Katastrophenfall

Hartz IV und Rente: Kosten für Notvorrat sorgen für Probleme

| Lesedauer: 5 Minuten
Rebecca Baden
Arbeitslosigkeit und Hartz IV: Das ändert sich 2022

Arbeitslosigkeit und Hartz IV: Das ändert sich 2022

Das neue Jahr steht vor der Tür und bringt einige Veränderungen mit sich. Vor allem Hartz-IV-Bezieher können davon profitieren.

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Das Bundesamt für Katastrophenschutz empfiehlt in einer Liste Produkte für einen Notvorrat. Kann sich die Vorbereitung jeder leisten?

Berlin. In den letzten Jahren nahmen in Deutschland Situationen zu, in denen Lebensmittel knapp wurden oder Menschen ihr Haus für längere Zeit nicht verlassen konnten. Dazu zählten nicht zuletzt die Corona-Pandemie oder die Flutkatastrophe im Westen des Landes. Auch durch den Ukraine-Krieg befürchten viele, dass sich die Situation ausweitet, und möchten sich vorbereiten. Doch wie teuer ist es, einen Notvorrat anzulegen?

Am ersten Mai-Wochenende empfahl Bundesinnenministerin Nancy Faeser den Bürgern und Bürgerinnen, sich angesichts des Kriegs einen Notvorrat anzulegen. Es sei "auf jeden Fall sinnvoll", einen solchen zuhause zu haben, so die SPD-Politikerin.

Für die Planung eines Vorrats sollte man sich an den Vorschlägen der Behörden orientieren. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) hat schon zu Anfang der Pandemie einen Ratgeber herausgegeben, wie die Bevölkerung in einer Notsituation handeln und sich versorgen soll.

Hier finden Sie die Checkliste des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe.

Notvorrat: Behörde stellt komplette Liste zur Verfügung

Im Falle eines Stromausfalls, Sturms oder einer Hochwasser-Katastrophe könne es schwierig sein, an Lebensmittel zu kommen, erklärt das Bundesamt für Katastrophenschutz. Es empfiehlt daher anhand einer Checkliste Lebensmittel, Medikamente und andere Produkte, die jeder Haushalt als Notvorrat zuhause lagern sollte. Dazu gehören auch allgemeine Utensilien wie Fieberthermometer oder wichtige Dokumente.

Besonders der Lebensmittelvorrat sollte für zehn Tage reichen, so das BBK. Die Checkliste ist für eine Person konzipiert. Die Mengenangaben erweitert sich je nach Haushaltszusammensetzung. Allerdings bedeutet es auch einen finanziellen Aufwand, sich einen solchen Notvorrat anzulegen.

Besonders für Hartz IV-Empfängerinnen und Rentner kann das eine Herausforderung sein. In dieser Übersicht erfahren Sie, mit wieviel Geld Sie bei der Zusammenstellung ihres Notvorrats rechnen können.

Stromausfall: Vorsorge mit Not-Ausrüstung // IMTEST
Stromausfall: Vorsorge mit Not-Ausrüstung // IMTEST

Notvorrat: Das kostet die Lebensmittel aus der Notfall-Liste

In der Liste für den Notvorrat kommen zahlreiche Lebensmittel zusammen. Es geht dabei aber nicht darum, Lebensmittel zu hamstern: Leben mehr als eine Person in Ihrem Haushalt, können Sie mit dem Vorratskalkulator der Bundesregierung errechnen, wie viele Vorräte Sie genau benötigen. Dort können Sie auch einstellen, für wie viele Tage die Vorräte reichen sollen.

Für zehn Tage ergeben sich bei einer Person, einer Wasserzufuhr von zwei Litern und einer Kalorienzufuhr von 2.200 Kalorien pro Tag ungefähr folgender Preis, wenn Sie beim Discounter einkaufen und auf die Eigenmarken zurückgreifen:

  • 20 Liter Wasser: 7 Euro, Pfand inklusive
  • 3,5 Kilo Getreideprodukte (Nudeln, Reis, Brot) oder Kartoffeln: 5,35 Euro bei drei Packungen Nudeln und zwei Packungen Reis
  • 4 Kilo Gemüse und Hülsenfrüchte (in Konserven): 10,50 Euro bei sechs unterschiedlichen Sorten
  • 2,5 Kilo Obst und Nüsse (in Konserven): 13,53 Euro bei zwei Packungen Nüssen und mehreren Obstkonserven
  • 2,6 Kilo Milch und Milchprodukte: 3,15 Euro für drei haltbare Milchkartons
  • 1,5 Kilo Fisch, Fleisch, Volleipulver: 11,55 Euro für diverse Fisch- und Wurstkonserven
  • 0,357 Kilo Öle und Fette: 1,79 Euro

Notvorrat: Produkte sollen auch ohne Strom essbar sein

Insgesamt kostet der Notvorrat bei Discountern wie Aldi, Lidl und Co. bei aktueller Preislage je nach persönlichen Vorlieben etwa 52,87 Euro. Dazu empfiehlt die Bundesregierung außerdem sonstige Produkte nach Ihrem Belieben: Kekse, Salzstangen, Chips oder Fertiggerichte wie Dosenravioli.

Manche der Produkte aus der Liste sind allerdings nicht bei Discountern erhältlich, etwa das Volleipulver. Die Bundesregierung empfiehlt es, weil es länger haltbar ist als frische Eier. Ein Kilo Volleipulver kostet in unterschiedlichen Online-Shops zwischen 12 und 30 Euro.

Außerdem müssen Sie beachten, dass einige der Produkte Wasser in der Vorbereitung benötigen, etwa Nudeln, Reis zum Kochen oder Hülsenfrüchte zum Einweichen. Außerdem können Sie bei einem Stromausfall nicht kochen, falls Sie keinen Campingkocher oder ähnliches besitzen.

Notvorrat für Hartz IV-Empfänger und Rentnerinnen bezahlbar?

Für ärmere Bevölkerungsgruppen sind ungeplante Anschaffungen wie ein Notvorrat nicht immer einfach zu bewältigen. Eine alleinstehende erwachsene Person bekommt 449 Euro Hartz IV – der umgangssprachliche Name für Arbeitslosengeld 2 – im Monat. Hier sehen Sie eine Tabelle mit dem aktuellen Hartz IV-Regelsatz 2022

In Deutschland sind zudem viele Rentnerinnen und Rentner von Armut bedroht. Auch für sie ist die Anschaffung eines Notfallvorrats möglicherweise mit finanziellen Schwierigkeiten verbunden. Es empfiehlt sich daher, den Vorrat aus der Regierungsliste nach und nach anzuschaffen.

Notvorrat: Bundesamt gibt Spartipps beim Anlegen

Auch das Bundesamt für Katastrophenschutz scheint die Finanzierung mitgedacht zu haben. So empfiehlt das BBK, den Notvorrat nicht innerhalb eines Einkaufs vorzubereiten, sondern in mehreren Etappen anzulegen.

Käufer und Käuferinnen können so auf Sonderangebote achten oder beim normalen Einkauf regelmäßig eine zusätzliche Packung eines Produkts kaufen. Neben dem eigenen Notvorrat sollen Bürger und Bürgerinnen auch andere Lebewesen in ihrem Haushalt bedenken – etwa die Haustiere, die ebenfalls versorgt werden müssen.

Personen unterschiedlicher Altersgruppen haben zudem einen unterschiedlichen Flüssigkeitsbedarf: So benötigen Menschen über 65 in der Regel mehr Wasser als Kinder unter zwölf Jahren.

Dieser Artikel erschien zuerst auf waz.de.

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