Stuttgart

Bosch könnte Teil des Auto-Kartells sein

Stuttgart.  Auch der Zulieferer Bosch soll sich Medienberichten zufolge an mutmaßlich illegalen Absprachen deutscher Autokonzerne beteiligt haben. Laut „Spiegel“ taucht der Name des Konzerns in einem Schriftsatz an das Bundeskartellamt auf, in dem Volkswagen Fälle von möglichen Wettbewerbsverstößen dokumentiert. Er soll den Autobauern geholfen haben, eine „Dosierstrategie“ für die Abgasreinigung bei Dieselfahrzeugen zu entwickeln.

Wie die „Bild am Sonntag“ unter Berufung auf interne Unterlagen berichtet, sollen die Autobauer in einer gemeinsamen Sitzung von Schwierigkeiten mit Ablagerungen der Harnstofflösung AdBlue und möglichen Lösungen berichtet haben. Sie seien zwar effektiv gewesen, aber mit hohem Aufwand verbunden. Bosch habe dann eine „kleinere Maßnahme zum Anlauf“ vorgeschlagen, von der aber noch unklar sei, ob sie womöglich die Reinigungswirkung verringere.

Bosch betonte, dass dazu keine Anfragen von deutschen oder europäischen Wettbewerbsbehörden vorlägen. „Da uns keine Details zu den untersuchten Sachverhalten bekannt sind, können wir uns auch nicht dazu äußern“, hieß es. Auch das Bundeskartellamt und die EU-Wettbewerbshüter in Brüssel äußerten sich nicht, ebenso BMW, VW und Daimler.

Die EU-Kommission prüft derzeit Informationen, wonach sich VW, BMW, Daimler, Audi und Porsche unter anderem in technischen Fragen und teilweise beim Einkauf abgesprochen haben sollen. Die Kartellwächter müssen jetzt entscheiden, ob diese Absprachen illegal waren. Laut „Spiegel“ hielt ein VW-Manager nach einem Treffen mit Vertretern von Daimler, BMW, Audi und Bosch im Oktober 2006 unter Bezug auf die AdBlue-Einspritzung fest: „Alle wollen eine Limitierung (...) wegen der begrenzten Größe der Harnstofftanks. Keiner will die wahre Motivation dieser Limitierung den Behörden (CARB, EPA) berichten.“ CARB und EPA sind US-Umweltbehörden.

Die „BamS“ zitiert aus einer E-Mail aus dem Jahr 2008 an damalige Audi-Manager. Darin heiße es, dass die Teilnehmer der Sitzung bestätigt hätten, „diese Thematik in keiner Form gegenüber den US-Behörden EPA und CARB zu erwähnen, um den Anlauf in den USA nicht zu gefährden“.

Die Entdeckung einer Abschalt-Software, die die Abgasreinigung im Normalbetrieb der Fahrzeuge stark reduziert, hatte in den USA den Diesel-Skandal bei Volkswagen ausgelöst. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt wegen des Verdachts der Beihilfe zum Betrug bei einer möglichen Manipulation der Abgasnachbehandlung an VW-Fahrzeugen auch gegen drei Bosch-Beschäftigte. Es geht um Führungskräfte mit Personalverantwortung – bis hinauf zum mittleren Management.

Bosch lieferte Volkswagen die Software, mit der der Wolfsburger Konzern die Abgaswerte von Dieselmodellen manipulierte. Im Zuge der Ermittlungen der US-Justiz war ein E-Mail-Verkehr zwischen Managern von VW und Bosch aufgetaucht, der eine engere Zusammenarbeit auch bei der Manipulation nahelegen könnte.

In den USA hatte sich Bosch durch einen Vergleich von der Bedrohung durch Klagen freigekauft. Bosch hatte in diesem Zusammenhang einen Vergleich mit US-Zivilklägern in Höhe von rund 304 Millionen Euro akzeptiert. Mit dem Geld sollen etwa 554.000 betroffene Besitzer von Dieselautos in den Vereinigten Staaten entschädigt werden. Im Gegensatz zu Volkswagen räumte Bosch aber kein eigenes Fehlverhalten ein, das blieb auch nach dem Vergleich in den USA so. Allerdings hatte der Zulieferer zuvor vorsorglich rund 750 Millionen Euro für rechtliche Risiken zurückgelegt. Strafrechtliche Ermittlungen in den USA laufen weiter.