Ruhestand

Rente für Ost oder West? Dieser Unterschied ist zu beachten

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Was ist die Rentenlücke

Was ist die Rentenlücke

Die meisten Menschen werden im Alter zu wenig Rente bekommen. Das Video erklärt, wie man die eigene Rentenlücke ausrechnet.

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Für die Rente wird mit Werten für Ost- und für Westdeutschland gerechnet. Lesen Sie hier, warum das so ist und was für Sie zutrifft.

Berlin. Die Rentenerhöhung für 2022 fällt in den neuen Bundesländern mit voraussichtlich 6,12 Prozent höher aus als in den alten Bundesländern mit 5,35 Prozent. Generell gibt es für die Berechnung der Rente viele Werte, die in Ostdeutschland und Westdeutschland unterschiedlich sind. Warum das so ist, bis wann das so bleibt und was für Sie persönlich gilt, klärt unsere Übersicht.

Rente: Warum gibt es unterschiedliche Werte für Ost und West?

Das hat mit den unterschiedlichen hohen Durchschnittsgehältern in den alten und neuen Bundesländern nach der Wiedervereinigung zu tun. Die Durchschnittsgehälter bestimmten maßgeblich, wie viel Rente man am Ende des Arbeitslebens bekommt.

Die Durchschnittsgehälter in der DDR waren aufgrund des politischen Systems und der damit zusammenhängenden Misswirtschaft deutlich niedriger als in der Bundesrepublik. Auch das Rentenniveau lag im Osten ursprünglich bei nur 40 Prozent des Westniveaus. Hätte man die DDR-Alterssicherung nach der Wiedervereinigung ohne Anpassung in das westdeutsche Rentensystem überführt, wäre die Altersarmut in Ostdeutschland gravierend.

Deshalb wurde mit dem Renten-Überleitungsgesetz 1992 ein Ausgleich beschlossen. Seitdem werden die in den neuen Bundesländern niedriger angesetzten Rechnungswerte wie der Rentenwert und die Beitragsbemessungsgrenze schrittweise auf Westniveau angehoben. Außerdem werden die niedrigeren Löhne in den neuen Bundesländern rechnerisch ausgeglichen. Bei gleichem Lohn und gleicher Höhe der Beiträge erhalten Angestellte im Osten einen um gut vier Prozent höheren Rentenanspruch als Angestellte im Westen, informiert die Rentenversicherung.

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Rente in Deutschland - Mit diesen Werten rechnet die Rentenversicherung 2022

  Monat (West) Ost
Bezugsgröße 3.290 Euro (Monat) 3.150 Euro (Monat)
Durchschnittsentgelt 2022 (vorläufig) 3.242 Euro (Monat) 3.111 Euro (Monat)
Rentenwerkt aktuell (von 01.07.21 bis 01.07.22) 34,19 Euro 33,47 Euro
Rentenwert Prognose (von 01.07.2022 - 01.07.2023) 36,02 Euro 35,52 Euro
Beitragssatz 18,6 Prozent 18,6 Prozent
Beitragsbemessungsgrenze 7.050 Euro (Monat) 6.750 Euro (Monat)

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Rente: Für wen gelten die Ost- oder Westwerte

Entscheidend ist nicht der eigene Wohnort, sondern der Standort des Arbeitsplatzes. Leben Sie beispielsweise in Hessen, pendeln zur Arbeit aber nach Thüringen, gelten für Sie die Ostwerte. Aus Sicht der Rentenversicherung gehört übrigens auch Ost-Berlin zu den neuen Bundesländern, was für eine Besonderheit sorgt. Denn der Durchschnittslohn in Berlin liegt regelmäßig unter den besten fünf der Bundesländer. Weil aber in Ost-Berlin mit den niedrigeren Ostwerten gerechnet wird, ergeben sich aus dieser Kombination heraus vergleichsweise hohe Rentenansprüche. Daher sind die Ostberliner Renten aktuell die höchsten des Landes.

Die über Ihren Lohn erarbeiteten Entgeltpunkte auf dem Rentenkonto wechseln mit dem Arbeitsstandort auch ihre Zuteilung in Ost oder West. Diese Aufteilung bleibt auch im Ruhestand bestehen und hat Auswirkungen auf eventuelle Rentenerhöhungen.

Vereinfachte Beispielrechnung

  • Eine Bäckerin aus Essen ist 2021 in Rente gegangen
  • Ihre Berufsanfänge hat die Bäckerin in Erfurt gemacht und dort rund 7 Entgeltpunkte erworben
  • Aus ihrer Zeit in Essen sind 30 Entgeltpunkte zusätzlich auf das Rentenkonto gewandert
  • Ihre reguläre Altersrente betrug demnach 1259,99 Euro (30 x 34,19 Euro Rentenwert West + 7 x 33,47 Euro Rentenwert Ost )
  • Die prognostizierte Steigerung des Rentenwerts 2022 würde demnach aufgeteilt eine Erhöhung der Rente auf 1329,24 Euro bedeuten (30 x 36,02 Euro Rentenwert West + 7 x 35,52 Euro Rentenwert Ost)

Rente: Wo sehe ich, ob ich Entgeltpunkte Ost- oder West habe?

Dabei hilft der Blick in den persönlichen Rentenbescheid oder die Renteninformation. Darin sind auch die Anzahl beziehungsweise der Gesamtwert der bisher gesammelten Entgeltpunkte aufgelistet. Wenn dort nicht explizit vermerkt ist, dass es sich um "Entgeltpunkte (Ost)" handelt, sind es logischerweise Entgeltpunkte West.

Rente: Bei Kindererziehungszeiten ist der Wohnort entscheidend

Im deutschen Rentensystem können nicht nur über das Gehalt Entgeltpunkte gesammelt werden, sondern auch über die sogenannten Kindererziehungszeiten. Dabei handelt es sich um die ersten drei Jahre eines Kindes, die sich ein Elternteil bei der Rentenversicherung anrechnen lassen kann. Das bringt je nach Geburtsjahr des Kindes zwischen 2,5 und 3 Entgeltpunkte.

Ob es sich dabei um Entgeltpunkte West oder Ost handelt, wird über den Wohnort des erziehenden Elternteils festgelegt. Der Geburtsort des Kindes ist unerheblich.

Rente: Ab 2025 ist Schluss mit Unterscheidung zwischen Ost und West

Die Anpassungen der Rente zwischen Ost und West finden bis 2025 ein Ende. Das regelt das Gesetz über den Abschluss der Rentenüberleitung, welches 2017 verabschiedet wurde. Bis zum 1. Juli 2024 soll der Rentenwert Ost dann genauso hoch liegen wie der Rentenwert West. Je nach Lohnentwicklung in den neuen Bundesländern kann das auch früher passieren.

Ab dem 1. Januar werden ab diesem Datum erhaltene Löhne in den neuen Bundesländern dann nicht mehr auf Westniveau hochgewertet. Ebenfalls ab dem 1. Januar gilt dann auch eine in ganz Deutschland einheitliche Beitragsbemessungsgrenze. (jasc)

Dieser Artikel erschien zuerst auf waz.de.

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