Washington

Trump jagt „Verräter“ im Weißen Haus

Regierungsangestellter bekennt sich anonym als Saboteur der Politik des US-Präsidenten

Washington. Die zeitliche Nähe fiel auf. Kaum hatte Donald Trump das neue Enthüllungsbuch von Watergate-Legende Bob Woodward über das von „Chaos“ und „Intrigen“ gebeutelte Weiße Haus als „pure Fiktion“ abgekanzelt, da wurde in der „New York Times“ spektakulärer Widerspruch laut. In einem anonymen Meinungsbeitrag hat ein hoher Regierungsangestellter beschrieben, wie in der Administration ein „amoralischer“ Präsident sabotiert wird, um Schaden von Amerika ab­zuwenden. „Viele der führenden Offiziellen“ arbeiteten „fleißig von innen daran“, Teile der Trump’schen Agenda „und seine schlimmsten Neigungen zu entschärfen“, schrieb der Autor. „Ich weiß das, denn ich bin einer von ihnen.“

Trump reagierte mit „vulkanischer Wut“ („Washington Post“). Er warf seiner Heimatzeitung die Begünstigung von „Hochverrat“ vor und verlangte die „Auslieferung“ des Autoren „an die Regierung“, falls dieser „wirklich existiert“. Sofort setzte im Weißen Haus die Jagd nach dem Urheber ein. Weil das Wort „Leitstern“ in der Philippika vorkommt, geriet Vizepräsident Mike Pence unter Verdacht – er hatte den Terminus oft benutzt. Auch Außenminister Mike Pompeo und Geheimdienstkoordinator Dan Coats wurden als Urheber gehandelt. Sie ließen vehement dementieren.

Für sich und seine Mitstreiter nimmt der Anonymus in Anspruch, die „demokratischen Institutionen zu schützen“. Es gehe darum, den von „irregeleiteten Impulsen“ gesteuerten Präsidenten zu neutralisieren – bis er nicht mehr im Amt ist. Trump sei „unüberlegt, konfliktsüchtig, kleinkariert und ineffektiv“. Sein Charakter bringe „halbgare, schlecht informierte und zuweilen rücksichtslose Entscheidungen“ hervor, die später mit hohem Aufwand eingefangen werden müssten. Trumps Wesen schade der „Gesundheit der Republik“. Darum versuchten die „Erwachsenen im Raum“ zu tun, „was richtig ist, auch wenn der Präsident dem entgegensteht“. 2017 habe man im Kabinett erwogen, Trump für amtsunfähig zu erklären und nach dem 25. Verfassungszusatz abzulösen. Aus Sorge vor einer „Verfassungskrise“ habe man aber darauf verzichtet.

Die Aussicht auf eine mögliche Palastrevolution hat Trump allerdings noch trotziger gemacht. „Ich trockne den Sumpf aus, und der Sumpf versucht, sich zu wehren“, schrieb er auf Twitter. „Keine Angst, wir werden gewinnen!“