Washington

Die Angst vor einem Korea-Krieg wächst

Alle Versuche, den US-Präsidenten zu bremsen, wirken bisher nicht. Trump legt im verbalen Schlagabtausch nach

Washington. Immer neue Drohungen zwischen US-Präsident Donald Trump und der Führung Nordkoreas schüren die Angst vor Ausbruch eines Kriegs. Politiker weltweit riefen am Wochenende zur Mäßigung auf. Bundesaußenminister Sigmar Gabriel warnte vor einer „Spirale der Gewalt“, sollten die USA und Südkorea sich bei ihrem geplanten gemeinsamen Militärmanöver nicht zurückhalten. Gleichzeitig kritisierte er Trumps wiederholte Drohungen mit militärischer Gewalt als verantwortungslos. Chinas Präsident Xi Jinping appellierte an Trump in einem Telefonat, „Worte und Handlungen zu vermeiden, die die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel verschärfen“. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron mahnte wie zuvor Bundeskanzlerin Angela Merkel und Russlands Außenminister Sergej Lawrow eine diplomatische Lösung an.

Trump sagte, niemand „liebt eine friedliche Lösung mehr“ als er selbst. Gleichzeitig legte er aber im verbalen Schlagabtausch mit Nordkorea nach. Auf Twitter erklärte er, militärische Lösungen seien vorbereitet, „geladen und entsichert“. Das Verteidigungsministerium in Washington betonte zudem, von Plänen für das alljährliche Militärmanöver mit Südkorea nicht abzurücken. Die Übung werde am 21. August beginnen. China und Russland hatten vorgeschlagen, dass die USA und Südkorea auf großangelegte Militärübungen vorerst verzichten. Nordkorea soll dafür Raketentests auf Eis legen.

Gabriel sagte dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“, die USA und Südkorea sollten ihr Manöver „so wenig provokativ wie möglich“ abhalten. Die Militärübung könne dazu führen, dass Nordkorea eine Mittelstreckenrakete auf die US-Pazifikinsel Guam abfeuert. Wenn sich immer mehr Atommächte waffenstarrend gegenüberstünden, „bedroht das dann nicht nur Südostasien, sondern die ganze Welt.“ Merkel hatte gewarnt, die Eskalation der Sprache werde nicht zu einer Lösung des Konflikts beitragen. Trump sagte dazu, Merkel sei eine Freundin. „Lasst sie für Deutschland sprechen.“

Chinas Präsident Xi sagte laut Staatsfernsehen in einem Telefonat mit Trump, es sei im Interesse seines Landes und der USA, dass der Frieden auf der koreanischen Halbinsel erhalten bleibe und diese ein Gebiet frei von Atomwaffen werde. Das Präsidialamt in Washington teilte mit, beide seien sich einig gewesen, dass Nordkorea mit seinem „provokativen und eskalierenden Verhalten“ aufhören müsse.

Seine Drohungen gegenüber Nordkorea bekräftigte der US-Präsident vor Reportern auf seinem Golf-Anwesen im Bundesstaat New Jersey. Sollte Kim „irgendetwas mit Blick auf Guam oder einen anderen Ort, der amerikanisches Territorium oder ein amerikanischer Verbündeter ist, unternehmen, wird er es wahrlich bereuen – und er wird es schnell bereuen“. Südkoreas Präsident Moon Jae In wird sich an diesem Montag mit US-Generalstabschef Joseph F. Dunford treffen, um über Verteidigungsmaßnahmen zu sprechen.