Berlin. Der schiefe Garisenda-Turm bereitet Bologna Sorgen. Neue Risse wurden entdeckt – die Stadt greift zu drastischen Maßnahmen.

Erst waren es Risse im Mauerwerk, dann Schwankungen – die norditalienische Großstadt Bologna sorgt sich um eines ihrer Wahrzeichen: Der berühmte Garisenda-Turm steht auffällig schief und droht einzustürzen. Experten, die den Turm und seine Bewegungen seit Jahren beobachten, sprechen in einem vorläufigen wissenschaftlichen Bericht an den Bürgermeister von der „höchsten Alarmstufe“.

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Echte Sehenswürdigkeiten: Die Türme von Bologna

Die mittelalterlichen Geschlechtertürme sind das Wahrzeichen der Stadt Bologna. Im 12. und 13. Jahrhundert von einflussreichen und wohlhabenden Familien erbaut, wurden die Türme im Laufe des 13. Jahrhunderts immer wieder geschliffen, abgetragen oder abgesenkt – andere stürzten ganz ein.

Von den zahlreichen Türmen, die einst die Stadt Bologna zierten, sind heute nur noch etwa 20 erhalten. Darunter befinden sich auch die beiden berühmten schiefen Türme Garisenda und Asinelli. Sie stehen auf der zentralen Piazza di Porta Ravegnana und prägen das Stadtbild der norditalienischen Stadt.

Zwillingstürme Garisenda und Asinelli auffällig schief

Die beiden Türme Torre della Garisenda und Torre degli Asinelli waren ursprünglich etwa gleich hoch. Durch zahlreiche Blitzeinschläge wurde der größere Turm Asinelli stark beschädigt. Auch der kleinere Garisenda musste im 14. Jahrhundert wegen erster Baumängel abgesenkt werden.

Heute ist der Torre della Garisenda wesentlich schiefer als sein höherer Nachbar: Er ist 48 Meter hoch und hat einen Überhang von 3,20 Metern. Nach seiner Fertigstellung war er noch rund 60 Meter hoch. Als Gründe für die Schieflage des Turms nennen Experten das Fundament und die Grundwasserabsenkung.

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Experte warnt: Große Einsturzgefahr für den Turm von Bologna

In Bologna überwacht seit 2018 ein wissenschaftlich-technisches Komitee die beiden schiefen Türme. Bereits im Oktober stellten die Experten ungewöhnliche Schwankungen fest und sicherten den Platz um die beiden Türme wegen der Besucher. Nach Angaben der Stadt wird der Platz für mehrere Jahre gesperrt bleiben.

Auch Busse werden umgeleitet, da befürchtet wird, dass die Erschütterungen der Straße die Risse vertiefen könnten. Angesichts der neu entdeckten Risse soll nun geprüft werden, wie die Faktoren, die zu Rissen führen, reduziert werden können. Als Maßnahme wurde bereits eine Eisenkonstruktion um das Mauerwerk befestigt.

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Die Experten des eigens für den Garisenda-Turm einberufenen Komitees sehen weiteren Handlungsbedarf. Die Gefahr sei groß, aber auch unvorhersehbar, sagte der Architekt Amedeo Bellini der Zeitung „La Repubblica“. „Wir können nicht sagen, ob dem Turm nichts passieren wird oder ob es einen teilweisen oder plötzlichen Einsturz geben wird.“ Die Stadt müsse so schnell wie möglich Sicherungsmaßnahmen ergreifen.

(mit dpa)