Brüssel

Journalistenmord – EU schickt Team in die Slowakei

Europaparlament will Aufklärung und Debatte über Tod des Enthüllungsreporters

Brüssel. Das Europaparlament will nach dem Doppelmord an einem Enthüllungsjournalisten und seiner Verlobten in der Slowakei ein Untersuchungsteam entsenden. EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani kündigte am Donnerstag in Brüssel an, dafür einen Beschluss vorzubereiten. Der CSU-Abgeordnete Manfred Weber hatte zuvor als Vorsitzender der christdemokratischen EVP-Fraktion einen entsprechenden Antrag gestellt.

Weber begründete dies damit, dass die Morde nach jüngsten Berichten auch mit der Veruntreuung von EU-Geldern in Zusammenhang stehen könnten. „Das Europäische Parlament muss die treibende Kraft sein, um Licht ins Dunkel der Vorfälle in der Slowakei zu bringen“, sagte er. Unterstützung bekam Weber unter anderem von dem Grünen-Abgeordneten Sven Giegold. „Journalisten müssen das Recht haben, frei zu arbeiten, auch wenn sie zu Korruptions- und Steuerfällen recherchieren“, kommentierte er im Parlament. Außerdem will das EU-Parlament in zwei Wochen über den Fall und die Medienfreiheit in der Slowakei debattieren.

Der 27-jährige Investigativjournalist Kuciak und seine Lebensgefährtin waren nach Polizeiangaben am 25. Februar tot in ihrem Haus in Velkej Maci in der Westslowakei aufgefunden worden. Sie waren durch Schüsse in Kopf und Brust getötet worden. Kuciak war seit 2015 Redakteur des Newsportals „aktuality.sk“, das zu Ringier Axel Springer Slovakia gehört. Kuciak hatte über den Filz von Politik und Geschäftemacherei recherchiert und war dabei auf mögliche Verbindungen italienischer Mafia-Clans zu slowakischen Politikern gestoßen. Seine unvollendete letzte Reportage dazu wurde nach seinem Tod in mehreren slowakischen Medien und auch in deutscher Übersetzung in der „Welt“ veröffentlicht.