Washington

Hope Hicks hat für Trump gelogen – und geht

Der Abgang seiner wichtigsten Beraterin trifft US-Präsidenten zum ungünstigsten Zeitpunkt

Washington. Man täte Hope Hicks Unrecht, wenn man ihre Rolle im Weißen Haus auf den Titel „Kommunikationsdirektorin“ reduzieren würde. Das Ex-Model (29) war Sorgentelefon, Psychoanalytikerin, Motivationstrainerin, Bollwerk gegen die „Fake News“-Medien, engste Vertraute und mit Abstand einflussreichste Dompteurin im Zirkus Donald Trump. Einem Mann, dem sie bedingungslos loyal gegenüber auftrat. Bis zum Eingeständnis, für ihn „Notlügen“ zu erfinden.

Dass sie nun das Weite sucht, zermürbt durch den 24-Stunden-7-Tage-die-Woche-Stress und eingeschüchtert von den immer näher kommenden Russland-Ermittlungen von Robert Mueller, ist für Trump der bisher mit Abstand herbste Verlust. Unter den mehr als 20 Top-Beratern, die der Präsident in Rekordzeit verschlissen oder gefeuert hat, war Hicks der Blitzableiter in allen Lagen. Er behandelte die aus einer gediegenen Neuengland-Familie stammende Frau wie seine leiblichen Kinder. Mit Hicks’ Abgang steht Trumps Regierungsstil auf der Kippe. Er führt das Land wie einst sein Familienunternehmen und vertraut nur eigen Fleisch und Blut.

Seit Monaten mobbt Trump seinen Justizminister

Langjährige Wegbegleiter wie Bodyguard Keith Schiller sind bereits ausgeschieden. Ob sich Schwiegersohn Jared Kushner, der nach dem Abriss der Schulterklappen durch die Geheimdienste de facto als Risiko für die nationale Sicherheit gilt, von seiner Degradierung erholt, ist zweifelhaft. Geht er, geht auch Ehefrau Ivanka, Trumps älteste Tochter, für deren Modeprodukte Hope Hicks einst die PR machte. Mit ihrem Rücktritt ist die letzte Schlüsselfigur verschwunden, auf die Trump blind zählen konnte. Ab sofort ist der Präsident, der nichts so sehr einfordert wie Bestätigung und Toleranz für rasante Meinungswechsel, Leuten ausgeliefert, denen er nicht über den Weg traut. Allen voran Stabschef John Kelly. Trump sucht nach Insider-Berichten nach einem Ersatz für den General, dessen Management er als anmaßende Einengung empfindet.

Dazu kommt Trumps Hang zum zerstörerischen Nachtreten. Seit Monaten mobbt der Präsident via Twitter seinen Justizminister, von dem er sich in der Russland-Affäre in den Regen gestellt sieht. Jeff Sessions, von Trump intern verächtlich nach einer Cartoon-Figur „Mr. Magoo“ genannt, macht aber keine Anstalten zur Aufgabe. Wirft Trump ihn raus, kann es bei den Republikanern zur Rebellion kommen. Dann wäre jemand wie Hope Hicks Gold wert.