Kommentar

Ministerposten der Ampel-Koalition: Wie wär’s mit Kompetenz?

Jörg Quoos
Die Chefs der Ampel-Parteien: Olaf Scholz (SPD, vorne rechts), Christian Lindner FDP, links), Annalena Baerbock und Robert Habeck (beide Grüne, Mitte und hinten rechts).

Die Chefs der Ampel-Parteien: Olaf Scholz (SPD, vorne rechts), Christian Lindner FDP, links), Annalena Baerbock und Robert Habeck (beide Grüne, Mitte und hinten rechts).

Foto: Kay Nietfeld / dpa

Bei der Ämter-Vergabe der Ampel-Koalition geht es zu oft um Regionalproporz, Geschlecht, Flügelzugehörigkeit - und nicht um Kompetenz.

Berlin. Haben Sie folgenden Satz schon einmal gehört? „Es geht hier nicht um Personen, sondern um die Sache.“

Richtig. Diesen Satz sagen Politiker, meist leicht genervt, vor Wahlen in Interviews, wenn es um die naheliegende Frage nach den besten Köpfen geht. Nach einer Wahl hat dieser Satz keine Gültigkeit mehr. Es wird um Ämter geschachert und mit Namen jongliert, dass dem Wahlvolk ganz schwindelig wird.

Die Ampel liefert besonders krasse Beispiele

Alle „Sachfragen“ sind vergessen, und es geht plötzlich um Regionalproporz, Geschlecht, Flügelzugehörigkeit, Wessi/Ossi oder vielleicht nur um die Frage, wer wen nicht ausstehen kann. Das ist kein neues Phänomen der Ampel, aber sie liefert besonders krasse Beispiele.

SPD-Mann Karl Lauterbach, ein Epidemiologe mit Harvard-Abschluss, darf offenbar nicht Gesundheitsminister werden, weil er keine Frau und in Teilen der SPD unbeliebt ist.

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Hemmungsloses Geschacher

Der promovierte Biologe und Pflanzenforscher Anton Hofreiter darf nicht neuer Landwirtschaftsminister werden, weil auch der Außenpolitik-Experte Cem Özdemir, ein Vertreter der „Realos“, mit einem Ministerium bedacht werden muss.

Im Auswärtigen Amt, wo Özdemir perfekt hineingepasst hätte, ist kein Platz, weil Parteichefin Annalena Baerbock standesgemäß versorgt werden muss. Und die profilierte Sozialpolitikerin Katrin Göring-Eckardt (Vorteile „Frau“ und „Osten“) fällt durch, weil der Nachteil (noch ein „Realo“) schwerer wiegt.

Die Politik darf sich nicht wundern, wenn Wählerinnen und Wähler bei diesem hemmungslosen Geschacher nur noch den Kopf schütteln können. Sie wollen schlicht Kompetenz an der richtigen Stelle. Wäre doch mal eine gute Idee vielleicht für das nächste Kabinett.

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