. Januar 2021 gipfelte. Der Ex-Präsident muss sich wegen seiner Rolle nach der Wahl und wegen mehrerer anderer Vorwürfe in den kommenden Monaten parallel zum Wahlkampfin vier Strafverfahren verantworten.

In seltener Einigkeit kritisierten Haley und DeSantis, dass Trump wie schon bei vorherigen Runden seine Teilnahme an der Debatte verweigert habe. Nur wenige Stunden vorher war der frühere republikanische Gouverneur von New Jersey, Chris Christie, aus dem Vorwahl-Rennen ausgestiegen – angesichts mauer Umfragewerte. Der 61-Jährige hatte sich in den vergangenen Wochen als einziger republikanischer Präsidentschaftsbewerber mit harter Kritik an Trump hervorgetan. Am Mittwoch warf er seinen Mitstreitern erneut vor, sie seien zu feige, Trump hart anzugehen – aus Angst, dessen Basis zu verschrecken.

USA: Iowa macht den Auftakt mit den ersten Vorwahlen im Wahljahr 2024

In Iowa steht kommende Woche die erste Vorwahl der Republikaner an. Wer Präsidentschaftskandidat der Partei werden will, muss sich zuerst bei den internen Abstimmungen in den einzelnen Bundesstaaten durchsetzen. Die eigentliche Präsidentenwahl ist Anfang November. In Umfragen liegt Trump im schrumpfenden Bewerberfeld der Republikaner trotz aller Skandale und juristischen Probleme mit großem Abstand vorne und rangiert allgemein fast 50 Prozentpunkte vor Haley und DeSantis. In den beiden ersten Vorwahlstaaten Iowa und New Hampshire ist der Abstand geringer, und es sieht vor allem für Haley besser aus. Sie und DeSantis kämpfen derzeit aber vorrangig um Platz zwei.

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Bei ihrem Duell auf der Fernsehbühne in Iowa verhedderten sich Haley und DeSantis in stetigen Attacken und Gegenattacken. Der Gouverneur von Florida warf seiner Parteikollegin vor, sie sei opportunistisch, habe in der Vergangenheit immer wieder ihre Positionen verändert und richte sich vor allem nach dem Belieben reicher Geldgeber. Gleich dreimal spottete der 45-Jährige, das Land brauche keine „blassen Pastelltöne“, sondern einen Kurs der klaren Kante. Haley ist die einzige Frau unter den republikanischen Präsidentschaftsanwärtern und trug bei der Debatte ein pastellfarbenes Kleid.

Die frühere Gouverneurin des Bundesstaates South Carolina wiederum bezeichnete DeSantis durchgehend als Lügner, verwies ein ums andere Mal auf eine Webseite ihrer Wahlkampagne, in der dessen Unwahrheiten aufgelistet seien. Haley stichelte, DeSantis sei nur neidisch, dass sich Spender von ihm abgewandt hätten und nun sie unterstützten. „Du bist so verzweifelt“, warf sie ihm entgegen.

fmg/dpa