Washington

Stephen Bannon rechnet mit Donald Trump ab

Ehemaliger strategischer Chefberater kritisiert in einem Fernseh-Interview den US-Präsidenten für die Entlassung von FBI-Chef James Comey massiv

Washington.  Die Augen rot entzündet, die Haut blässlich krank, die manchmal im Sekundentakt mahlenden Kiefer, wenn ihm eine der vielen Fragen von Charlie Rose unter die ideologisch gegerbte Haut ging: Man kann sich seit Sonntagabend die vergiftete Atmosphäre, die im Weißen Haus geherrscht haben muss, als Stephen Bannon noch in Amt und Würden war, lebhaft vorstellen.

In seinem ersten Interview nach dem Rauswurf als strategischer Chefberater von Donald Trump (ausgerechnet mit dem Sender CBS, Vertreter der ihm verhassten liberalen Durchschnitts-Presse) hat der Chef des rechtspopulistischen Propagandaportals „Breitbart News“ demonstriert, was es bedeutet, wenn ein bekennender „Straßenkämpfer“ vorübergehend Regierungsmacht in die Hände bekommt.

In einem unbarmherzigen Rundumschlag gegen die Washingtoner Eliten warf der 63-Jährige, der seine Wut kaum verbergen konnte, den Republikanern vor, den Präsidenten der Vereinigten Staaten zu sabotieren. „Das republikanische Establishment versucht, die Wahl von 2016 für null und nichtig zu erklären“, sagte Bannon.

Trump sei für eine flächendeckende Korrektur der Obama-Politik gewählt worden. Mitch McConnell und Paul Ryan, die entscheidenden Figuren im Kongress, unternähmen jedoch alles, um diese Ziele zu torpedieren. Weder bei der Reform der Krankenversicherung noch bei der Überarbeitung der komplizierten Steuergesetze sei die Mehrheitspartei zeitlich im Plan. „Sie wollen nicht, dass Trumps populistische Agenda des ökonomischen Nationalismus umgesetzt wird.“

Ohne Trump zu erwähnen, geht der bis in rechtsextreme Kreise verehrte Populist mit seinem ehemaligen Chef punktuell hart ins Gericht. Der Rauswurf von FBI-Chef James Comey, den Trump für die Fortsetzung der Ermittlungen in der Russland-Affäre verantwortlich macht, sei wahrscheinlich der „größte Fehler in der modernen politischen Geschichte“ gewesen, sagte er. Trump habe sich mit einer „Institution“ angelegt – der Bundespolizei – und dabei ein Eigentor geschossen. Begründung: Ohne die Entlassung Comeys hätte Trump heute nicht Sonderermittler Robert Mueller an den Fersen, der seit Wochen jeden Stein in der Causa Russland dreimal umdreht. Eine Affäre, die für Bannon keine ist. Der Vorwurf, die Trump-Kampagne habe mit Kreml-nahen Gestalten vor der Präsidentschaftswahl 2016 kollaboriert, sei eine „totale Farce“, der Sache nachzugehen „Zeitverschwendung“.

Bannon hält sich wie Trump für einen „großartigen Boxer“, der „zurückschlagen“ kann. Trotz leiser Kritik an Trumps Twitter-Gewohnheiten („manchmal ist es nicht so gut“) sieht er sich als verlässlichen Prätorianer. Bis zum Ende seiner Amtszeit werde er Trumps „Wingman“ sein und dessen Feinde „zur Verantwortung ziehen“. In der US-Luftwaffe ist das der Titel für einen Piloten, der einen Kollegen, der unter Beschuss ist, unterstützt.

Was Bannon darunter versteht, raubt vielen Konservativen den Atem. Er lässt kritische Vergleiche vor allem mit der konservativen Vorvorgängerregierung unter George W. Bush schlicht nicht zu. Leute wie Condoleezza Rice und Colin Powell hätten Amerika in das Debakel in Afghanistan und im Irak geführt. „Ich verachte diese Leute total. Sie sind Idioten.“