Hong Kong

Showdown der Unberechenbaren

Hong Kong.  Großes Spektakel auf dem internationalen Flughafen von Singapur: Gegen Mittag Ortszeit drängen mehrere Dutzend Schaulustige auf die große Aussichtsplattform des Terminals. Sie haben eine IL 62 landen sehen, eine Maschine russischer Bauart, wie man sie hier nur sehr selten zu Gesicht bekommt. Am Heck prangt das Zeichen von Air Koryo – der nordkoreanischen Fluggesellschaft.

Doch die Schaulustigen werden enttäuscht. Von Bord geht nicht Kim Jong-un­. Stattdessen werden Kisten abgeladen, offenbar Lebensmittel und andere Dinge, die der nordkoreanische Machthaber für den Gipfel mit US-Präsident Donald Trump in den nächsten Tagen benötigt. Kim landete bereits kurz vorher mit einer Boeing 747, die ihm Air China zur Verfügung gestellt hat. Eine chinesische Maschine aus US-amerikanischer Herstellung schien dem Diktator offensichtlich sicherer als ein Flugzeug aus eigenem Bestand.

Zwei Tage vor dem erstmaligen Gipfel zwischen einem nordkoreanischen Machthaber und einem amtierenden US-Präsidenten herrscht in Singapur der Ausnahmezustand. Der Stadtstaat mit seinen 5,5 Millionen Einwohnern hat für die nächsten Tage mehrere Tausend Polizisten und Soldaten abgestellt. Sie sollen die Sicherheit der Staatschefs gewährleisten.

Motorradfahrer und mehrere gepanzerte Wagen eskortierten die schwere Limousine mit Kim an Bord zunächst bis zum Stadtzentrum. Bei Ankunft an dem Hotel waren dann Leibwächter in schwarzen Anzügen zu sehen, die Kims Wagen im Laufschritt umringten und finstere Blicke in alle Richtungen warfen. Sie hatten bereits beim Gipfel zwischen Kim und Südkoreas Präsident Moon Jae-in im April Berühmtheit erlangt. Trump landete mit der Air Force One auf dem Luftwaffenstützpunkt Paya Lebar. Beide werden sich am Montag getrennt voneinander zunächst mit dem Gastgeber treffen, Singapurs Präsident Lee Hsien Loong.

Im Streit um Nordkoreas Atomprogramm könnte es an diesem Dienstag erstmals seit Jahrzehnten zu einer Annäherung zwischen Nordkorea und seinem Erzfeind, den USA, kommen. Washington fordert von Pjöngjang die komplette Aufgabe aller Atomwaffen. Das Kim-Regime will eine Sicherheitsgarantie – und sich die Aufgabe seines Atomprogramms mit der Aufhebung der Sanktionen und mit Wirtschaftshilfe entlohnen lassen.

Kim hat durchaus schon Zugeständnisse gemacht und als Zeichen seines guten Willens US-Geiseln freigelassen. Auch Teile des nordkoreanischen Atomtestgeländes ließ er sprengen. Doch schon sein Vater und Vorgänger hatte den Willen zur Abrüstung beteuert und dann trotzdem weiter an der Atombombe bauen lassen.

Die beiden Delegationen wohnen in Hotels, die nur wenige Hundert Meter voneinander getrennt sind, Trump im noblen Shangri La, Kim im nicht minder edlen St. Regis. Der Gipfel selbst findet in dem Luxushotel Capella auf Singapurs vorgelagerter Freizeitinsel Sentosa statt.

Sogenannte Gurkhas sollen die Unterkünfte der beiden Streithähne bewachen. Dabei handelt es sich um Elitetruppen aus Nepal, die mit Krummdolchen und Schnellfeuerwaffen schon in der britischen Kolonialzeit für Ruhe und Ordnung sorgten. Ihnen wird nachgesagt, schon der bloße Anblick sei Respekt einflößend. Vielleicht wirkt das auch disziplinierend auf Trump und Kim.