Bangkok

Mit Bargeld gegen die Todesspritze

Bangkok.  Erst entführten Vietnams Geheimdienstagenten den früheren Chef des Staatskonzerns Petrovietnam Construction, Trinh Xuan Thanh, am helllichten Tag im Berliner Tiergarten und verschleppten ihn nach Hanoi. Jetzt versucht die Familie, den 51-jährigen mit Bargeld vor dem Tod durch die Giftspritze zu retten. Trinh Xuan Thanhs Mutter zahlte vor Beginn des Schauprozesses nach der neuen Strafprozessordnung rund 88.000 US-Dollar an die Staatskasse des kommunistisch regierten Landes, um dem Entführungsopfer die Todesstrafe zu ersparen.

Der Griff in die Familienkasse folgte der Erkenntnis, dass alle Proteste gegen das Kidnapping keinen Einfluss auf den Ausgang des Prozesses haben werden. „Thanh hat seine Familie gebeten, freiwillig einen Teil des Geldes an den Staat zurückzugeben, das unterschlagen worden war“, hieß es in einer Stellungnahme der Rechtsanwälte. Der Satz deutet daraufhin, dass die Urteile im Schauprozess schon bei Verfahrensbeginn am Montag feststanden – und der Prozess kaum etwas mit einem transparenten Verfahren zu tun haben wird.

Die Bundesregierung in Berlin hatte nach der Verschleppung zwei Diplomaten Hanois aus dem Land gewiesen. Auch dürfte sich nicht zuletzt wegen des Menschenraubs und des Schauprozesses ein Freihandelsabkommen zwischen Vietnam und der EU verzögern. Vertreter des Auswärtigen Amts dürfen den Prozess beobachten, sitzen allerdings nicht direkt im Gerichtssaal, sondern in einem Nebenraum – vor dem Fernseher.

Politische Konsequenzen ließen Nguyen Phu Trong, Vietnams mächtigen Generalsekretär der regierenden Kommunistischer Partei, bisher kalt. Die Vorteile des Schauprozesses, bei dem mehr als 40 Verteidiger die Angeklagten vertreten, überwiegen. Der KP-Generalsekretär ordnete an, Thanh mit allen Mitteln auf die Anklagebank zu schaffen.

Nun ist der Angeklagte neben dem früheren Politbüro-Mitglied Dinh La Thang der dickste Fisch in einem Verfahren, mit dem die in Verruf geratene KP vor dem Untergang gerettet werden soll. Ihnen wird vorgeworfen, die Verantwortung für Verluste in Höhe von 5,5 Millionen US-Dollar beim Bau von zwei Thermalkraftwerken zu tragen. Die Angeklagten sollen sich illegal an Firmengeldern bereichert haben.