Berlin

Kampf der grünen Männer

Erstes Schaulaufen vor der Urwahl: Wer wird Spitzenkandidat 2017?

Berlin.  Breitbeinig steht er da. Rotes Gesicht, lange blonde Haare, tiefe bayerische Stimme. „Verdammt noch mal“, ruft er. Er spricht über den Zusammenhalt in der EU, die offene Gesellschaft, die Industriekonzerne, den Verpackungsmüll und was sonst noch so die grüne Seele berührt. Er bekommt viel Beifall. Sehr viel. Mehr als die anderen Redner. Toni Hofreiter ist der Sieger des kleinen Parteitags. Aber was sagt das schon aus. Der Länderrat der Grünen, kleiner Parteitag genannt, ist eine Miniveranstaltung. 66 Delegierte sind am Sonnabend in das Umspannwerk am Alexanderplatz gekommen. Und bestimmen, wer bei der Bundestagswahl 2017 als Spitzenkandidat antritt, werden die Mitglieder. Mehr als 60.000 Menschen können an der Urwahl der Ökopartei teilnehmen. Im Januar wird es dann, nach vielen Rededuellen, ein Ergebnis geben. Zwei Politiker, mindestens eine Frau, so sieht es die grüne Machtarithmetik vor, werden bei der schwierigen Wahl 2017 an forderster Front stehen.

Fünf Grüne wollen Spitzenkandidat werden. Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt ist so gut wie gesetzt, da bei den Frauen sonst nur noch Sonja Karas, eine unbekannte Kandidatin aus Brandenburg, im Rennen ist. Spannender wird es bei den Männern. Drei grüne Schwergewichte treten an: Parteichef Cem Özdemir, Fraktionschef Anton Hofreiter und Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck. An diesem Sonnabend stehen sie zum ersten Mal hintereinander auf einer Bühne.

Cem Özdemir hat wohl die besten Chancen

Özdemir trägt Turnschuhe und beginnt seine Rede mit einer persönlichen Geschichte. Sein Sohn kommt heute in die Schule. „Bin noch immer verwirrt von der Schuleröffnung“, sagt er zwischendurch. Und er lässt keine Zweifel daran: Er will regieren, denn die Grünen seien „kein Selbstfindungskreis“.

Habeck mag es deftig, benutzt Ausdrücke wie „verdammte Hacke“. Er fordert: „Wir müssen wieder Bewegungspartei werden.“ Die Grünen sollten bei weit mehr als nur zehn Prozent liegen. Sein Rezept: „mehrheitsfähig, optimistisch, kampfeslustig“.

Özdemir hat wohl die besten Chancen. Er punktete mit der Armenien-Resolution im Bundestag, die seine Idee war. Seine türkischen Wurzeln machen ihn zu einem Beispiel für gelungene Integration. Hofreiter vom linken Parteiflügel wirkt bodenständig und authentisch. Seine Lieblingsthemen Ökologie und Landwirtschaft könnten viele Grüne dazu bewegen, für ihn zu stimmen. Habeck ist der unabhängige, kernige und unbekannte Rabauke aus dem Norden. Er hat Regierungserfahrung und betont gern, dass er nicht ewig Politiker sein möchte. Wer gewinnt, ist schwer einzuschätzen. Niemand weiß, wie die Basis tickt. Die Urwahl ist eine Wundertüte.