Berlin

Warum Merkel nur verhalten um das Ja der Briten wirbt

Berlin. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat an die Briten appelliert, an diesem Donnerstag gegen einen Austritt aus der Europäischen Union zu stimmen. „Ich wünsche mir, dass natürlich Großbritannien in der Europäischen Union verbleibt“, sagte Merkel am Mittwoch. Zugleich betonte sie erneut: „Aber es ist eine Entscheidung der Bürgerinnen und Bürger Großbritanniens.“

Was das Brexit-Referendum angeht, verfolgt Deutschland eine sehr britische Linie: „Keep calm and carry on.“ Zu Deutsch: „Ruhig bleiben und weitermachen.“ Die alte Parole aus dem Zweiten Weltkrieg könnte auch gut auf Merkels Kaffeebecher stehen. Aus dem Wahlkampf haben sich Kanzlerin und Bundesregierung weitestgehend herausgehalten. Die Briten sprechen schon vom „self-imposed vow of silence“, dem „selbst auferlegten Schweigegelübde“.

Dahinter steht die berechtigte Sorge, dass alle noch so gut gemeinten Plädoyers für eine weitere EU-Mitgliedschaft der Briten genau das Gegenteil bewirken könnten: noch mehr Stimmen dagegen. Der Reflex, sich gegen jede Bevormundung aus Brüssel oder Berlin sofort zur Wehr zu setzen, ist auf der Insel stark ausgeprägt. Als einziges prominentes Regierungsmitglied wagte sich in den vergangenen Monaten Wolfgang Schäuble (CDU) nach London. Anfang März antwortete der Finanzminister auf die Frage nach Deutschlands Reaktion auf einen Brexit: „Wir würden weinen.“ Damit kam er bei den Briten gut an.