Politik

Wer wird der neue Bundespräsident?

Wolfgang Schäuble, 73 Jahre, CDU,
Bundesfinanzminister

Pro: Schäuble verfügt über politische Erfahrung wie kein Zweiter. Seit 1972 sitzt er im Bundestag. Er war Kanzleramtsminister, Fraktionschef, verhandelte 1989/90 als Bundesinnenminister über die Einheit. Zuletzt managte er die Euro- und Griechenland-Krise. Schäuble kann auch das, was vom obersten Mann im Staate verlangt wird: reden.

Kontra: Schäuble ist mit Mitte 70 womöglich zu alt für das Amt. Zudem gilt er als eher konservativ: Sozialdemokraten, Liberale und Grüne würden ihn wohl nicht wählen.

Chancen: mittel

Frank-Walter Steinmeier, 60 Jahre, SPD, Bundesaußenminister

Pro: In den Umfragen gehört Steinmeier seit Jahren zu den beliebtesten Politikern des Landes. Als deutscher Chefdiplomat findet er auch bei heiklen Auftritten die richtigen Worte.

Kontra: Steinmeier fehlt die Mehrheit. Die SPD hat weniger Stimmen in der Bundesversammlung als die Union – und die Linke wird Steinmeier nicht mittragen. Auch die Union will ihn in der Bundesversammlung nicht wählen. Weil sie am 12. Februar 2017 – im Jahr der Bundestagswahl – einen eigenen Kandidaten gegen Steinmeier aufstellen will.

Chancen: niedrig

Norbert Lammert, 67 Jahre, CDU, Bundestagspräsident

Pro: Lammert ist ein kluger Redner. Er wäre ein unbequemer Präsident, der leidenschaftlich für den Parlamentarismus streiten würde. Als Bundestagspräsident steht er seit 2005 über dem täglichen Parteienstreit.

Kontra: Merkel hat mit Horst Köhler und Christian Wulff bisher zu Kandidaten geneigt, von denen nicht mit Widerspruch zu rechnen war. Sie könnte sich deshalb gegen Lammert entscheiden. Auch die Union hat keine absolute Mehrheit in der Bundesversammlung. Ihr Kandidat würde wohl erst im dritten Wahlgang gewählt werden.

Chancen: hoch

Ursula von der Leyen, 57 Jahre, CDU, Verteidigungsministerin

Pro: Ursula von der Leyen wäre nach elf Männern die erste Frau im Amt des Bundespräsidenten. Die Mutter von sieben Kindern gilt als liberal und modern, würde unter Umständen auch Stimmen aus den Reihen von SPD, Grünen und FDP bekommen.

Kontra: Ursula von der Leyen ist ehrgeizig – bei manchen in der Union ist sie deshalb unbeliebt. Sie gehört zu den potenziellen Nachfolgern von Angela Merkel, ihr werden seit Längerem Ambitionen auf das Kanzleramt nachgesagt; und Merkel ist jetzt schon seit fast elf Jahren Regierungschefin.

Chancen: mittel

Andreas Voßkuhle, 52 Jahre, Präsident des Bundesverfassungsgerichts

Pro: Voßkuhle ist als Verfassungsrichter weit weg vom politischen Geschehen. Er wäre ein verhältnismäßig junger Präsident. Zudem hat die Republik gute Erfahrungen mit dem Verfassungsrichter Roman Herzog im Amt des Bundespräsidenten gemacht (1994 bis 1999).

Kontra: Angela Merkel hat Voßkuhle bereits einmal das Amt angeboten – der lehnte ab. Womöglich wird die Kanzlerin ihn deshalb nicht erneut fragen. Unter seiner Führung kippte das Bundesverfassungsgericht mehrfach Gesetze der Bundesregierung.

Chancen: mittel

Winfried Kretsch­mann, 68 Jahre, Grüner, Ministerpräsident von Baden-Württemberg

Pro: Ein Kriterium erfüllt der frühere Lehrer schon mal: Er ist deutschlandweit beliebt bei der Bevölkerung, steht in den Umfragen vorne. Kretschmann ist zudem auch bei eher bürgerlichen Menschen populär. Er ist kein typischer Grüner, regiert pragmatisch, stand in der Flüchtlingskrise an der Seite Merkels.

Kontra: Als Kandidat der Grünen hätte „der Kretsch“, wie er in seiner Partei heißt, ohne eine Verabredung mit der Union keine Chance in der Bundesversammlung.

Chancen: niedrig ak