Washington

Ausländerfeind wird Trumps Wahlkampfchef

Washington. Der niederländische Rechtspopulist Geert Wilders wirkte verloren, als er Mitte Juli samt Leibwächter durch die Quicken Loans Arena in Cleveland im US-Bundesstaat Ohio spazierte. Fast keiner der Delegierten des verunglückten Krönungsparteitags für den republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump kannte Wilders. Die meisten US-Medien ignorierten den Politiker, der in Europa zu den größten Flammenwerfern der politischen Rechten zählt. Nur die rechts außen angesiedelte Nachrichtenwebsite „Breitbart News“ nicht.

Deren Chef Stephen Bannon gab Wilders Platz, um seine in Europa sattsam bekannte Brandrede gegen die multikulturelle Gesellschaft und den Islam auch in Amerika zu platzieren. Vorgestern legte der 62-jährige „Breitbart“-Mann das Mikrofon zur Seite. Bannon, gegenüber politisch Andersdenkenden ein Haudrauf, hat in der siechenden Präsidentschaftskampagne von Donald Trump das Ruder übernommen. Für die Republikaner-Führung um Paul Ryan ist damit rund 80 Tage vor der Wahl ein Alptraum wahr geworden. Der Sprecher des Repräsentantenhauses und mit ihm moderate Parteizirkel hofften bis zuletzt, dass Trump seinen in vier Wochen durch permanente Fehltritte verursachten Absturz in den Umfragen gegenüber der Rivalin Hillary Clinton durch Mäßigung beenden würde. Mit Bannons Berufung stehen nach Ansicht von Parteiinsidern die Zeichen „auf noch mehr Guerillakrieg, der Wählergruppen im moderaten Zentrum vergrätzen wird“.

Zu Beginn dieser Woche sagte Trump: „Ich bin, wer ich bin. Ich werde nicht einschwenken.“ Stephen Bannon, seit Langem im Hintergrund Stichwortgeber für die aggressiven Antimuslim- und Antieinwanderungstiraden des New Yorker Bauunternehmers, wird der Garant dafür sein. Bannon kam nach dem plötzlichen Tod von Gründer Andrew Breitbart 2012 an die Spitze des von Verschwörungstheoretikern und Washington-Hassern geschätzten Newsdienstes. Er setzte nicht nur der umstrittenen früheren Tea-Party-Ikone Sarah Palin ein filmisches Denkmal. Immer wieder werden auch Schwulen- und Abtreibungsfeinde sowie militante Gegner von Präsident Obama und den Demokraten auf der zuletzt von knapp 19 Millionen Besuchern angeklickten Internetseite fündig.

Zuletzt machte Stephen Bannon Schlagzeilen mit einem Buch, das die Clintons der Bestechlichkeit und Korruption beschuldigt – Spender an eine von Altpräsident Bill Clinton geführte Stiftung sollen diplomatische Vergünstigungen von der damaligen Außenministerin Hillary Clinton erhalten haben.

Der Neue stellt Trump in eine Reihe mit Farage und Le Pen

Seit Jahren wirbt der ehemalige Investmentbanker für die Gründung einer „wahren konservativen Partei“ in Amerika. Trump stellt er ideologisch in eine Reihe mit Extremisten wie Farage (England) und Le Pen (Frankreich). Er nennt sie „instinktive Nationalisten“. Leute, die sich der „Mutation der Globalisierung“ in den Weg stellten. Bannon glaubt wie Wilders, dass die Bewegung Bestand haben wird. Ganz gleich, wie die Wahl am 8. November ausgeht.